Bayern, Deutschland

«Kampfansage» - Streit um Eisbachwelle spitzt sich zu

28.12.2025 - 10:42:28 | dpa.de

Es war ein kleines Weihnachtswunder: Zum Feiertag war die verschwundene Eisbachwelle dank einer Rampe wieder da - doch dann rückt die Feuerwehr an.

Einsatz an der Münchner Eisbachwelle: Die Feuerwehr hat die Eisbachwelle wieder abgebaut. Eine illegal eingesetzte Rampe wurde entfernt, die zu Weihnachten dafür gesorgt hatte, dass die seit Oktober verschwundene Welle im Eisbach im Englischen Garten zeitweise wieder da war.

Dabei war ein Kran im Einsatz, alle eingebauten Vorrichtungen wurden entfernt. Surfer zeigten sich entsetzt von der Aktion, sprachen in Chats von einer «Kampfansage der Stadt an uns Surfer». 

Das städtische Referat für Klima- und Umweltschutz betonte, es gehe allein um die Sicherheit: Die «wellenbildenden Einbauten» seien «illegal gewesen und potenziell gefährlich, wenn nicht lebensgefährlich». Das Referat erinnerte auch an den Tod einer Surferin im Frühjahr: «Nach dem tragischen tödlichen Surfunfall vom April dieses Jahres kann und darf die Stadt nicht genehmigte Einbauten an der Eisbachwelle nicht dulden. Bei Gefahr in Verzug muss die Vollzugsbehörde tätig werden und hat daher die Entfernung der Einbauten veranlasst.» 

Der Surf Club München schreibt dagegen in einer Presseerklärung: «Mit der Entfernung der Holzkonstruktion an der Eisbachwelle schafft die Stadtverwaltung Fakten und greift damit massiv in einen seit Jahrzehnten gelebten, international bekannten urbanen Freiraum ein.» Es sei «keine rein technische Maßnahme, sondern eine politische Entscheidung, oder genauer gesagt: das Ausbleiben einer politischen Entscheidung. Die Verwaltung handelt, während die Politik schweigt.»

Münchens Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) betonte, die aktuelle Situation sei «nicht zufriedenstellend – weder für die Stadt noch für die Surferinnen und Surfer der Eisbachwelle», sagte sie und bezog sich damit auf einen Konflikt zwischen den Surfern und der Stadtverwaltung um den Wiederaufbau der Welle. «Dass es nun kurz vor Weihnachten zu so einer unbefriedigenden Situation gekommen ist, ist für mich unverständlich und sehe ich auch als ein nicht überlegtes Handeln der Verwaltung.»

Vom Weihnachtswunder zum Jahresend-Zoff

Denn der Konflikt zwischen den Surfern und der Stadtverwaltung hatte sich ausgerechnet an Weihnachten zugespitzt. Die Eisbach-Surfer hatten den offiziellen Versuch zur Rettung der Welle aus Frust über die Auflagen der Stadt abgebrochen. «Die Verwaltung will das Surfen am Eisbach nicht regulieren, sondern verhindern», hieß es in einer Mitteilung des Vereins Surf Club München. Darin wird eine behördliche Auflagenpraxis kritisiert, «die faktisch auf Verhinderung angelegt ist». 

So hätten die Surfer nach eigenen Angaben beispielsweise die Haftung und alle Kosten übernehmen und permanent in Rufbereitschaft sein müssen. Außerdem seien «technische Nachweise auf dem Niveau von Brücken- oder Staubauwerkerrichtungen» verlangt worden. 

Die berühmte Welle im Eisbach war verschwunden, nachdem im Oktober nach Angaben des städtischen Baureferats unter anderem das Bachbett von Unrat und Sedimenten befreit worden. Seitdem baute sich die Wellt nicht mehr wie gewohnt auf. Warum das so ist, ist nicht ganz klar. Seither wird diskutiert, wie sie wiederbelebt werden kann. Der nun abgebrochene, wissenschaftlich begleitete Versuch war mit der Stadtverwaltung abgestimmt. 

Das Blatt hat sich gewendet - Debatte nun politisch

Die Interessengemeinschaft Surfen München (IGSM) schrieb nun aber auf Instagram: «Nachdem wir Anfangs noch die gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung betont haben, hat sich das Blatt mittlerweile gewendet.» 

Die Surfer sehen in den aus ihrer Sicht nicht erfüllbaren Auflagen für den offiziellen Rettungsversuch der Welle Ausdruck eines politischen Willens: «Die Verwaltung entscheidet hier nicht über ein konkretes Projekt, sondern über die Frage, wie viel Stadtleben noch gewollt ist», schreiben sie. 

«Formal wird eine Genehmigung nicht ausgeschlossen. Faktisch wird sie unmöglich gemacht.» Das sei «politisch bequem, aber demokratisch problematisch», kritisieren die Surfer in ihrer Mitteilung und betonen: «Die Debatte ist damit nicht beendet. Sie wird jetzt politisch.»

Der Surfclub forderte die politisch Verantwortlichen im Stadtrat auf, «jetzt Haltung zu zeigen». Das Surfen am Eisbach sei weltweit bekannt und «ein Aushängeschild für eine moderne, lebenswerte Stadt», schreiben sie. «Dieses Stück urbaner Identität darf nicht zerstört werden.»

Die Frage sei nicht, «ob Verwaltung Regeln umsetzt», heißt es in der Mitteilung. «Die Frage ist, wer entscheidet, wie München lebt.» Bürgermeisterin Dietl betonte, sie werde «die zuständigen Referate anweisen, nun aktiv an einer solchen Lösung zu arbeiten».

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