Flughafen Nürnberg: Eurofighter eskortieren Boeing nach Entführungsalarm
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 14:43 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAlarmablauf und Einsatzkräfte in Nürnberg
- Die Boeing 737-800 startete auf der griechischen Insel Korfu und flog nach Nürnberg.
- Der Transponder sendete den Entführungscode 7500 statt des Funkausfallcodes 7600.
- Zwei Eurofighter begleiteten die Maschine im deutschen Luftraum bis zum Flughafen Nürnberg.
Fehlalarm legt Flughafen Nürnberg vorübergehend lahm
Ein mutmaßlicher Tippfehler im Cockpit hat am Dienstag einen Entführungsalarm und einen Großeinsatz am Flughafen Nürnberg ausgelöst. Der Pilot einer Boeing 737-800 von Corendon Airlines soll wegen eines Funkausfalls versehentlich den Entführungscode 7500 statt des Codes 7600 eingegeben haben.
Funkgerät der Boeing war defekt
Die Maschine war nach dem Start auf der griechischen Insel Korfu im kroatischen und später im deutschen Luftraum unterwegs. Nach Angaben der Polizei war das Funkgerät defekt, sodass die Crew zunächst nicht erreichbar war.
Der Pilot habe den mutmaßlichen Eingabefehler vermutlich erst bemerkt, nachdem Militärflugzeuge die Maschine über mehr als die Hälfte der Strecke begleitet hatten. Ein einmal gesendeter Transpondercode könne nicht zurückgenommen werden, sagte Polizeisprecher Michael Petzold.
Eurofighter eskortieren Maschine bis Nürnberg
Bereits im kroatischen Luftraum wurden Militärflugzeuge alarmiert. Im deutschen Luftraum übernahmen zwei Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 die Eskorte bis Nürnberg.
Am Flughafen standen unter anderem eine auf Entführungen spezialisierte Verhandlungsgruppe und das Unterstützungskommando der bayerischen Polizei bereit. Zwischen dem Notsignal und der Landung blieb den Einsatzkräften weniger als eine Stunde.
Keine Ermittlungen gegen den Piloten
Die Maschine landete sicher in Nürnberg. Gegen den Piloten ermittelt die Polizei nicht, weil sie von einem unbeabsichtigten Eingabefehler ausgeht.
Die Polizei bereitete sich nach eigenen Angaben in kürzester Zeit auf den schlimmsten Fall vor. Polizeisprecher Petzold bezeichnete die Reaktion der Einsatzkräfte als „extrem hervorragende Leistung“.
Der Vorfall zeigt, wie schnell ein technisches Problem in der zivilen Luftfahrt eine sicherheitsbehördliche Reaktion auslösen kann. Der Transpondercode 7500 steht international für eine Flugzeugentführung, während 7600 einen Funkausfall signalisiert. Weil die Crew nach dem Signal zunächst nicht erreichbar war, mussten die Einsatzkräfte den schwerwiegendsten Fall annehmen.
Für solche Situationen halten die Luftstreitkräfte dauerhaft alarmbereite Abfangjäger vor. In Bayern stehen dafür am Taktischen Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg an der Donau zwei Eurofighter als Alarmrotte bereit. Die kurze Reaktionszeit ist entscheidend, weil zwischen einem Notfallsignal und der Landung oft nur wenige Minuten bleiben.
Sicherheitsabläufe greifen auch bei Fehlalarmen
Am Flughafen Nürnberg wurden deshalb nicht nur Kampfjets eingesetzt, sondern auch speziell geschulte Polizeikräfte und eine Verhandlungsgruppe. Die Sperrung des Flughafens und die Betreuung der Passagiere gehören zu den Maßnahmen, mit denen Behörden eine mögliche Bedrohung absichern.
Für Reisende bedeutete der Einsatz vor allem Verzögerungen und eine vorübergehende Einschränkung des Flugbetriebs. Der Fall macht zugleich deutlich, dass ein einmal gesendeter Transpondercode nicht einfach zurückgenommen werden kann und eine spätere Aufklärung die unmittelbare Gefahrenabwehr nicht ersetzt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Fehlalarm am Flughafen Nürnberg: Defektes Funkgerät wohl Ursache“ (13.10.2026)
Der Beitrag habe den Entführungscode 7500, die nicht erreichbare Crew und den Einsatz der Eurofighter geschildert. Als Schwerpunkt habe er die sichere Landung, die Betreuung der Passagiere und die anschließende Entwarnung gesetzt.
n-tv: „Airport Nürnberg stoppt Betrieb: Fehlalarm von Passagierflugzeug sorgt für Eurofighter-Einsatz“ (13.10.2026)
Der Bericht habe zusätzlich die Stellungnahme von Corendon aufgegriffen, wonach eine Störung des Funkkommunikationssystems im kroatischen Luftraum vorgelegen habe. Damit habe er den technischen Ablauf stärker aus Sicht der Airline beleuchtet, während die genaue Ursache zunächst Gegenstand der Ermittlungen geblieben sei.
Beide Beiträge hätten den Fehlalarm, die Eskorte und die sichere Landung bestätigt. Unterschiede hätten vor allem beim Schwerpunkt zwischen Polizeieinsatz, Passagierfolgen und der Airline-Darstellung gelegen.
