Demokratie braucht dich. Zeitgeschichte zeigt, warum.
09.05.2026 - 15:45:00 | pressetext.deNach einem stimmungsvollen musikalischen Auftakt durch zwei Studierende der PH NÖ wurde der Tag der Zeitgeschichte und Demokratiebildung durch Vizerektorin Dr.in Edda Polz eröffnet, die bereits die Wichtigkeit der Demokratiebildung hervorhob. Im Anschluss an diese Eröffnung wurde das versammelte Plenum von der Abgeordneten zum niederösterreichischen Landtag Mag.a Karin Scheele begrüßt. In ihren Grußworten klang ein Kernthema des ganzen Tages an, denn Demokratie lebt vom Austausch und der Achtung verschiedener Meinungen. Bevor der von allen Teilnehmer*innen ersehnte erste Höhepunkt des Tages anmoderiert wurde, betraten noch Dr.in Margarethe Kainig-Huber und MMag. Gregor Kremser, PhD das Podium um in einer Doppelconférence die Veranstaltung in ihrem Sinn und ihren Zielen zu beleuchten. So führte Dr.in Kainig-Huber aus, dass das Ziel des Tages ein Zusammenbringen der Schüler*innen und Studierenden mit Demokratieexpert*innen ist. Herr MMag. Kremser, PhD legte einen Fokus auf die Wichtigkeit der Geschichtsbildung, da es nur mehr wenige Zeitzeug*innen gibt, die ihre Lebenserinnerungen weitergeben können. Die Beschäftigung mit Zeitgeschichte ist für die heutige Jungend kein Schuldaufarbeiten, sondern ein von Geschichtsbewusstsein geprägter Weg hin zu einem NIE WIEDER.
Impulsvortrag – Dr. Heinz Fischer
Nach diesem einführenden Block war es eine große Ehre Bundespräsident aD Dr. Heinz Fischer für seine Keynote Speech das Wort zu übertragen. Dr. Fischer begann damit den Schüler*innen und Studierenden aus seinem eigenen Leben zu berichten. Als Zeitzeuge des Zweiten Weltkrieges mahnte er sich zu vergegenwärtigen, dass politische Übergänge sehr plötzlich passieren können. In den Tagen und Monaten nach Ende des Zweiten Weltkrieges war es den handelnden Personen zu verdanken, dass Österreich wieder ein eigenständiges Land wurde. Politiker wie Karl Renner hatten die Erste Republik und Demokratie ab 1918 erlebt und auch die die Diktatur während der NS-Herrschaft. Dementsprechend wussten sie, was es wieder aufzubauen galt. Auch wenn die Demokratie bis ins antike Griechenland zurückverfolgt werden kann, ist die Demokratie wie wir sie heute kennen ein Produkt der Aufklärung. Nach dem Ersten Weltkrieg konnte eine Sternstunde genutzt und eine demokratische Verfassung entwickelt werden. Unsere österreichische Demokratie wirkt auf den ersten Blick sehr stabil – sie ist jedoch nicht unzerstörbar. Dr. Fischer verglich die Demokratie mit einem starken Baum: So, wie Tiere als auch Wind und Wetter einem starken Nussbaum oder einer Eiche nichts anhaben können, so ist er doch nicht unverletzbar und kann durch kontinuierliche Angriffe zerstört werden. Ebenso ist die Demokratie verwundbar. Dementsprechend muss Macht begrenzt, kontrolliert und legitimiert sein. An diesem Punkt erinnerte Dr. Fischer das Plenum daran, dass das Parlament eigentlich die Macht über die Regierung besitzt und das Parlament sowie weitere Kontrollsysteme Sicherheitsmechanismen gegen den Machtmissbrauch darstellen. Einer der größten Feinde der Demokratie ist und wird immer der Krieg sein, führte Dr. Fischer weiters aus, denn Krieg und Demokratie werden sich immer antagonistisch gegenüberstehen. Abschließend rief Dr. Fischer den Anwesenden nochmals den ersten Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in Erinnerung.
Demokratie braucht Journalismus – Katharina Sunk, MA
Nach dem Impulsvortrag von Dr. Fischer kam die Journalistin und Chefin vom Dienst von Niederösterreich heute zu Wort. Ihr Apell, dass Demokratie für alle zugängliche überprüfte und politisch unabhängige Nachrichten benötigt, markierte den Beginn ihres Vortrages. Nach einem Einblick in das Tagesgeschäft als Journalistin führte sie die Wichtigkeit der Regionalmedien aus. Denn Regionaljournalismus ist fast wie ein politisches Frühwarnsystem. Was sie damit meinte, erläuterte sie am Beispiel der Änderungen im Gesundheitswesen und den aus den Berichterstattungen resultierten beispielhaften Änderungen bezüglich Maximalwartezeiten auf Krankentransporte. Auf die Metaebene des Demokratieverständnisses zurückkehrend gab sie dem Plenum noch drei Punkte mit. Demokratie funktioniert nur wenn wir alle hinschauen und hinhören. Guter Journalismus funktioniert nur, wenn ihn die Menschen auch einfordern. Demokratie ist kein Naturgesetz – Demokratie lebt von Menschen, die sich informieren wollen.
