Handynutzung am Steuer: ACE entdeckt Verstöße bei 3,3 Prozent
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 08:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWSACE-Kontrollen zeigen regionale Unterschiede
- Der ACE beobachtete zwischen April und Juli mehr als 300 bundesweite Überprüfungen an innerörtlichen Kreuzungen.
- In Stuttgart lag der höchste gemeldete Wert bei 17,9 Prozent der kontrollierten Fahrzeuge.
- Für Handyverstöße werden zwei Punkte in Flensburg und mindestens 250 Euro Bußgeld empfohlen.
ACE beobachtet Smartphone-Verstöße an Kreuzungen
Die Handynutzung am Steuer nimmt nach Einschätzung des Unfallforschers Siegfried Brockmann besonders unter jungen Autofahrern dramatisch zu. Bei mehr als 300 Überprüfungen des Auto Club Europa wurde im Schnitt bei jedem 30. kontrollierten Fahrzeug ein verbotswidrig benutztes Smartphone festgestellt.
Stuttgart erreicht höchsten Kontrollwert
Die ACE-Ehrenamtlichen überprüften zwischen April und Juli bundesweit innerörtliche Kreuzungen. Im Durchschnitt lag der Anteil der klar erkennbaren Verstöße bei 3,3 Prozent.
Den höchsten Wert meldete eine Kreuzung in Stuttgart mit 17,9 Prozent. Bei vier Kontrollen in Braunschweig, Jüterbog, Oschatz und Trostberg wurden dagegen keine Verstöße registriert.
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Verdecktes Tippen bleibt schwer messbar
Brockmann unterscheidet zwischen sichtbarem Telefonieren und dem Lesen oder Schreiben von Nachrichten unterhalb der Sichtlinie. Gerade diese Form der Ablenkung sei deutlich schwieriger nachzuweisen und erscheine deshalb in amtlichen Statistiken nur zu einem geringen Prozentsatz.
Experte setzt auf Entdeckungsrisiko
Beim Verkehrsgerichtstag in Goslar forderten Fachleute Anfang des Jahres zwei Punkte in Flensburg und ein Bußgeld von mindestens 250 statt 100 Euro. Brockmann hält höhere Strafen jedoch nicht für den entscheidenden Ansatz.
Er setzt vor allem auf eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass Verstöße entdeckt werden. Dabei verwies er auf sogenannte Handyblitzer, die von schräg oben fotografieren, sowie auf technische Verbesserungen bei Spracheingaben.
Die dpa-Meldung beschreibt ein Problem, das sich nur teilweise über amtliche Unfall- und Verwarnungsdaten abbilden lässt. Sichtbare Handynutzung am Steuer kann kontrolliert werden; das Lesen oder Schreiben von Nachrichten unterhalb der Sichtlinie bleibt dagegen häufig verborgen. Dadurch können Beobachtungsaktionen wie die ACE-Kontrollen zwar Größenordnungen zeigen, aber nicht das gesamte Ausmaß der Ablenkung erfassen.
Besonders relevant ist die Kombination aus Unerfahrenheit und digitaler Gewohnheit. Junge Fahrer verfügen oft über weniger Routine, um Verkehrssituationen parallel zur Bedienung eines Smartphones richtig einzuschätzen. Schon kurze Blicke weg von der Fahrbahn können bei innerörtlichen Kreuzungen, stockendem Verkehr oder plötzlich auftretenden Hindernissen entscheidend sein.
Kontrolle und Technik im Mittelpunkt
Die Debatte über höhere Bußgelder steht deshalb neben der Frage, wie Verstöße wahrscheinlicher entdeckt werden können. Handyblitzer und gezielte Kontrollen setzen an der Entdeckungswahrscheinlichkeit an, während technische Lösungen wie Spracheingaben die Bedienung verändern sollen. Für Autofahrer bleibt entscheidend, Nachrichten nicht während der Fahrt zu lesen oder zu verfassen, sondern das Smartphone vor dem Losfahren außer Reichweite zu legen.
