Japan meldet Rekord: Mehr als 100.000 Hundertjährige bei schrumpfender Bevölkerung
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 10:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWSJapan zählt erstmals mehr als 100.000 Menschen, die das Alter von 100 Jahren erreicht oder überschritten haben.
Rekordzahl der Hundertjährigen
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Tokio leben in der viertgrößten Wirtschaftsnation der Welt inzwischen 107.677 Menschen im Alter von 100 oder mehr Jahren. Das sind 7.914 Hundertjährige mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl steigt damit seit nunmehr 56 Jahren ununterbrochen an. Als das Ministerium 1963 mit der Statistik begann, waren zunächst nur 153 Hundertjährige registriert, 25 Jahre später überschritt ihre Zahl bereits die Marke von 10.000.
Hohe Lebenserwartung und Frauenüberhang
Japan gehört zu den Ländern mit der höchsten Lebenserwartung weltweit. Nach der jüngsten Erhebung beträgt sie für Frauen rund 87 Jahre und für Männer rund 81 Jahre. Rund 88 Prozent der Hundertjährigen sind Frauen. Gesundheitsminister Kenichiro Ueno erklärte vor der Presse, man freue sich darüber, dass viele Menschen dank der Fortschritte in der Medizintechnik länger leben und aktiv bleiben.
Schnell schrumpfende Bevölkerung
Parallel zur wachsenden Zahl sehr alter Menschen schrumpft die Gesamtbevölkerung Japans im Rekordtempo. Zu Jahresbeginn sank die Zahl der Japanerinnen und Japaner erstmals seit 42 Jahren unter die Marke von 120 Millionen und lag bei rund 119,7 Millionen Menschen. Innerhalb nur eines Jahres verlor das Land 917.000 Einwohner, was ungefähr der Größe einer Großstadt entspricht.
Steigende Sozialausgaben und hohe Staatsverschuldung
Die rückläufige Geburtenrate und die alternde Bevölkerung lassen die Kosten für die soziale Sicherung von Jahr zu Jahr steigen. Renten-, Pflege- und Gesundheitsausgaben belasten die öffentlichen Finanzen zunehmend. Japan weist bereits seit langem die mit großem Abstand höchste Staatsverschuldung unter den Industrieländern auf. Der demografische Wandel verstärkt damit den Reformdruck auf Politik und Gesellschaft.
Wachsende Zahl sehr alter Menschen
Die nunmehr mehr als 100.000 Hundertjährigen markieren eine Entwicklung, die Japan seit Jahrzehnten prägt: Der Anteil sehr alter Menschen an der Gesamtbevölkerung nimmt kontinuierlich zu. Fortschritte in Medizin, Pflege und allgemeinem Lebensstandard haben dazu geführt, dass immer mehr Japanerinnen und Japaner nicht nur sehr alt werden, sondern vielfach auch länger aktiv bleiben. In internationalen Vergleichen gehört das Land seit Jahren zu den Staaten mit der höchsten durchschnittlichen Lebenserwartung, was sich nun im Rekordwert bei den Hundertjährigen widerspiegelt.
Demografischer Wandel als strukturelle Belastung
Gleichzeitig zeigt der Rückgang der Bevölkerungszahl unter 120 Millionen und der starke jährliche Verlust, dass Japan mitten in einem tiefgreifenden demografischen Wandel steht. Die Kombination aus niedrigen Geburtenraten und begrenzter Zuwanderung führt dazu, dass immer weniger Erwerbstätige für eine wachsende Zahl älterer Menschen aufkommen müssen. Dies erhöht die Ausgaben für Renten, Pflege und Gesundheit und belastet die öffentlichen Haushalte in einem Staat, der bereits eine sehr hohe Staatsverschuldung aufweist. Für Politik und Wirtschaft entsteht so ein dauerhafter Anpassungsdruck, etwa bei Sozialversicherungen, Arbeitsmarkt und Steuerpolitik.
Folgen für Arbeitsmarkt, Regionen und Alltag
Für die Bevölkerung bedeutet die Entwicklung, dass traditionelle Familien- und Erwerbsmodelle unter Druck geraten. In ländlichen Regionen kann der starke Rückgang jüngerer Bewohner dazu führen, dass Infrastruktur ausgedünnt und Dienstleistungen schwerer verfügbar werden, während gleichzeitig der Bedarf an Pflegeangeboten steigt. Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass ältere Beschäftigte länger im Erwerbsleben bleiben und neue Formen altersgerechter Arbeit gefragt sind. Für Leserinnen und Leser außerhalb Japans verdeutlicht die Entwicklung, wie stark eine alternde Gesellschaft Wirtschaft, Sozialsysteme und Alltagsleben verändern kann und welche langfristigen Reformen erforderlich werden, um Versorgung und Wohlstand zu sichern.
