Berlin, Deutschland

Wohnung in Berliner Hochhaus brennt – Säugling stirbt

12.02.2026 - 17:14:53

Großeinsatz mit 170 Feuerwehrleuten bei einem Hochhausbrand in Berlin: Ein kleines Kind stirbt, weitere Menschen werden schwer verletzt.

  • Der Qualm zog auch weit die Fassade hoch. - Foto: Markus Lenhardt/dpa

    Markus Lenhardt/dpa

  • Linda Rockmann half Mietern und kochte Tee für Betroffene.  - Foto: Markus Lenhardt/dpa

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  • Räumt auf nach dem Brand: Constanze Körner. - Foto: Markus Lenhardt/dpa

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Der Qualm zog auch weit die Fassade hoch. - Foto: Markus Lenhardt/dpaLinda Rockmann half Mietern und kochte Tee für Betroffene.  - Foto: Markus Lenhardt/dpaRäumt auf nach dem Brand: Constanze Körner. - Foto: Markus Lenhardt/dpa

Aus den Fenstern lodern Flammen, schwarzer Qualm zieht durch die Gänge, dann dringen die Berliner Feuerwehrleute mit Atemschutz in das Hochhaus vor – und machen einen schockierenden Fund: Im Hausflur auf der dritten Etage liegen eine Frau und ihre beiden kleinen Kinder, bewusstlos. Notärzte reanimieren sie, doch den neun Monate alten Säugling können sie nicht retten - er stirbt. Seine 26-jährige Mutter und sein fünfjähriger Bruder liegen tags darauf in kritischem Zustand im Krankenhaus, ebenso weitere Schwerverletzte, wie die Polizei berichtet.

Was ist geschehen? Gegen 20 Uhr am Vorabend hört der Portier des 20-geschossigen Gebäudes in Friedrichsfelde im Bezirk Lichtenberg einen Brandmelder in einer Wohnung piepen, bemerkt auch starken Rauch und schlägt Alarm. 170 Feuerwehrleute rücken an, begleitet von zahlreichen Polizeikräften. 70 Menschen werden aus dem verrauchten Haus in Sicherheit gebracht, viele können sich selbst retten.

Insgesamt acht Menschen kommen ins Krankenhaus, darunter der 75-jährige Mieter, in dessen Wohnung das Feuer den Ermittlungen zufolge ausgebrochen war. Es breitet sich an dem Abend rasant aus, da die Räume mit zahlreichen Gegenständen zugestellt sind. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur handelt es sich um eine sogenannte Messie-Wohnung; die große Unordnung erschwerte die Brandbekämpfung. Das Landeskriminalamt ermittelt zur Ursache.

 21 Wohnungen polizeilich gesperrt

Tags darauf dann eine erste Bilanz: Am Mittag sind laut der Wohnungsgesellschaft Howoge noch 21 Wohnungen in dem Gebäude in der Dolgenseestraße polizeilich gesperrt. Die Firma betont, man stehe in engem Austausch mit allen Mietern, die nun ohne Obdach dastehen. Die meisten von ihnen hätten über die Nacht privat unterkommen können. Die Stromversorgung sei vollständig gewährleistet, hieß es weiter. Jedoch sei ein Teil der Heizungen vorerst abgeschaltet; gleiches gelte für den Aufzug. Techniker arbeiten daran.

Nach Angaben einer Sprecherin der Howoge haben einige Mieter im Tagesverlauf ihre Schlüssel zurückbekommen. Mit anderen Betroffenen werde man am Freitag die Situation vor Ort anschauen, erklärte sie. 

Bezirksbürgermeister erschüttert

Das Bezirksamt Lichtenberg ist in der Nacht mit Einsatzkräften vor Ort und organisiert für elf Menschen Hotelzimmer in der Nähe und auch ein Shuttle dorthin. Im Nachgang prüft nun die Bau- und Wohnungsaufsicht alle betroffenen Wohnungen, damit der Eigentümer sie schnell wieder herrichten kann.

Bezirksbürgermeister Martin Schaefer zeigte sich erschüttert: «Ich wünsche allen Angehörigen und Nachbarn viel Kraft und Zusammenhalt in diesen schweren Stunden und Tagen. Der Verlust eines Kindes ist nicht aufzuwiegen.» Der Bezirk werde alle Betroffenen unterstützen, wo es nötig und möglich sei, erklärte der CDU-Politiker.

«Habe das Feuer gerochen»

Eine Mieterin aus dem 16. Stock, die anonym bleiben will, sagt am Morgen einem Reporter der Deutschen Presse-Agentur: «Ich habe das Feuer auch oben bei mir gerochen, der ganze Hausflur war voller Rauch.» Die Feuerwehr sei vorbeigekommen und habe geraten, deswegen ein nasses Tuch an die Türritze zu legen. Sie habe aber über Nacht in ihrer Wohnung bleiben dürfen. 

«Es war ein drauf und drunter, ein Durcheinander»

Linda Rockmann von der nahegelegenen Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung Betonoase sieht abends mit an, wie Notärzte die junge Mutter auf der Straße reanimieren. «Es war ein drauf und drunter, ein Durcheinander. Viele haben geweint, viele waren schockiert über den Brand», sagt Rockmann sie tags darauf der Deutschen Presse-Agentur. So habe sie eine Frau, die schlecht zu Fuß und trotz Kälte nur leicht bekleidet war, zu einem italienischen Restaurant in der Nähe begleitet. Voll des Lobes ist sie für die Polizei und Feuerwehr: «Sie haben alles super organisiert und waren auch hilfsbereit, als ich nach einer Decke für die Frau gefragt habe.» Sie selbst habe für die Menschen, die draußen warten mussten, den ganzen Abend Tee gekocht.

Viele Kinder, die ihren Jugendclub besuchen, hätten sich Gedanken gemacht, ob Freunde oder Bekannte verletzt worden seien. «Die machen sich natürlich jetzt auch Sorgen und sind auch sehr traurig darüber, dass das Kind gestorben ist.»

Büro voller Löschwasser

Constanze Körner arbeitet in einem Büro des Vereins Lesben* Leben Familie (LesLeFam) unterhalb der ausgebrannten Wohnung. Sehr viel Löschwasser ist durch die Decke gekommen, wie sie sagt. «Als ich die Tür öffnete, war es entsprechend schlimm.» Deckenplatten voller Wasser seien auf die Möbel und den Boden gefallen. «Unsere Möbel, unsere Technik – ist alles kaputt.» Arbeiten sei nicht möglich. 

Erst am Dienstag brannte es in einem anderen Hochhaus

Erst am Dienstag hatte es in einem anderen Hochhaus in Lichtenberg gebrannt. Im Anschluss nahm die Polizei eine Bewohnerin und ihren Freund fest, es wird wegen schwerer Brandstiftung ermittelt. Anwohner hatten nach den Angaben am Dienstagnachmittag eine starke Rauchentwicklung in einer Wohnung in der 16. Etage des Hochhauses mit 21 Etagen in der Frankfurter Allee bemerkt.

@ dpa.de

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