Iris Berben, Deutscher Kulturpolitikpreis 2026

Iris Berben mit Kulturpolitikpreis für Einsatz gegen Antisemitismus ausgezeichnet

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 19:58 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Iris Berben ist für ihren Einsatz gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus mit dem Deutschen Kulturpolitikpreis 2026 ausgezeichnet worden. Bei der Verleihung dankte ihr der Pianist Igor Levit eindringlich für ihr Engagement für jüdisches Leben in Deutschland.

  • Bereits als junge Frau reiste Berben das erste Mal nach Israel. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
    Bereits als junge Frau reiste Berben das erste Mal nach Israel. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
  • «Was ich brauche, sind Menschen wie du», sagte Levit zu Berben. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
    «Was ich brauche, sind Menschen wie du», sagte Levit zu Berben. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Bereits als junge Frau reiste Berben das erste Mal nach Israel. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa «Was ich brauche, sind Menschen wie du», sagte Levit zu Berben. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Schauspielerin Iris Berben ist am Donnerstagabend in Berlin mit dem Deutschen Kulturpolitikpreis 2026 für ihren Einsatz gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus ausgezeichnet worden.

Levit hält emotionale Laudatio

Der jüdische Pianist Igor Levit hielt in der Staatsbibliothek die Laudatio und spielte Klavier. Er dankte Berben persönlich für ihre Unterstützung und sagte: „Was ich brauche, sind Menschen wie du.“

Jüdisches Leben in Deutschland sei keine Selbstverständlichkeit und müsse jeden Tag neu verhandelt und entschieden werden, sagte Levit. Berben habe nach dem Überfall der Hamas auf Israel nicht geschwiegen, sondern Solidarität mit dem jüdischen Volk gezeigt.

Berben ruft zu Zivilcourage auf

Berben rief dazu auf, Antisemitismus im eigenen Umfeld entschieden entgegenzutreten. Es gehe nicht darum, recht zu haben, sondern um Menschenwürde, Lebensformen und die deutsche Geschichte, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur am Rand der Preisverleihung.

Zu der Veranstaltung kam unter anderem der israelische Botschafter Ron Prosor. Berben nahm die Auszeichnung sichtlich bewegt entgegen und las anschließend eine Passage aus Sebastian Haffners Buch „Geschichte eines Deutschen“.

Sorge über Debatte in Berlin

Die 76-Jährige sagte, sie habe sich über den Preis riesig gefreut, sei von der Auszeichnung aber überrascht worden. Sie wünsche sich, dass jüdisches Leben in Deutschland irgendwann selbstverständlich möglich sei und als Bereicherung empfunden werde.

Die Antisemitismus-Debatte im Zusammenhang mit dem Wahlsieg der Linken in Berlin bereitet der bekennenden SPD-Unterstützerin Sorgen. Sie bezeichnete sich als linksliberal und sagte, sie verbinde vieles mit der Linken. Die Haltung der linken Szene zu Israel sei jedoch „wie ein Stachel in meiner Brust“ und bereite ihr Kopf- und Magenschmerzen.

Antisemitismus als gesellschaftliche Daueraufgabe

Die Auszeichnung fällt in eine Phase, in der jüdisches Leben in Deutschland erneut besonders stark um seine öffentliche Sichtbarkeit und Sicherheit ringen muss. Antisemitische Vorfälle und Straftaten nehmen seit Jahren zu; für 2025 ordnet die Kriminalstatistik den größten Teil dem rechtsextremen Spektrum zu, gefolgt vom Bereich „ausländische Ideologie“. Die Debatte ist deshalb nicht auf ein einzelnes politisches Lager begrenzt.

Streit über Israelkritik und rote Linien

Gleichzeitig wird kontrovers darüber diskutiert, wann Kritik an der israelischen Regierung in antisemitische Muster übergeht. Als problematisch gelten unter anderem die Leugnung des Existenzrechts Israels, die Dämonisierung des Landes oder die Übertragung antisemitischer Stereotype auf politische Aussagen. Für jüdische Menschen bleibt entscheidend, ob Solidaritätsbekundungen im Alltag mit konkretem Schutz und klaren Konsequenzen verbunden werden.

Bedeutung für Kultur und Öffentlichkeit

Berbens Engagement steht damit für eine Form öffentlicher Einmischung, die historische Erinnerung mit gegenwärtiger Verantwortung verbindet. Lesungen, Schulbesuche und Diskussionen erreichen auch Menschen außerhalb politischer Institutionen. Die Preisverleihung lenkt den Blick darauf, dass der Schutz jüdischen Lebens nicht allein Aufgabe Betroffener sein kann, sondern eine dauerhafte Verpflichtung von Zivilgesellschaft, Kultur und Politik bleibt.

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