Erdbeben in Panama: Stärke 7,7 löst Tsunami-Warnung aus – Entwarnung nach Stunden
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 02:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEin Erdbeben der Stärke 7,7 hat am Freitag Panama erschüttert und vorübergehend eine Tsunami-Warnung für Teile der Pazifikküste Mittel- und Südamerikas sowie Mexikos ausgelöst.
Tsunami-Gefahr vorüber
Das Pazifik-Tsunami-Warnzentrum in Honolulu hatte zunächst vor gefährlichen Wellen an Teilen der Küsten von Panama, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, Peru, Nicaragua, Guatemala, El Salvador und Mexiko gewarnt. Für Teile der panamaischen Küste wurden Wellenhöhen von ein bis drei Metern für möglich gehalten.
Stunden später hob die zuständige Behörde die Warnung wieder auf. Die Tsunami-Gefahr sei vorüber.
Beben nahe Pitaloza Arriba
Nach Angaben des US-Geologischen Dienstes ereignete sich das Beben am Freitag um 12.56 Uhr Ortszeit. Das Epizentrum lag rund zehn Kilometer westsüdwestlich von Pitaloza Arriba im zentralen Süden Panamas, in einer Tiefe von etwa zwölf Kilometern.
Der USGS bezifferte die Stärke zunächst auf 7,6 und erhöhte sie nachträglich auf 7,7. Das Warnzentrum in Honolulu hatte zunächst eine Stärke von 8,0 und eine Tiefe von 33 Kilometern angegeben.
Menschen verlassen Gebäude
In mehreren Regionen verließen Menschen aus Angst vor weiteren Erschütterungen ihre Häuser, Arbeitsplätze und Geschäfte. In Panama-Stadt wurden Straßen, Parkplätze und Parks zu Sammelpunkten für Menschen, die Gebäude vorsorglich verlassen hatten.
„Es war der größte Schrecken meines Lebens“, sagte eine Frau dem panamaischen Fernsehsender TVN. Ein anderer Augenzeuge berichtete, er sei mit den Händen über dem Kopf nach draußen gelaufen und habe sich neben Stützpfeilern in Sicherheit gebracht.
Schäden in mehreren Provinzen
Nach Angaben panamaischer Medien wurden unter anderem in Penonomé Schäden festgestellt. Betroffen waren demnach ein Turm der Kathedrale San Juan Bautista, ein Hotel und das Gebäude der Provinzverwaltung. Auch an der Kathedrale von Santiago in der Provinz Veraguas wurden Schäden gemeldet.
Dutzende Nachbeben wurden registriert. Verletzte wurden zunächst nicht gemeldet.
Behörden schließen Einrichtungen
Die Regierung ordnete die Schließung staatlicher Einrichtungen an und setzte den Nachmittagsunterricht landesweit aus. Der internationale Flughafen Tocumen unterbrach den Betrieb vorübergehend für Sicherheitsüberprüfungen, nahm den Flugbetrieb danach aber wieder auf.
Wegen strombedingter Störungen kam es in einigen Gebieten zu Einschränkungen bei der Trinkwasserversorgung. Der Panamakanal blieb laut Kanalverwaltung in Betrieb. Präsident José Raúl Mulino rief die Bevölkerung zur Ruhe auf.
Weitere schwere Beben in der Region
Die Schäden in Panama weckten Erinnerungen an schwere Erdbeben in anderen Teilen der Region. In Venezuela kamen bei zwei Beben der Stärke 7,2 und 7,5 im Juni Tausende Menschen ums Leben. Bei einem Beben der Stärke 7,4 in Kolumbien im August starben über 300 Menschen.
Kolumbiens Präsident Abelardo de la Espriella bekundete Panama seine Solidarität. Auch US-Außenminister Marco Rubio erklärte die Unterstützung der USA und kündigte an, Washington werde auf Bitten der Regierung Hilfskräfte und weitere Unterstützung mobilisieren.
Erdbebenrisiko am Pazifischen Feuerring
Panama liegt an einer tektonisch aktiven Zone, auch wenn das Land im weltweiten Vergleich nicht zu den am stärksten erdbebengefährdeten Regionen zählt. Vor allem die Subduktion der Nazca-Platte unter die Südamerikanische Platte und regionale Störungen können starke Erschütterungen auslösen. Die geringe Tiefe des aktuellen Bebens erhöht grundsätzlich die Wahrscheinlichkeit, dass es an der Oberfläche deutlich spürbar ist.
Tsunami-Warnungen nach starken Seebeben
Eine Tsunami-Warnung bedeutet zunächst eine Gefahrenprognose, nicht den Nachweis einer bereits eingetroffenen Flutwelle. Entscheidend ist, ob ein Beben den Meeresboden ausreichend vertikal verschiebt. Deshalb können Warnzentren vorsorglich mehrere Staaten entlang eines Küstenabschnitts einbeziehen und die Einschätzung nach Messungen wieder aufheben.
Folgen für Infrastruktur und Bevölkerung
Für Panama liegt die unmittelbare Bedeutung vor allem in der Kontrolle von Gebäuden, Verkehrswegen, Flughäfen und Versorgungsnetzen. Nachbeben können beschädigte Strukturen zusätzlich gefährden. Der weiterlaufende Betrieb des Panamakanals begrenzt zunächst die Auswirkungen auf den internationalen Handel, während lokale Einschränkungen bei Schulen, Behörden, Strom und Trinkwasser für die Bevölkerung wichtiger sind. In den kommenden Tagen dürften die Schadensaufnahme und die Prüfung öffentlicher Gebäude im Mittelpunkt stehen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Berliner Zeitung: „Schweres Erdbeben erschüttert Panama – Tsunami-Warnung für mehrere Länder“ (09.10.2026)
Der Bericht bestätige die Stärke von 7,7 und die anfängliche Warnung für mehrere Pazifikstaaten. Er setze zusätzliche Schwerpunkte auf Schäden in den Provinzen Herrera, Veraguas und Los Santos, mehrere Nachbeben sowie den ununterbrochenen Betrieb des Panamakanals.
n-tv: „Erdbeben der Stärke 7,6 erschüttert Panama - folgt ein Tsunami?“ (09.10.2026)
Der Beitrag habe die ersten Reaktionen in Panama-Stadt und die damalige Tsunami-Warnung unmittelbar hervorgehoben. Anders als die spätere Berichterstattung konzentriere er sich auf den frühen Stand der Ereignisse; die spätere Entwarnung und die weitere Schadensbilanz blieben in diesem Abschnitt offen.
Medienübergreifend bestehe Einigkeit über das schwere Beben, die Flucht vieler Menschen ins Freie und die vorübergehende Tsunami-Gefahr. Unterschiede ergäben sich vor allem aus dem jeweiligen Zeitpunkt der Berichte und dem Schwerpunkt auf Frühwarnung oder Schadensaufnahme.

