Kapverden-Tote: 19-Jähriger wegen Mord und Totschlag vor Gericht
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 13:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWSProzess mit internationalem Tatort
- Der Angeklagte lebte zuletzt im Kreis Vulkaneifel und fällt deshalb in den Zuständigkeitsbereich der Trierer Staatsanwaltschaft.
- Die Staatsanwaltschaft schließt einen weiteren Täter aus und wertet die Tochter als schlafendes Opfer als Fall von Heimtücke.
- Der Prozess vor der Jugendkammer ist vorläufig bis zum 2. Dezember terminiert und wird am 4. November fortgesetzt.
Dreifacher Tod im Weihnachtsurlaub beschäftigt Trierer Gericht
Ein 19-Jähriger aus der Eifel soll am 23. Dezember 2025 auf der Kapverden-Insel São Vicente seinen Vater, dessen Freundin und deren Tochter getötet haben. Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Trier äußerte er sich nicht zu den Vorwürfen; die Staatsanwaltschaft klagt ihn wegen Mordes und Totschlags an.
Das Motiv für die Tat ist nach Angaben der Anklage weiterhin unklar, während der Verteidiger erhebliche Zweifel am geschilderten Ablauf äußerte.
Urlaub als Geburtstagsgeschenk
Der 58 Jahre alte Vater aus dem Raum Aachen hatte den gemeinsamen Urlaub über Weihnachten organisiert und seinem Sohn ausdrücklich zum Geburtstag geschenkt. Knapp eine Woche vor der mutmaßlichen Tat reiste die Familie nach Mindelo.
Die beiden Frauen waren 20 und 45 Jahre alt und lebten in Berlin. Der Angeklagte stammte aus einer früheren Ehe seines Vaters; das Verhältnis zu ihm bezeichnete er als in Ordnung.
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Vorwürfe gegen den Angeklagten
Laut Staatsanwaltschaft griff der Angeklagte gegen 4 Uhr zunächst die im Bett liegende 20-Jährige an. Weil sie sich nicht habe wehren können, sieht die Anklage in diesem Fall das Mordmerkmal der Heimtücke als erfüllt an.
Anschließend soll er seinen Vater und dessen Lebensgefährtin attackiert haben. Im Kampf habe er ihnen eine Vielzahl von Stich- und Schnittwunden zugefügt; alle drei Opfer starben an Halsverletzungen.
Hilferuf und Flucht nach Lissabon
Die Lebensgefährtin setzte während der Tat über einen Messengerdienst einen Notruf an eine Verwandte in Deutschland ab. Diese alarmierte die deutsche Polizei.
Der Angeklagte soll noch am 23. Dezember seinen Rückflug gebucht haben. Nach der Tat flog er nach Lissabon, wo er festgenommen wurde; Mitte Januar wurde er nach Deutschland ausgeliefert.
Ermittlungen mit kapverdischer Unterstützung
Oberstaatsanwalt Eric Samel erklärte, die Ermittlungen hätten sehr schnell auf den Angeklagten als unmittelbaren Täter hingedeutet. Ein anderer Täter werde ausgeschlossen.
Die kapverdischen Behörden lieferten zahlreiche Hinweise; außerdem wurden vielfältige kriminaltechnische Maßnahmen durchgeführt. Die Tatwaffe wurde nach Angaben des Verteidigers nicht gefunden.
Verteidigung kündigt Erklärung an
Der Angeklagte wollte sich am ersten Prozesstag nicht zu den Vorwürfen äußern. Sein Verteidiger Harry Völker kündigte jedoch eine spätere Erklärung zur Sache an und sagte, der Rückflug sei gebucht worden, weil sein Mandant keine Lust mehr auf den Urlaub gehabt habe.
Völker beschrieb den Angeklagten als normalen und bislang relativ unauffälligen jungen Mann. Der 19-Jährige hatte eine Ausbildung zum Kaufmann in einer Großspedition nach einem Jahr abgebrochen und erklärte, künftig in der Pflege arbeiten zu wollen.
Verhandlung wird im November fortgesetzt
Weil der Angeklagte zur Tatzeit 19 Jahre alt war, verhandelt die Jugendkammer des Landgerichts Trier. Drei Nebenkläger sind nach Angaben des Gerichts zugelassen.
Der Prozess wird am 4. November fortgesetzt und ist vorläufig bis zum 2. Dezember geplant. Die Kapverden liegen als vulkanische Inselgruppe im Atlantik vor der Westküste Afrikas.
Der Prozess vor dem Landgericht Trier betrifft ein außergewöhnliches Verfahren: Der Tatort liegt auf den Kapverden, der Angeklagte und die drei Getöteten sind jedoch Deutsche. Zuständig ist deshalb ein deutsches Gericht; wegen des Alters des Angeklagten zur Tatzeit verhandelt die Jugendkammer.
Im Mittelpunkt der Hauptverhandlung stehen die Rekonstruktion der Ereignisse in der Ferienwohnung, die Bewertung der Spuren und die Frage nach dem Motiv. Die Staatsanwaltschaft sieht bei der Tötung der 20-Jährigen das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt. Für die Angriffe auf den Vater und dessen Lebensgefährtin lautet die Anklage auf Totschlag.
Beweise aus zwei Ländern
Die Ermittlungen erfordern die Zusammenarbeit deutscher und kapverdischer Behörden. Tatortbefund, kriminaltechnische Ergebnisse, digitale Kommunikation und die Reisebewegungen des Angeklagten können für die Beweisaufnahme eine zentrale Rolle spielen. Die mutmaßliche Flucht nach Lissabon und die spätere Auslieferung nach Deutschland gehören ebenfalls zum Ablauf des Verfahrens.
Gericht prüft Tat und Verantwortlichkeit
Der Angeklagte hat sich zum Prozessauftakt nicht zu den Vorwürfen geäußert; sein Verteidiger kündigte eine spätere Erklärung an und äußerte Zweifel am in der Anklage beschriebenen Ablauf. Damit wird die Hauptverhandlung nicht nur die strafrechtliche Bewertung, sondern auch die Einlassung des Angeklagten und die Belastbarkeit der einzelnen Beweismittel klären müssen.
Für die Angehörigen und Nebenkläger beginnt ein voraussichtlich mehrwöchiges Verfahren. Der nächste Verhandlungstermin ist für den 4. November angesetzt, vorläufig soll der Prozess bis zum 2. Dezember dauern.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau.de: „Rheinland-Pfalz Familie auf Kapverden getötet: 19-Jähriger aus der Eifel nun vor Gericht“ (21.10.2026)
Der Beitrag bestätige den Prozessbeginn und schildere insbesondere den mutmaßlichen Ablauf der Angriffe sowie den Hilferuf der Lebensgefährtin. Einen anderen Akzent setze er auf die rechtliche Zuständigkeit Deutschlands und die Festnahme in Lissabon; das Motiv bleibe auch dort offen.
Gemeinsam ist den Darstellungen der Prozessauftakt in Trier und die Verbindung des Verfahrens mit der Tat auf São Vicente. Im Zentrum der weiteren Verhandlung stehen damit die Beweisaufnahme, die Einlassung des Angeklagten und die strafrechtliche Bewertung.

