Venedig verlangt 2027 an 72 Tagen Eintritt von Tagesgästen
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 12:10 Uhr | dpa, AD HOC NEWSVenedigs Zugangstage werden ausgeweitet
- Der Stadtrat beschloss für 2027 insgesamt 72 gebührenpflichtige Termine zwischen Karfreitag und Mitte August.
- Die Gebühr soll höchstens zehn Euro betragen und gilt nicht für Übernachtungsgäste.
- 2026 zahlten mehr als 650.000 Besucher über fünf Millionen Euro an Eintritt.
Venedig weitet Eintritt für Tagesbesucher aus
Venedig verlangt im kommenden Jahr an deutlich mehr Tagen Eintritt von Touristen. Nach einem Beschluss des Stadtrats müssen Kurzbesucher zwischen Karfreitag und Mitte August an 72 Terminen bis zu zehn Euro zahlen.
Mehr gebührenpflichtige Tage geplant
2026 waren 60 Tage vorgesehen, im ersten Jahr des Systems zunächst 29. Auf eine kräftige Preiserhöhung verzichteten die Stadtoberen vorerst; zeitweise waren 30 Euro oder mehr im Gespräch.
Die Eintrittsregelung gilt seit zwei Jahren für Tagesbesucher und funktioniert über einen QR-Code auf dem Handy. Wer mindestens drei Tage vorher bucht, zahlte in diesem Jahr fünf Euro, bei späterer Buchung wurden zehn Euro fällig.
Millioneneinnahmen trotz Umgehung
Mehr als 650.000 Besucher entrichteten in diesem Jahr die Gebühr. Dadurch nahm die Stadt mehr als fünf Millionen Euro ein, obwohl sich weiterhin viele Touristen dem System entziehen.
Übernachtungsgäste bleiben ausgenommen
Wer in Venedig übernachtet, muss keinen Eintritt zahlen, entrichtet aber eine Kurtaxe. Ausnahmen gelten außerdem für bestimmte Gruppen.
Die Stadtverwaltung begründet die Regelung vor allem mit dem Ziel, Besucherströme besser zu lenken, nicht mit zusätzlichen Einnahmen. Die Entscheidung für 2027 ist jedoch noch nicht endgültig: Auch die italienische Regierung in Rom muss zustimmen.
Besucherzahlen bislang unverändert
Die Gebühr hat die Besucherzahlen bislang nicht verringert. Venedig zählt jedes Jahr nach Schätzungen mehr als 25 Millionen Touristen, während in der Altstadt weniger als 50.000 Menschen leben.
Der starke Tourismus bringt der Stadt Einnahmen, belastet sie aber zugleich erheblich. Neben den Zugangskosten müssen Besucher unter anderem 9,50 Euro für eine Fahrt mit dem Vaporetto und mindestens 90 Euro für eine halbe Stunde Gondelfahrt einkalkulieren.
Venedig gehört zu den europäischen Städten, in denen die Belastung durch den Tagestourismus besonders sichtbar ist. Die historische Altstadt hat weniger als 50.000 Einwohner, während nach Schätzungen jedes Jahr mehr als 25 Millionen Touristen kommen. Das Missverhältnis belastet Wohnraum, Infrastruktur und den öffentlichen Raum.
Gebühr als Steuerungsinstrument
Die Eintrittsregelung richtet sich ausschließlich an Kurzbesucher. Wer in Venedig übernachtet, ist von der Gebühr ausgenommen, zahlt aber eine Kurtaxe. Damit versucht die Stadt, die besonders stark frequentierten Tageszeiten zu beeinflussen, ohne den Übernachtungstourismus grundsätzlich zu begrenzen.
Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Gebühr allein die Nachfrage nicht verringert hat: Die Besucherzahlen gingen bislang nicht zurück. Zugleich nahm die Stadt mehr als fünf Millionen Euro ein. Die Ausweitung von 60 auf 72 Termine erhöht daher vor allem die Reichweite des Systems; ob sie die Besucherströme spürbar verteilt, bleibt offen.
Folgen für die Reiseplanung
Für Reisende bedeutet der Beschluss eine zusätzliche Planungspflicht zwischen Karfreitag und Mitte August. Bei einer Buchung mindestens drei Tage im Voraus soll der niedrigere Tarif gelten; kurzfristige Besucher müssen mit bis zu zehn Euro rechnen. Ob die Regelung 2027 endgültig umgesetzt werden kann, hängt zusätzlich von der Zustimmung der italienischen Regierung ab.
