Holzrauch über dem letzten Schnee - wer wartet hinter dem Fenster?
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 09:49 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWSUnter dem schwindenden Schnee
Ich bin in der Nacht nicht gegangen. Schlaf war wieder eine Tür ohne Griff, also habe ich mich angezogen, die Thermoskanne gefüllt und gewartet, bis der Himmel heller wurde. Nun trage ich die Müdigkeit wie einen schweren Mantel, während über dem Hang einzelne Schneeflächen glitzern.
Du gehst nicht neben mir, jedenfalls nicht sichtbar. Deine Stimme kommt aus dem Wind, manchmal aus dem Knirschen, manchmal aus dem Holzrauch, der von irgendwoher über den Hang zieht. Du sagst, dass man einem Haus nicht folgen müsse. Man müsse nur bemerken, wohin die Vögel schweigen.
Die Spur im kalten Gras
Ich folge einer schmalen Spur, die zwischen gefrorenen Grasbüscheln verschwindet. Sie führt nicht gerade bergauf, sondern macht kleine Ausweichbewegungen, als hätte jemand den Weg im Gehen vergessen. Neben einem niedrigen Stein liegt ein Stück Rinde, dunkel vom Rauch, und darunter schimmert eine feuchte Stelle.
Du bleibst bei dem alten Zaun stehen. Seine Pfosten tragen keine Farbe mehr, nur helle Risse und den Schatten von Moos. Jenseits davon hebt sich das Haus aus dem Hang, nicht als klare Form, sondern als Folge von Kanten, Fenstern und einem Dach, auf dem der letzte Schnee in schmalen Streifen liegt.
Ich sehe einen Schornstein, aus dem nichts mehr kommt. Trotzdem riecht die Luft nach Holzfeuer. Der Geruch sitzt in meinem Schal, in den Haaren, sogar an der Thermoskanne, deren Deckel ich fester schließe, als könnte darin die ganze Nacht eingeschlossen sein.
Wo das Licht stehen bleibt
Du führst mich nicht zur Vorderseite. Wir gehen seitlich am Hang entlang, vorbei an einer niedrigen Mauer, deren Steine vom Tau dunkel glänzen. Zwischen zwei Pfosten öffnet sich der Blick auf eine Terrasse. Dort steht ein Stuhl, vom Schnee halb umgeben, mit einer Decke über der Lehne.
Ich frage mich, wer in einer solchen Nacht draußen gesessen hat. Vielleicht jemand, der nicht schlafen konnte. Vielleicht jemand, der auf ein Geräusch wartete, das nur in den eigenen Gedanken existierte. Auf dem Tisch liegt eine leere Schale, daneben ein Holzspan und ein dünner Kreis aus Staub.
Du sagst, das Haus habe seinen Atem verändert, seit wir näher kommen. Ich höre es auch. Kein Schritt, kein Ruf, nur ein leises Schaben hinter einer Scheibe. Das Geräusch wandert, hält inne und beginnt wieder, als würde drinnen ein Gegenstand über einen Boden gezogen.
Die unberührte Schwelle
Ich stelle die Thermoskanne auf die Terrassenplatte. Ihr Metall nimmt das matte Licht auf, und für einen Moment sieht sie aus wie ein kleiner, verschlossener Spiegel. Im Fenster darüber bewegt sich ein heller Fleck, obwohl keine Gestalt zu erkennen ist.
Du stehst nun dicht hinter mir. Oder ich bilde mir deine Nähe ein. Zwischen uns liegt nur die kalte Luft, dazu der Geruch von Holzrauch, der wieder stärker wird und die Ränder des Hauses weichzeichnet.
Ich lege die Hand an die Tür. Das Holz ist warm.
Ob das Haus im Video dem ähnelt, das du und ich bis hierher gesehen haben, bleibt offen. Das Video lässt den Blick weitergehen.
Das Haus im Video
Zum Video auf InstagramDie Geschichte oben ist frei erzählt. Das echte Haus zeigt das Video von SALUTI Immobilien, in Kooperation mit Brumani Immobilien - brumani.de
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