Leihmutter-Skandal in Kalifornien: Ehepaar wegen Misshandlung von 14 Kindern festgenommen
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 03:08 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Staatsanwaltschaft von Los Angeles County hat ein Ehepaar angeklagt, in seiner Villa in Arcadia mindestens 14 Kinder, darunter Babys aus Leihmutterschaften, misshandelt zu haben.
Vorwürfe gegen Ehepaar
Der 66 Jahre alte Mann und seine 39-jährige Ehefrau wurden am Dienstag Ortszeit in ihrem Haus festgenommen. Bezirksstaatsanwalt Nathan Hochman bezeichnete die Villa bei einer Pressekonferenz als «Haus des Grauens».
Nach den Ermittlungen sollen die Kinder extrem strikt erzogen und mit Schlägen bestraft worden sein. Das Ehepaar habe sechs Kindermädchen angewiesen, die Kinder gewaltsam zu disziplinieren.
Videoaufnahmen sollen Gewalt zeigen
In den Räumen der Villa waren den Angaben zufolge 32 Überwachungskameras installiert. Die Polizei erklärte, Aufnahmen zeigten, wie Kindermädchen mit Stöcken und einem Schuh auf die Kinder einschlügen.
Das Ehepaar betrieb demnach eine Leihmutter-Agentur und behielt zahlreiche durch Leihmutterschaft geborene Kinder selbst. Die Behörden waren bereits 2025 auf das Paar aufmerksam geworden, nachdem ein Säugling mit schweren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus gebracht worden war.
Ermittlungen nach Verletzung eines Säuglings
Die Eltern erklärten damals, das Kind sei aus dem Bett gefallen. Ärzte schöpften jedoch den Verdacht auf Kindesmisshandlung. Die Polizei nahm das Paar vorübergehend fest; nun wurde Anklage erhoben.
Damals lebten laut der Meldung 15 Kleinkinder in dem Haus. Sie wurden der Jugendbehörde übergeben. Eines der Kindermädchen wurde wegen Körperverletzung angezeigt, ist aber flüchtig.
Leihmutterschaft zwischen Vertrag und Kindeswohl
Der Fall rückt eine strukturelle Besonderheit der Leihmutterschaft in den Mittelpunkt: Mehrere Erwachsene, eine Agentur und medizinische sowie rechtliche Dienstleister können an der Entstehung einer Familie beteiligt sein. Entscheidend für den Schutz der Kinder bleibt jedoch, ob nach der Geburt dauerhaft sichere Betreuungsverhältnisse gewährleistet sind.
In Kalifornien ist Leihmutterschaft grundsätzlich rechtlich etabliert. Vereinbarungen regeln unter anderem die elterliche Zuordnung und die medizinische Betreuung. Diese rechtliche Struktur ersetzt aber keine laufende Kontrolle des Kindeswohls. Hinweise auf Gewalt in einer privaten Villa können deshalb besondere Schwierigkeiten schaffen, wenn die Kinder weitgehend abgeschirmt leben.
Kontrolle und mögliche Folgen
Die im Fall beschriebenen Kameras und Aussagen von Kindermädchen könnten für die Strafverfolgung eine wichtige Beweislage bilden. Zugleich zeigt der Vorgang, dass eine frühere medizinische Auffälligkeit zwar Behörden auf den Plan bringen kann, der Schutz betroffener Kinder aber auch von der Geschwindigkeit weiterer Ermittlungen und Interventionen abhängt.
Für die Kinder stehen zunächst medizinische Versorgung, psychologische Unterstützung und stabile Unterbringung im Vordergrund. Für die Leihmutterschaftsbranche dürfte der Fall die Aufmerksamkeit auf Agenturen lenken, die Kinder nach der Geburt selbst aufnehmen oder ihre Betreuung organisieren. Mögliche Konsequenzen reichen von strengeren Prüfungen der Betreuungsverhältnisse bis zu einer genaueren Kontrolle von Vermittlern und Pflegepersonen.