Entwicklung braucht Demokratie – Botschafter Dr. Andreas Liebmann
Der dritte Expert*innenvortrag führte das Plenum schlussendlich in das spannende Arbeitsfeld des BMEIA und insbesondere der Entwicklungszusammenarbeit. Botschafter Dr. Andreas Liebmann begann seinen Vortrag mit der Erörterung, warum man nicht mehr von Entwicklungshilfe, sondern von Entwicklungszusammenarbeit sprechen soll, denn ganz im Gesichtspunkt der Demokratie geht es bei Entwicklung nicht um Almosen, sondern vielmehr um Empowerment auf Augenhöhe. Dies ist auch der Unterschied zwischen langfristig erfolgreichen Projekten und sogenannten weißen Elefanten, das heißt Projekten, welche sich gut für eine Pressemeldung eignen, jedoch kurz darauf außer hohen Spesen keinen wirklichen positiven Einfluss hinterlassen. Unter Anbetracht der Tatsache, dass weltweit mehr als 66% Prozent der Länder als Entwicklungsländer zählen, strich Dr. Liebmann diesen Aspekt der internationalen Zusammenarbeit heraus. Nach immer weiter in die Tiefe gehenden Informationen wurde sobald der Bogen hin zu einem Projekt in Mosambik gespannt. Anhand dieses Projektes zur Errichtung von Zugängen zu sauberem Trinkwasser, erläuterte Dr. Liebmann wie auch hier durch demokratisch zusammengesetzte Kontrollorgane der langfristige Erfolg eines jeden neuen Brunnens und damit der durchgängige Zugang zu sauberem Trinkwasser sichergestellt werden kann. Ein nicht minder wichtiger Aspekt in Bezug auf das Gelingen solcher Projekte ist auch der Fokus auf ein female empowerment, da die Geschichte gezeigt hat, dass sowohl im afrikanischen Subkontinent, als auch in vielen westlichen Zivilisationen, der effizienteste Weg zu Erfolg über Entscheidungsträgerinnen führt.
Die Videobotschaft von Mirko Drotschmann, bekannt als MrWissen2go erinnerte daran, dass wir es vielen Menschen zu verdanken haben, dass wir in Freiheit und Frieden leben dürfen. Heute sind wir dafür verantwortlich, dass es so bleibt. Florian Ritt von Folkshilfe appellierte in seiner Videobotschaft daran, dass wir für die Demokratie mutige Menschen brauchen, die mitreden wollen und nicht alles denen überlassen, die nur "zündeln wollen".
World Café
Nach diesen Expert*innenvorträgen und der anschließenden kurzen Q&A Runde teilte sich das Plenum in zwölf Gruppen auf, die sich mit jeweils ein bis zwei Expert*innen in Seminarräumen, der Aula und der Bibliothek der PH NÖ zu jeweils 20-minütigen Kleingruppendiskussionen zusammenfanden. Diese Diskussionen gaben den Schüler*innen und Studierenden die Möglichkeit über verschiedene Aspekte der Demokratiebildung und Zeitgeschichte zu reflektieren. In einer von der akademisch geprägten Atmosphäre der gegenseitigen Wertschätzung gelang es den Gruppen teils kontroverse Meinungen zur Sprache zu bringen und ganz im Sinne des Veranstaltungsziels auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Nach jeweils zwei Diskussionen kehrten alle Gruppen zurück ins Plenum und die vorab sich als BerichterstatterInnen gemeldeten SchülerInnen und Studierenden gaben einen Einblick in die diskutierten Themen sowie die gefundenen Lösungsansätze. Am Ende der Veranstaltung waren sich alle Anwesenden einig, dass für eine funktionierende Demokratie Respekt, Wertschätzung, Toleranz und die Bereitschaft, miteinander zu kommunizieren und einander zuzuhören notwendig sind.
(Ende)
Aussender: Pädagogische Hochschule Niederösterreich Ansprechpartner: Severin Praßl-Wisiak Tel.: +43 2252 88571 178 E-Mail: severin.prassl@ph-noe.ac.at Website: www.ph-noe.ac.at
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