Frankfurter Buchmesse 2026, Tschechien Ehrengast

Frankfurter Buchmesse 2026: Tschechien, Wolf Biermann und neues Messekonzept

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 15:17 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Frankfurter Buchmesse startet am 7. Oktober mit prominenten Gästen, Tschechien als Ehrengast und einem neu geordneten Messegelände. Trotz des erweiterten Programms steht die Branche unter wirtschaftlichem Druck.

  • Was bringt die Buchmesse 2026? Bei der Vorschau-Pressekonferenz gab es Details. - Bild: Florian Wiegand/dpa
    Was bringt die Buchmesse 2026? Bei der Vorschau-Pressekonferenz gab es Details. - Bild: Florian Wiegand/dpa
  • Juergen Boos geht nach 21 Jahren als Buchmessen-Direktor in Ruhestand.  - Bild: Florian Wiegand/dpa
    Juergen Boos geht nach 21 Jahren als Buchmessen-Direktor in Ruhestand. - Bild: Florian Wiegand/dpa
  • Ehrengastland der Buchmesse ist Tschechien. (Archivbild) - Bild: Arne Dedert/dpa
    Ehrengastland der Buchmesse ist Tschechien. (Archivbild) - Bild: Arne Dedert/dpa
  • Joachim Kaufmann wird neuer Buchmessen-Direktor.  (Archivbild) - Bild: Florian Wiegand/dpa
    Joachim Kaufmann wird neuer Buchmessen-Direktor. (Archivbild) - Bild: Florian Wiegand/dpa
Was bringt die Buchmesse 2026? Bei der Vorschau-Pressekonferenz gab es Details. - Bild: Florian Wiegand/dpa Juergen Boos geht nach 21 Jahren als Buchmessen-Direktor in Ruhestand.  - Bild: Florian Wiegand/dpa Ehrengastland der Buchmesse ist Tschechien. (Archivbild) - Bild: Arne Dedert/dpa Joachim Kaufmann wird neuer Buchmessen-Direktor.  (Archivbild) - Bild: Florian Wiegand/dpa

Die 78. Frankfurter Buchmesse beginnt am 7. Oktober mit Tschechien als Ehrengast, prominenten Autoren und einem neu geordneten Gelände.

Früherer Start und Nobelpreis

Die Messe dauert bis zum 11. Oktober. Nach der Eröffnungsfeier am Dienstagabend bleiben die ersten beiden Tage Fachbesuchern vorbehalten, ab Freitag ist die Messe für das allgemeine Publikum geöffnet.

Der in diesem Jahr frühere Termin führt dazu, dass während der Messe am 8. Oktober in Stockholm der Literaturnobelpreis verkündet wird. Die Zahl der Aussteller bewegt sich nach Angaben der Buchmesse auf dem Niveau der Vorjahre. Zuletzt waren 4.350 Aussteller aus mehr als 100 Ländern und 238.000 Besucher nach Frankfurt gekommen.

Wolf Biermann und Gisèle Pelicot

Zu den bekanntesten Gästen gehört Wolf Biermann. Der Musiker und Autor veröffentlicht im Oktober den ersten Band seiner Tagebücher, einen neuen Gedichtband und die Neuauflage eines Kinderbuchs. Die Veranstaltung „Ihr löscht das Feuer mit Benzin“ am 7. Oktober bildet den Auftakt seiner Tournee.

Am selben Abend tritt Gisèle Pelicot auf. Sie stellt ihr Buch „Die Scham muss die Seite wechseln“ vor, dessen Titel auf ihren Satz im Prozess gegen ihren Ex-Mann und weitere Täter zurückgeht.

Internationale und deutsche Gäste

Der US-Autor Colson Whitehead spricht am Messe-Freitag auf der Bühne von ARD, ZDF und 3sat über seinen neuen Roman „Cool Machine“. Erwartet werden außerdem Charlotte Link, Sebastian Fitzek, Jenny Erpenbeck und Cornelia Funke sowie Politiker wie Robert Habeck und Filmemacher Volker Schlöndorff.

Auch mehrere Astronauten und ein japanischer Jodler stehen auf dem Programm. Insgesamt sind auf zehn Bühnen mehr als 1.000 Sprecher angekündigt.

Tschechien ist Ehrengast

Der tschechische Gastlandauftritt steht unter dem Motto „Ein Land an der Küste“. Gemeint ist nach den Worten von Ehrengast-Direktor Martin Krafl eine Küste, an der Sprache, Geschichten und Ideen anlanden.

75 tschechische Autorinnen und Autoren reisen nach Frankfurt. In deutschsprachigen Verlagen erscheinen 150 Neuerscheinungen tschechischer Autorinnen und Autoren, 100 Veranstaltungen sind geplant. Im Ehrengast-Pavillon spielt Künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle; unter anderem sollen Zitate tschechischer Literatur auf Leuchtturm und Bojen projiziert werden.

Neues Konzept für das Messegelände

Wegen Baumängeln kann Halle 6 nicht genutzt werden. Die notwendige Umplanung nahm die Buchmesse zum Anlass, das Gelände neu zu ordnen und Wege zu verkürzen. Publikumsverlage liegen diesmal in den Erdgeschoss-Ebenen, während dort zugleich ein umfangreiches Literaturfestival stattfindet.

Auf zehn Bühnen treten mehr als 1.000 Sprecher auf. Neue Erlebniswelten richten sich unter anderem an Krimifans, Podcast-Hörer und Comic-Liebhaber. Auf der Freifläche in der Mitte des Geländes können Besucher Autoren treffen, Fotos machen und Autogramme sammeln.

