Smart Glasses, Paris

Smart Glasses: Pariser Justiz ermittelt wegen heimlicher Frauen-Videos

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 12:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt, weil Frauen auf der Straße heimlich mit Smart Glasses gefilmt und die Aufnahmen online gestellt worden sein sollen. Den Verantwortlichen drohen bis zu zwei Jahre Haft und 45.000 Euro Geldstrafe.

In Paris wird zu heimlichen Aufnahmen mit Smart Glasses ermittelt. (Archivbild) - Bild: Michel Euler/AP/dpa
In Paris wird zu heimlichen Aufnahmen mit Smart Glasses ermittelt. (Archivbild) - Bild: Michel Euler/AP/dpa

Die Pariser Staatsanwaltschaft hat Vorermittlungen eingeleitet, weil Frauen auf der Straße heimlich mit Smart Glasses gefilmt und die Aufnahmen anschließend im Internet veröffentlicht worden sein sollen.

Anzeigen wegen Verletzung der Privatsphäre

Mehrere Frauen erstatteten zuvor Anzeige wegen Verletzung der Privatsphäre. Nach Angaben der Justizbehörde drohen den Tätern bis zu zwei Jahre Haft und eine Geldstrafe von 45.000 Euro.

Frauen offenbar gezielt provoziert

Die Staatsanwaltschaft beobachtet nach eigenen Angaben eine steigende Tendenz, Frauen in der Öffentlichkeit ohne ihre Einwilligung mit Datenbrillen aufzunehmen und die Videos in sozialen Medien zu verbreiten. In einigen Fällen wird demnach auch wegen sexueller Übergriffe ermittelt.

Dem Sender France Info zufolge sollen Männer Frauen gezielt belästigt und provoziert haben, um deren Reaktionen heimlich mit der Brille zu filmen. Véronique Béchu vom Observatorium gegen digitale Gewalt e-Enfance sagte dem Sender, es gebe ganze Konten, die ausschließlich solche Videos verbreiteten. Sie forderte, nicht nur die einzelnen Aufnahmen zu löschen, sondern auch die Konten zu schließen.

Brillen können auch Zugangsdaten erfassen

Smart Glasses verfügen über Kameras und Mikrofone und unterscheiden sich äußerlich oft kaum von gewöhnlichen Brillen. Die Pariser Justiz testete jüngst zudem, ob sich mit den Geräten weitere Straftaten begehen lassen, etwa das Erfassen von PINs oder Passwörtern.

Neue Technik verschärft ein bekanntes Problem

Smart Glasses verbinden Kamera, Mikrofon und Internetzugang in einem Gerät, das äußerlich wie eine gewöhnliche Brille wirken kann. Dadurch wird das heimliche Aufnehmen im öffentlichen Raum leichter und für Betroffene schwerer erkennbar. Die Pariser Ermittlungen betreffen damit nicht nur einzelne Videos, sondern auch die Frage, wie soziale Netzwerke mit systematisch verbreiteten Aufnahmen umgehen.

Rechtlich ist der öffentliche Ort kein Freibrief für jede Bild- oder Tonaufnahme. Entscheidend sind unter anderem die konkrete Situation, die erkennbare Identifizierbarkeit der Betroffenen, der Inhalt der Aufnahmen und die anschließende Veröffentlichung. Besonders schwer wiegen können Aufnahmen, wenn sie mit Belästigungen, sexuellen Übergriffen oder einer gezielten Bloßstellung verbunden sind.

Folgen für Plattformen und Nutzer

Die Forderung, nicht nur einzelne Videos zu löschen, sondern auch entsprechende Konten zu schließen, zielt auf die Verbreitungsstrukturen hinter solchen Inhalten. Für Betroffene kann schnelles Melden bei Plattformen, das Sichern von Beweisen und eine Anzeige bei der Polizei wichtig sein. Zugleich müssen Ermittler klären, wer Aufnahmen erstellt, verbreitet oder an den Konten beteiligt ist.

Die von der Pariser Justiz getestete Möglichkeit, mit Smart Glasses auch Zugangsdaten zu erfassen, verweist auf ein weiteres Risiko: Die Geräte können je nach Modell nicht nur Bilder dokumentieren, sondern auch sensible Informationen aus der Umgebung aufnehmen. Damit wächst der Regelungs- und Aufklärungsbedarf für Hersteller, Plattformen und Behörden.

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