Hendrik Holt in Dubai festgenommen: Geflohener Windkraftbetrüger soll ausgeliefert werden
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 18:46 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer aus dem offenen Vollzug geflohene Windkraftbetrüger Hendrik Holt ist in Dubai festgenommen worden.
Festnahme nach internationaler Fahndung
Die Staatsanwaltschaft Osnabrück teilte mit, Holt sei am Dienstag aufgrund gemeinsamer Fahndungsmaßnahmen der Staatsanwaltschaft und der Direktionsfahndung der Zentralen Kriminalinspektion Osnabrück festgenommen worden. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Schanz.
Holt befinde sich weiterhin in Dubai, sagte Schanz. Als nächster Schritt müssten die Auslieferungsunterlagen übermittelt werden.
Nach Ausgang nicht zurückgekehrt
Holt war seit dem 25. August auf der Flucht. An diesem Tag kehrte er von einem genehmigten Ausgang nicht in die Justizvollzugsanstalt in Berlin zurück, in der er im offenen Vollzug untergebracht war.
Nach dem aus Haselünne im Emsland stammenden Verurteilten wurde weltweit mit einem europäischen Haftbefehl gefahndet. Einen Tag nach seinem Verschwinden ging bei dem Berliner Gefängnis eine E-Mail ein, in der es sinngemäß hieß, Holt werde nicht wiederkommen.
Hinweis auf Moskau
Wo sich Holt aufhielt, war zunächst unbekannt. In einem von Medien aufgegriffenen Instagram-Beitrag hieß es: «Liebesgrüße aus Moskau sehr schön hier der Kaviar ist fantastisch». Die Staatsanwaltschaft Osnabrück machte damals keine Angaben zur Echtheit des Beitrags.
Fast neun Jahre Haft
Das Landgericht Osnabrück verurteilte Holt 2022 wegen bandenmäßigen Betrugs, Bestechung und Urkundenfälschung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fast neun Jahren. Seit Ende Oktober 2024 befand er sich im offenen Vollzug.
Holt hatte unter anderem ausländischen Stromkonzernen angeblich existierende Windparks verkauft, die tatsächlich nicht vorhanden waren. Zudem bestach er ausländische Diplomaten, um sich mit einem Diplomatenpass gegen deutsche Strafverfolger abzusichern. Über den Fall gibt es auch die ARD-Dokumentation «Holt - Der Windkraft-Schwindler».
Ausgang im offenen Vollzug
Der Fall zeigt die besonderen Risiken des offenen Vollzugs: Gefangene erhalten dort mehr Bewegungsfreiheit und können unter bestimmten Voraussetzungen Ausgänge wahrnehmen. Diese Lockerungen sollen die Wiedereingliederung vorbereiten, setzen aber voraus, dass die Gefangenen zuverlässig zurückkehren. Holt kehrte nach einem genehmigten Ausgang am 25. August nicht in die Berliner Justizvollzugsanstalt zurück.
Internationale Fahndung
Nach der Flucht wurde mit einem europäischen Haftbefehl weltweit nach dem Verurteilten gesucht. Die Festnahme in Dubai verlagert den Schwerpunkt nun vom Fahndungserfolg auf das Auslieferungsverfahren. Dafür müssen die deutschen Behörden die erforderlichen Unterlagen an die Vereinigten Arabischen Emirate übermitteln; bis zur Übergabe bleibt Holt nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Dubai.
Hintergrund des Falls
Das Landgericht Osnabrück hatte Holt 2022 wegen bandenmäßigen Betrugs, Bestechung und Urkundenfälschung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fast neun Jahren verurteilt. Der Kern des Falls lag in vorgetäuschten Windparkgeschäften: Holt soll ausländischen Stromkonzernen nicht existente Anlagen angeboten haben. Zusätzlich spielte der Versuch eine Rolle, sich durch die Bestechung ausländischer Diplomaten und einen Diplomatenpass dem Zugriff deutscher Strafverfolger zu entziehen.
Für die Justiz bedeutet die Festnahme zunächst, dass die weitere Vollstreckung der Haft vorbereitet werden kann. Für Betroffene und Gläubiger bleibt entscheidend, ob neben der Rückführung auch Vermögenswerte gesichert oder Ansprüche durchgesetzt werden können.
