Erdbeben in Tibet: 16 Tote, Rettungskräfte suchen weiter
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 09:59 Uhr | dpa, AD HOC NEWSRettungseinsatz in Baqing
- Das Beben erschütterte in der Nacht zum Freitag den Kreis Baqing in der Autonomen Region Tibet.
- Die chinesische Erdbebenwarte gab die Stärke mit 7,0 und die Tiefe mit rund zehn Kilometern an.
- 350 Feuerwehrleute und 83 Fahrzeuge wurden in das Katastrophengebiet entsandt.
Bei einem schweren Erdbeben im Kreis Baqing in Tibet sind mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen. Chinesische Rettungskräfte suchen weiter nach Opfern und Überlebenden, während die Zahl der Verletzten auf 76 stieg.
Helfer suchen in beschädigten Siedlungen
Das Beben ereignete sich in der Nacht zum Freitag Ortszeit mit einer Stärke von 7,0 und in rund zehn Kilometern Tiefe. Seitdem wurden mehrere Nachbeben registriert.
Nach Angaben der Rettungskräfte wurden mehr als 330 beschädigte Häuser und 20 kaputte Ställe gezählt. Aufnahmen zeigten eingestürzte Gebäude in kleinen Siedlungen; in sozialen Medien waren wackelnde Regale, zitternde Deckenlampen und flüchtende Menschen zu sehen.
China entsendet weitere Rettungskräfte
Die chinesische Regierung schickte 350 Feuerwehrleute mit 83 Fahrzeugen in das Katastrophengebiet. Insgesamt waren nach offiziellen Angaben Tausende Helfer verschiedener Behörden im Einsatz.
Staats- und Parteichef Xi Jinping wies nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua an, die Such- und Rettungsmaßnahmen voranzutreiben, Verletzte medizinisch zu versorgen und die Zahl weiterer Opfer möglichst gering zu halten.
Hohe Lage erschwert die Versorgung
Das Erdbebengebiet liegt rund 180 Kilometer von der nächstgrößeren Stadt Nagqu und etwa 400 Kilometer von Lhasa entfernt. Die Region ist dünn besiedelt und liegt im Bereich des Epizentrums im Schnitt auf rund 4.800 Metern Höhe.
Meteorologen erwarteten in Teilen des Gebiets Schneefall. Die Rettungskräfte richteten deshalb auch provisorische Unterkünfte ein.
Weitere Naturkatastrophe in Tibet
Ende August hatte eine Sturzflut im Südwesten der Autonomen Region einen Grenzposten verschüttet und sich anschließend talwärts nach Nepal ergossen. Auf beiden Seiten der Grenze starben insgesamt etwa 1.450 Menschen; mehr als 5.500 galten Anfang Oktober noch als vermisst.
Erdbeben treten in Tibet, im Südwesten Chinas sowie in Nepal und Nordindien häufiger auf. Ursache ist die Kollision der indischen und der eurasischen tektonischen Platte.
Erinnerung an Beben von 2025
Im Januar 2025 hatte ein Erdbeben der Stärke 6,8 den Kreis Tingri nördlich des Mount Everest getroffen. Mindestens 126 Menschen kamen damals ums Leben.
Das Beben ereignete sich in einer Region, die durch ihre extreme Höhenlage und die dünne Besiedlung besondere Bedingungen für Rettungseinsätze aufweist. Das Epizentrum liegt nach den Angaben aus Baqing rund 4.800 Meter über dem Meeresspiegel; Schneefall kann die Versorgung und den Zugang zu betroffenen Siedlungen zusätzlich erschweren.
Die Zahl der Verletzten stieg binnen eines Tages deutlich an. Das weist darauf hin, dass die Einsatzkräfte auch nach den ersten Bergungen weitere beschädigte Gebäude überprüfen und Verletzte aus abgelegenen Orten erreichen müssen. Nachbeben erhöhen dabei das Risiko für Helfer und Bewohner in Häusern, die durch das Hauptbeben instabil geworden sind.
Erdbebenrisiko im Himalaya
Tibet, der Südwesten Chinas, Nepal und Nordindien gehören zu einem tektonisch besonders aktiven Raum. Die Kollision der indischen mit der eurasischen Platte erzeugt wiederholt starke Erdstöße. Das Beben von Baqing ist nach Angaben der dpa das stärkste in China in diesem Jahr; im Januar 2025 starben bei einem Beben im Kreis Tingri mindestens 126 Menschen.
Für die Bevölkerung kommt die Katastrophe nach einer schweren Sturzflut in Tibet Ende August. Die jüngsten Ereignisse zeigen damit nicht nur die unmittelbare Bedeutung der laufenden Suche, sondern auch die Belastung der regionalen Katastrophenschutz- und Versorgungssysteme. Kurzfristig stehen die Suche nach Verschütteten, medizinische Hilfe und der Schutz vor Kälte im Mittelpunkt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Erdbeben in Tibet: mindestens 16 Tote, hunderte Häuser zerstört“ (23.10.2026)
Der Beitrag bestätige die Zahl von mindestens 16 Todesopfern und berichte über zahlreiche zerstörte Häuser. Anders als die dpa-Meldung hebe er die Schäden in und um Nagqu sowie eine zunächst gemeldete Verletztenzahl von 54 hervor.
Tagesschau: „Tote und Verletzte: Erdbeben erschüttert Norden Tibets“ (23.10.2026)
Der Bericht bestätige die mindestens 16 Todesopfer und konzentriere sich auf das Ausmaß der menschlichen Schäden im Norden Tibets. Die laufenden Rettungsarbeiten und die Entwicklung der Opfer- und Verletztenzahlen blieben zentrale offene Punkte.
Die Berichte stimmten beim schweren Erdbeben und der Zahl der Todesopfer überein, setzten aber unterschiedliche Schwerpunkte bei Gebäudeschäden und Verletztenzahlen. Offen blieb, wie viele Menschen nach Abschluss der Sucharbeiten tatsächlich betroffen sein werden.