Buchpreise und schwierige Marktlage

Am 5. Oktober wird der Deutsche Buchpreis für den besten Roman des Jahres bekanntgegeben. Nominiert sind Shida Bazyar, Franziska Gänsler, Valeria Gordeev, Elias Hirschl, Peggy Mädler und Dana Vowinckel.

Zum Abschluss der Messe erhält der französisch-britische Menschenrechtsanwalt Philippe Sands am 11. Oktober in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Die Auszeichnung würdigt seinen Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und die Verteidigung des Völkerrechts.

Die Buchbranche steht zugleich unter Druck. Der Umsatz lag 2025 bei 9,62 Milliarden Euro und damit 2,7 Prozent unter dem Vorjahreswert. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,1 Prozent; die Zahl der Buchkäuferinnen und Buchkäufer ging von 2024 auf 2025 um knapp fünf Prozent zurück.

Wechsel an der Spitze

Börsenvereins-Vorsteher Sebastian Guggolz führt die Entwicklung unter anderem auf eine verschlechterte Lesekompetenz infolge jahrzehntelanger Versäumnisse in der Bildungspolitik zurück. Buchmessen-Direktor Juergen Boos spricht von einem zunehmenden Kampf um Aufmerksamkeit.

Für Boos ist die diesjährige Messe nach 21 Jahren die letzte. Er geht in den Ruhestand. Neuer Buchmessen-Chef wird Joachim Kaufmann, langjähriger Geschäftsführer des Carlsen Verlags.

Branchentreff in schwieriger Lage

Die Frankfurter Buchmesse bleibt der wichtigste internationale Treffpunkt der deutschsprachigen Buchbranche. Verlage nutzen die Tage in Frankfurt nicht nur zur Präsentation neuer Titel, sondern auch für Rechtehandel, Programmplanung und Gespräche über die wirtschaftliche Entwicklung des Lesens. Mit zuletzt rund 238.000 Besucherinnen und Besuchern sowie 4.350 Ausstellern aus mehr als 100 Ländern besitzt die Messe eine Größenordnung, die weit über ein Publikumsfestival hinausgeht.

Neue Zielgruppen im Mittelpunkt

Das neu geordnete Gelände reagiert auf ein verändertes Besucherverhalten. Klare Erlebniswelten für Krimi, Podcasts, Comics und junge Fantasy-Genres sollen Orientierung schaffen und Leserinnen und Leser stärker über Gemeinschaften, Veranstaltungen und digitale Formate binden. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt von der reinen Bücherschau hin zu einem kulturellen Ereignis, das auch Film, Games, Musik und soziale Medien einbezieht.

Tschechien als kultureller Akzent

Der tschechische Ehrengastauftritt setzt einen internationalen Schwerpunkt. Das Motto „Ein Land an der Küste“ übersetzt die geografische Binnenlage des Landes in ein Bild für kulturellen Austausch; 75 Autorinnen und Autoren sowie zahlreiche Neuerscheinungen machen diesen Austausch für das deutschsprachige Publikum sichtbar. Zugleich erhält die Debatte über Künstliche Intelligenz, Lesekompetenz und die Zukunft des Buches durch die Messe eine konkrete öffentliche Bühne.

Preise und Debatten mit Signalwirkung

Der Deutsche Buchpreis und der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels markieren die Messe als Ort literarischer und gesellschaftlicher Bewertung. Die geplante Ehrung von Philippe Sands rückt dabei die Bedeutung von Völkerrecht und Menschenrechten in den Mittelpunkt. Für Besucher bedeutet die Messe in diesem Jahr deshalb beides: ein dichtes Kulturprogramm und einen Einblick in die strukturellen Herausforderungen einer Branche, die um Aufmerksamkeit und neue Leser kämpft.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau.de: „Frankfurter Buchmesse 2026 lockt mit Promis, neuem Konzept und Japan-Flair“ (03.10.2026)

Der Bericht hebe hervor, die Messe wolle neben ihrer Funktion als Marktplatz auch politische und gesellschaftliche Gegenwartsfragen diskutieren. Einen anderen Schwerpunkt als die dpa-Meldung setze er auf Romantasy, New Adult, Manga, Cosplay und Kinderangebote sowie auf die stärkere Ausrichtung der Hallen an unterschiedlichen Besuchergruppen.

Nach Darstellung des Artikels seien die Publikumshallen rund um die Agora im Erdgeschoss gebündelt; die Messe öffne sich für das Publikum ab Freitag, dem 9. Oktober. Damit bestätige der Bericht das neue Hallenkonzept und ergänze die dpa-Angaben um konkrete Veranstaltungsbereiche, Community-Angebote und Hinweise auf zusätzliche Tickets für einzelne Termine.

Der Beitrag stelle außerdem die kulturpolitische Dimension heraus: Robert Habeck solle über Klimawandel und Sicherheitspolitik sprechen, Philippe Sands über Ökozid. Offen bleibe, wie gut die neue räumliche Ordnung und die Vielzahl der Formate die angestrebte bessere Orientierung tatsächlich ermöglichen würden.

Übergreifend bestätige der Bericht die Verbindung aus prominenten Gästen, internationalem Ehrengast und neuem Besucherkonzept. Anders als die dpa-Meldung konzentriere er sich stärker auf Publikumsinteressen, Popkultur und Familienangebote; die wirtschaftliche Krise der Buchbranche trete dabei in den Hintergrund.

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