Esslingen: Polizei ermittelt wegen Drohungen um Teufelsfigur
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSErmittlungen nach Streit um Esslinger Figur
- Die Polizei verfolgt eine Handvoll Fälle wegen Bedrohungen gegen Leib und Leben.
- Ermittelt wird auch wegen Beleidigungen und Sachbeschädigung.
- Mehr als 5.600 Menschen fordern in einer Online-Petition die Entfernung der Figur.
- Die Evangelische Landeskirche sieht keinen Anlass, vor der Statue Angst zu haben.
Polizei ermittelt nach Streit um Bronze-Teufel
Eine 2,50 Meter hohe Bronze-Teufelsfigur vor dem Rathaus in Esslingen am Neckar sorgt für heftige Auseinandersetzungen und beschäftigt inzwischen die Polizei. Die Stadt hält trotz Drohungen, Beleidigungen und einer Petition an dem Denkmal fest.
Drohungen gegen Oberbürgermeister
Die Polizei ermittelt nach eigenen Angaben in einer Handvoll Fälle wegen Bedrohungen gegen Leib und Leben. Hinzu kommen Verfahren wegen Beleidigungen und Sachbeschädigung; einen Tatverdächtigen gibt es bislang nicht.
Die Stadt spricht von einem konkreten Mordaufruf gegen Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD), weiteren Bedrohungen sowie Aufrufen zu Sachbeschädigungen. An den Ermittlungen sind das Polizeirevier Esslingen und die für Staatsschutzdelikte zuständige Kriminalinspektion beteiligt.
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Eine Sage wird zum Stadtgespräch
Die Figur stammt vom Künstler Tim Bengel und greift eine alte Esslinger Sage auf. Der Überlieferung nach wollte der Teufel auf dem Markt einen Apfel kaufen, erhielt von einer Marktfrau aber eine rote Zwiebel und verfluchte die Esslinger nach dem Biss als „Zwieblinger“.
Die Bronze-Statue war vor zwei Wochen enthüllt worden. Sie ist ein Geschenk einer Sektkellerei zum eigenen Jubiläum und zum 1250-jährigen Bestehen der Stadt.
Stadt lässt Denkmal stehen
Mehr als 5.600 Menschen fordern in einer Online-Petition die Entfernung der Figur. Die Evangelische Landeskirche sieht dagegen weder eine Bedrohung christlicher Glaubensüberzeugungen noch einen Anlass zur Angst.
Für die Stadt bleibt die Entscheidung bestehen: Der Beelzebub soll vor dem Rathaus stehen bleiben. Stadtsprecher Michael Meier verwies zugleich auf Lob und Zustimmung für das Denkmal.
Der Streit in Esslingen verbindet mehrere Ebenen: eine lokale Sage, zeitgenössische Kunst im öffentlichen Raum und die Frage, wie weit Protest gegen ein umstrittenes Denkmal gehen darf. Die 2,50 Meter hohe Figur knüpft an den überlieferten Spitznamen „Zwieblinger“ und an eine ältere Teufelsdarstellung an der Frauenkirche an. Damit steht sie nicht ohne historischen Bezug im Stadtbild, wird von Teilen der Bevölkerung aber anders bewertet als von den Initiatoren.
Die Reaktionen reichen von einer Online-Petition mit mehr als 5.600 Unterstützern bis zu Drohungen, Beleidigungen und dem Vorwurf einer Sachbeschädigung. Der konkrete Mordaufruf gegen Oberbürgermeister Matthias Klopfer verschiebt den Konflikt aus einer kulturpolitischen Debatte in den Bereich strafrechtlich relevanter Einschüchterung. Dass Polizei und Staatsschutz ermitteln, unterstreicht diese neue Dimension.
Öffentlicher Raum als Streitpunkt
Die Stadt hält an der Figur fest und verweist zugleich auf Zustimmung und Lob. Für die weitere Debatte ist deshalb entscheidend, ob Kritik wieder auf die Gestaltung, den Standort und die Finanzierung des Denkmals konzentriert wird. Für Bürgerinnen und Bürger wird der Fall zudem daran sichtbar, dass öffentliche Kunst nicht nur Geschmacksfragen auslöst, sondern bei zugespitzten Auseinandersetzungen auch kommunale Beschäftigte und Amtsträger betreffen kann.
