Cold Case Chicago, DNA-Ermittlung

Chicago: DNA überführt Ex-Polizisten nach 66 Jahren

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 12:16 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Ein achtjähriges Mädchen verschwand 1960 auf dem Weg zur Kirche in Chicago und wurde wenig später tot gefunden. Neue DNA-Analysen führten nun zu einem früheren Polizeibeamten, der seit 2006 tot ist.

Ermittlungen führen zu einem verstorbenen Ex-Polizisten

  • Das Mädchen verschwand am 12. November 1960 auf dem Weg zu einer Kirche in Chicago.
  • Ein Lieferant fand die Leiche später in einem Graben außerhalb der Großstadt.
  • Der durch DNA-Spuren identifizierte frühere Polizeibeamte starb 2006 mit 70 Jahren in Las Vegas.
Erst moderne DNA-Methoden brachten den Durchbruch. (Archivbild) - Bild: William Vendetta/Chicago Tribune/AP/dpa

DNA-Spuren klären Mord an Mädchen in Chicago

Fast 66 Jahre nach der Entführung und Ermordung eines achtjährigen Mädchens in Chicago haben US-Sonderermittler den Fall aufgeklärt. Mithilfe moderner DNA-Methoden überführten sie einen damaligen Polizisten, der später selbst als Detektiv in der Mordkommission arbeitete.

Das Mädchen war am 12. November 1960 zu Fuß auf dem Weg zu einer Kirche, kam dort aber nicht an. Stunden später entdeckte ein Lieferant ihre Leiche in einem Graben außerhalb der Großstadt; sie war durch zwei Schüsse in den Kopf getötet worden.

Alte Spuren blieben jahrzehntelang ohne Zuordnung

Die Ermittler fanden unter anderem eine Patronenhülse sowie Fingerabdrücke auf dem Riemen der Handtasche und auf der Bibel des Opfers. Zahlreiche Befragungen und ballistische Tests brachten zunächst keinen entscheidenden Hinweis.

Der Durchbruch gelang den Fahndern nach Angaben der Strafverfolgungsbehörden im Sommer dieses Jahres mit Unterstützung des FBI. Ein DNA-Abgleich ordnete die Spuren dem damaligen Polizeibeamten zu, der mit 24 Jahren in der Nähe des Opfers lebte.

Identifizierter Täter starb bereits 2006

Der Mann wurde nicht mehr zur Rechenschaft gezogen. Er war 2006 im Alter von 70 Jahren in Las Vegas gestorben, wohin er nach seiner Pensionierung gezogen war.

Der Bruder des Mädchens sagte, der frühere Polizist habe vor seinem Tod ein annehmbares Leben führen können und nie für seine Taten gebüßt. Die Identifizierung bringt damit zwar eine späte Aufklärung, aber kein Gerichtsverfahren.

Der Fall zeigt, welche Bedeutung moderne DNA-Analysen für jahrzehntealte Tötungsdelikte haben können. 1960 standen den Ermittlern zwar eine Patronenhülse und Fingerabdrücke zur Verfügung, doch die technischen Möglichkeiten reichten nicht aus, um daraus einen konkreten Tatverdächtigen abzuleiten.

Heute können alte Spuren mit Datenbanken, Verwandtschaftsanalysen und verbesserten Laborverfahren erneut untersucht werden. Entscheidend ist dabei nicht allein die technische Entwicklung, sondern auch, ob Beweismittel über Jahrzehnte sachgerecht gesichert wurden und eine belastbare Vergleichsspur vorhanden ist.

Späte Aufklärung ohne Gerichtsverfahren

Für die Angehörigen bringt die Identifizierung des mutmaßlichen Täters eine Antwort, aber keine strafrechtliche Verurteilung mehr. Weil der frühere Polizist bereits 2006 starb, kann es keinen Prozess und keine nachträgliche Strafe geben. Zugleich rückt der Fall die besondere Tragweite polizeilicher Ermittlungen in den Mittelpunkt: Der später identifizierte Mann arbeitete selbst bei der Polizei und anschließend in der Mordkommission.

Für die Öffentlichkeit bleibt neben der Aufklärung des Verbrechens die Frage bedeutsam, wie der Täter so lange unentdeckt bleiben konnte. Der Fall macht außerdem deutlich, dass ungelöste Tötungsdelikte auch nach vielen Jahrzehnten durch neue Untersuchungsmethoden wieder in den Fokus geraten können.

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