Traumhaus, Süddeutschland

Der Geruch von Holz - und der Pinsel im Regen

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 09:50 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS

Regen streicht über meine Balken, während der Föhn die Kette am Horizont verdunkelt. Im Duft geschnittenen Holzes wartet ein Pinsel, der verrät, dass jemand hier etwas begonnen hat.

Reihe aufgereihter E-Gitarren im Musikgeschäft als Schwarzweißaufnahme
Qual der Wahl: Dicht an dicht reihen sich zahlreiche E-Gitarren auf, festgehalten in stimmungsvollem Schwarzweiß im Musikladen., Illustration mit AI erstellt.

Regen tastet über die dunklen Balken, erst vorsichtig, dann mit den flachen Händen eines Ungeduldigen. Unter dem Dach knackt etwas, und der Föhn, der den Tag über warm an meinen Wänden gezogen hat, pfeift nun durch die Ritzen, als suche er einen Ausgang. Ich kenne jedes Geräusch von ihm. Heute klingt es, als trüge er eine Nachricht.

In der Nacht sammelt sich Wasser auf den flachen Steinen meiner Terrasse. Es riecht nach nassem Gras, nach Rinde und nach geschnittenem Holz, so frisch, dass selbst der Regen seinen scharfen Atem nicht dämpfen kann. Zwischen zwei Brettern liegt ein Pinsel mit steifen Borsten, an denen ein matter, grüner Rest haftet. Erst als die Briefträgerin unter meinem Dach stehen bleibt, ahnt sie, dass ich auf dem Hang nicht nur Schatten bin. Ich bin das Haus, das sie seit jenem Föhntag beobachtet.

Der Wind trägt Spuren

Sie kommt nicht durch meine Auffahrt, sondern über den schmalen Pfad hinter den Obstbäumen. Dort hat der Regen die Erde dunkel gefärbt und die Gräser an den Boden gelegt. Die Briefträgerin hält ihre Tasche eng an sich, obwohl keine Briefe darin rascheln. Sie trägt einen Umschlag, dessen Papier sich an einer Ecke kräuselt, und blickt hinauf zur Kette, die hinter den Wolken nur als graue, gezackte Ahnung erscheint.

Ich lasse die Dachrinne über ihr tropfen. Sie hebt den Kopf, als hätte ich gesprochen. Dann sieht sie den Pinsel auf meiner Terrasse, nimmt ihn aber nicht an sich. Stattdessen legt sie den Umschlag daneben und zieht mit dem Schuh eine Linie durch das Wasser. Die Linie läuft auf die Bretter zu, bleibt vor dem Holz stehen und zerfällt dort in kleine glänzende Inseln.

Hinter dem Hang liegt das Alpenvorland, weit und dunkel unter dem nächtlichen Regen. Ich sehe es nur in den Pausen zwischen den Wolken. Wenn der Föhn noch einmal auffrischt, schiebt er einen hellen Streifen über die Kette, und für einen Atemzug erkenne ich Wiesen, Baumkronen und den blassen Rand des Himmels. Die Briefträgerin schaut nicht auf die Landschaft. Sie schaut auf mich.

Der Duft unter dem Dach

Unter meinem vorspringenden Dach bewahre ich die Wärme des Tages. Sie sitzt in den Balken und steigt langsam aus ihnen hervor, vermischt mit dem Geruch von geschnittenem Holz. Dieser Duft führt bis zu einer schmalen Stelle neben dem Fenster, wo ein Brett heller ist als die übrigen. Dort hat jemand mit dem Pinsel eine Spur begonnen, aber nicht beendet.

Ich erinnere mich an die Bewegung, obwohl ich kein Gesicht dazu besitze. Borsten strichen über das Holz, hielten inne, setzten wieder an. Ein Tropfen Farbe fiel auf die Terrasse und wurde vom Regen rund gewaschen. Nun liegt der Pinsel ein wenig weiter entfernt, als hätte ihn eine Hand im Schlaf fortgeschoben.

Die Briefträgerin kniet sich hin. Sie nimmt den Umschlag, dreht ihn um und betrachtet die leere Rückseite. Kein Name steht darauf, kein Zeichen, nur ein matter Fleck in der Form eines Pinsels. Sie fährt mit dem Daumen darüber und lächelt nicht. In ihrem Blick liegt ein Rätsel, das sie bereits kennt und trotzdem nicht lösen kann.

Ein Fenster ohne Antwort

Durch mein Fenster fällt kein Licht. Dennoch bewegt sich dahinter etwas, kaum mehr als ein heller Rand, der über die Scheibe wandert und wieder verschwindet. Ich spüre die Kälte am Glas. Von drinnen kommt ein leises Scharren, dann der Duft nach trockenem Holz, stärker als zuvor.

Die Briefträgerin tritt näher. Ihre nassen Schuhe hinterlassen dunkle Abdrücke auf den Steinen. Sie stellt den Umschlag neben den Pinsel und legt die Hand an die Scheibe, ohne anzuklopfen. Ich halte den Regen von dieser Stelle fern, so gut ich kann. Für einen Moment wird es still, obwohl der Föhn noch immer um meine Ecken läuft.

Hinter dem Fenster wartet eine Tür, die ich nicht öffne. Nicht für sie, nicht für den Wind und auch nicht für das Licht, das über die Berge zurückkehrt. Ich weiß, dass hinter dieser Tür eine Spur des grünen Pinsels weiterführt. Ich weiß nur nicht, ob sie in meine Tiefe weist oder hinaus.

Die Schwelle im Regen

Die Briefträgerin hebt den Umschlag wieder auf. Sie steckt ihn nicht ein. Bevor sie geht, legt sie den Pinsel auf das Fensterbrett, genau unter den hellen Rand. Dann blickt sie zur Kette, als erwarte sie dort eine Antwort, und ich spüre, wie der Regen nachlässt.

Sie bleibt an meiner Schwelle stehen. Der Wind dreht sich. Im Holz beginnt etwas zu riechen, frisch und dunkel. Die Tür bleibt zu.

Wie nah das Haus im Video an dem liegt, das ich von mir bewahre, zeigt sich erst dort. Der Pinsel wartet schon.

Das Haus im Video

Zum Video auf Instagram

Die Geschichte oben ist frei erzählt. Das echte Haus zeigt das Video von SALUTI Immobilien, in Kooperation mit Brumani Immobilien - brumani.de

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