Espresso in Italien: Ehepaar hält Preis seit 25 Jahren bei 70 Cent
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 06:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDas Café in Cossato bleibt beim alten Preis
- Rosina Furiati und Orlando Paldino betreiben das „Fante di Cuori“ seit 1995.
- Beim Euro-Wechsel senkten sie den Preis von 1.500 Lire auf 70 Cent.
- Die Bar ist täglich von 5.00 bis 19.30 Uhr geöffnet.
Espresso-Preis bleibt in Cossato bei 70 Cent
Rosina Furiati und Orlando Paldino öffnen ihre Kaffeebar „Fante di Cuori“ im piemontesischen Cossato seit Jahren früh am Morgen und verkaufen die Tasse Espresso weiterhin für 70 Cent. Das Ehepaar hatte den Preis zuletzt beim Übergang zum Euro zum Jahreswechsel 2001/2002 verändert und damals sogar von umgerechnet 77,5 auf 70 Cent gesenkt.
Die Betreiber sind 73 und 77 Jahre alt und beginnen ihren Arbeitstag bereits um 3.30 Uhr. Ihre Bar eröffnet eineinhalb Stunden später und bleibt bis 19.30 Uhr geöffnet.
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Ein Preis als bewusstes Signal
Für Furiati und Paldino ist der Espresso ein „politischer Preis“. Furiati sagt, die Tasse Kaffee müsse sich jeder leisten können, auch wenn andere Dinge teurer würden.
Die Bar gehört zu einer italienischen Kaffeekultur, in der Gäste ihren Espresso meist an der Theke und im Stehen trinken. Wer sitzen möchte, zahlt üblicherweise mehr. In Deutschland kostet ein Espresso in Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München im Durchschnitt 2,60 Euro.
Italienischer Espresso kostet inzwischen mehr
Auch in Italien sind die Preise gestiegen. Nach einer Untersuchung des Zentrums für Konsumforschung liegt der landesweite Durchschnitt inzwischen bei 1,29 Euro und damit 25 Prozent über dem Wert vor fünf Jahren.
Besonders teuer ist der Espresso in Bozen mit durchschnittlich 1,51 Euro. In touristischen Städten wie Venedig werden für eine Tasse teilweise bis zu zehn Euro verlangt.
Nachfolge für die Kaffeebar gesucht
Das „Fante di Cuori“ wurde 1995 eröffnet. Die meisten Fabriken in Cossato sind inzwischen verschwunden, dennoch kommen die Gäste weiterhin vor allem am Morgen.
Das Ehepaar sucht seit einiger Zeit Nachfolger, hat bislang aber nur Absagen erhalten. Auch Kinder und Enkel wollen den Betrieb nicht übernehmen.
Furiati und Paldino wollen noch einige Jahre weitermachen. Die Bar bleibt im August zwölf Tage geschlossen; die Gäste geben häufig freiwillig mehr als 70 Cent und lassen sich das Wechselgeld nicht zurückgeben.
Der Espresso im „Fante di Cuori“ steht für eine italienische Kaffeekultur, in der der Ausschank an der Bar traditionell schnell und vergleichsweise günstig funktioniert. Die Gäste bezahlen meist vorab, trinken im Stehen und bleiben nur kurze Zeit. Dadurch kann ein kleiner Betrieb viele Bestellungen abwickeln, ohne den Aufwand eines ausgedehnten Caféaufenthalts.
Der Preis von 70 Cent ist dennoch eine Ausnahme. Selbst in Italien ist Espresso in den vergangenen Jahren teurer geworden. Regional unterscheiden sich die Preise deutlich: Im Norden und in touristisch geprägten Städten kostet die Tasse erheblich mehr als im Süden. Für Reisende bedeutet das, dass der Ort und die Art des Konsums entscheidend sind: Sitzen, Bedienung und touristische Lage treiben den Preis nach oben.
Preis als soziales Versprechen
Das Ehepaar hält den niedrigen Preis nicht allein aus Nostalgie. Es verbindet ihn mit der Idee, dass ein täglicher Kaffee für alle erschwinglich bleiben soll. Möglich wird das durch geringe Fixkosten und den Verzicht auf zusätzliches Personal. Zugleich zeigt die geplante Nachfolge, wie schwer sich solche Modelle fortführen lassen: Wenn sich niemand findet, endet mit dem Ruhestand der Betreiber auch ein Stück lokaler Alltagskultur.
Für deutsche Gäste macht der Vergleich die Unterschiede besonders sichtbar. Während Espresso in deutschen Großstädten häufig deutlich teurer ist, bleibt in Cossato das Ritual an der Bar mit einem niedrigen Grundpreis verbunden. Das großzügige Trinkgeld der Stammgäste federt dabei einen Teil der Belastung ab, ersetzt aber kein tragfähiges Nachfolgemodell.
