Jungwale in Argentinien: Dutzende tote Tiere an Küste gespült
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 07:26 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDutzende tote Jungwale sind an die Strände der argentinischen Halbinsel Valdés gespült worden.
Bakterium als Arbeitshypothese
Nach bisherigen Erkenntnissen könnte ein Bakterium bei den Kälbern der Südlichen Glattwale systemische Erkrankungen ausgelöst haben, wie die Regierung der argentinischen Provinz Chubut erklärte. Hinweise auf eine vom Menschen verursachte Ursache seien bislang nicht gefunden worden.
Die Provinzregierung untersucht die Strandungen gemeinsam mit Wissenschaftlern. Betroffen sind Südliche Glattwale, auch Südkaper genannt. Die Tiere kommen zur Fortpflanzung und Aufzucht ihrer Jungen an die Küsten Argentiniens, Brasiliens und Uruguays; in den nordpatagonischen Gewässern Argentiniens halten sie sich in großer Zahl auf.
Wissenschaftler sprechen von hoher Sterblichkeit
Der Wissenschaftler Mariano Coscarella vom argentinischen Forschungsrat Conicet sprach von einer „recht hohen Sterblichkeitsrate“. Die Provinzregierung verwies dagegen darauf, dass jedes Jahr Glattwale sterben würden. Die aktuellen Fälle könnten deshalb auch Teil der natürlichen Populationsdynamik sein.
Die Zahl der verendeten Tiere könne von Saison zu Saison und auch innerhalb einer Saison schwanken. Der Bakterienbefall gilt derzeit als Arbeitshypothese; ein solches Phänomen sei auch an anderen Orten der Welt beobachtet worden.
Weltnaturerbe als wichtiger Lebensraum
Die rund 4.000 Quadratkilometer große Halbinsel Valdés in Nordpatagonien ist ein bedeutendes Rückzugsgebiet für Meeressäuger. Tausende Seelöwen, Seeelefanten und zahlreiche Walarten kommen während der Fortpflanzungs- und Aufzuchtzeit in die Küstengewässer.
Dort treffen zwei Meeresströmungen aufeinander und sorgen für nährstoffreiche Gewässer. Die Halbinsel wurde 1999 zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt.
Ein außergewöhnlicher Anstieg in einem wichtigen Walgebiet
Die Strandungen treffen ein Gebiet, in dem sich Südliche Glattwale zur Fortpflanzung und Aufzucht ihrer Kälber sammeln. Die Tiere können bis zu 17 Meter lang werden, rund 40 Tonnen wiegen und mehr als 60 Jahre alt werden. Damit ist die Sterblichkeit von Jungtieren zwar besonders auffällig, einzelne Todesfälle gehören aber grundsätzlich zur natürlichen Populationsdynamik.
Die Größenordnung der aktuellen Verluste ist entscheidend für die Bewertung. Im Vorjahr wurden in der Region 2.110 Wale gezählt, darunter 800 Kälber; in diesem Jahr waren es nach Angaben des Forschers 1.375 Wale und knapp 400 Kälber. Diese Zahlen machen deutlich, dass die Entwicklung über die einzelne Strandungssaison hinaus beobachtet werden muss.
Was die Untersuchungen klären müssen
Die Arbeitshypothese eines weit verbreiteten Meeresbakteriums erklärt, warum derzeit vor allem ein natürlicher Krankheitsausbruch untersucht wird. Für eine belastbare Bewertung müssen jedoch weitere Proben ausgewertet und die Fälle räumlich sowie zeitlich verglichen werden. Erst dadurch lässt sich einschätzen, ob es sich um eine begrenzte saisonale Häufung oder ein größeres ökologisches Problem handelt.
Für die Region hat das Geschehen auch wirtschaftliche Bedeutung: Die Küste um Puerto Madryn und die Halbinsel Valdés ist ein Zentrum der Walbeobachtung und des Naturschutzes. Die Halbinsel bleibt als UNESCO-Weltnaturerbe ein besonders geschützter Lebensraum; die Untersuchung der Todesfälle soll deshalb auch Hinweise für den langfristigen Schutz der Population liefern.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Hunderte Jungwale tot in Argentinien - Forscher vermuten Infektion“ (25.09.2026)
Der Bericht fasse die Todesfälle als ungewöhnlich hohe Sterblichkeit unter den Walkälbern zusammen und nenne eine bakterielle Hautinfektion als wahrscheinliche Ursache. Zugleich hebe er hervor, die Walpopulation sei nach Einschätzung des Forschers durch die jüngsten Verluste nicht mittelfristig gefährdet.
DER SPIEGEL: „Argentinien: Hunderte tote Walkälber an Küste entdeckt“ (25.09.2026)
Der Artikel bestätige den bakteriellen Verdacht und stelle die Todesfälle in den Zusammenhang mit der bislang wachsenden Walpopulation. Anders als die vorsichtige Einordnung der Provinzregierung betone der Bericht die ungewöhnlich hohe Sterblichkeitsrate; offen bleibe, wie groß der Anteil natürlicher Ursachen und möglicher menschlicher Einflüsse sei.
Beide Berichte stimmten darin überein, dass eine bakterielle Infektion derzeit als wichtigste Erklärung gelte und die Untersuchungen fortgesetzt würden. Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung der außergewöhnlichen Sterblichkeit und bei der Einschätzung, wie stark die regionale Population bereits betroffen sei.
