Traumhaus, Süddeutschland

Das Weinglas im Regen hinter dem stillen Glasdach

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 09:48 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS
Schnee liegt auf den Streuobstwiesen, während Regen über ein Glasdach zieht. Ein Fremder entdeckt ein Weinglas und fragt sich, wer hinter dem stillen Haus wartet.
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Unter den kahlen Kronen tropfte es, obwohl der tiefe Winter den Boden hart gefroren hatte. Jeder Tropfen fiel auf eine dünne Eisschicht und zerbrach dort mit einem kaum hörbaren Knacken. Die Mittagsstille lag über den Streuobstwiesen, so dicht, dass selbst das ferne Scharren eines Vogels wie ein Zeichen wirkte.

Ein Junge fuhr langsam über den schmalen Grasweg. Sein Fahrrad hatte schmale Reifen, die dunkle Spuren im Schnee hinterließen. Er trug keine Mütze, nur einen roten Schal, der bei jeder Bewegung aufflatterte. Am Lenker hing ein Weinglas, leer und sauber, als hätte er es aus einer Küche geholt und unterwegs vergessen. Erst als der Junge anhielt, bemerkte der Fremde hinter einer krummen Birne die blasse Silhouette des Hauses.

Spuren im gefrorenen Gras

Der Fremde war nicht gekommen, um jemanden zu suchen. Er hatte den Weg genommen, weil der Junge immer wieder zurückblickte und dabei dieselbe Kurve verfehlte. Nun stand das Fahrrad schräg im Schnee, der Vorderreifen drehte sich noch ein wenig. Der Junge sah zum Glasdach hinauf, wo der Regen in feinen Bahnen über die Scheiben lief.

Das Gebäude lag hinter einer niedrigen Mauer aus unbehauenen Steinen. Es zeigte keine deutliche Vorderseite, sondern nur Kanten, Fenster und einen langen Streifen dunkler Fassade. Zwischen den Bäumen hing ein Licht, das nicht in den Winter passte. Es war weder gelb noch weiß, sondern schimmerte wie Wasser unter einer dünnen Eisdecke.

Der Junge hob das Weinglas vom Lenker. Er hielt es gegen den Himmel und wartete, bis ein Regentropfen auf den Rand fiel. Der Ton war hell und kurz. Danach schob er das Fahrrad weiter, ohne den Fremden anzusehen.

Regen über den Scheiben

Am Rand der Wiese begann ein Weg aus flachen Platten. Schnee hatte sich in den Fugen gesammelt, und unter jedem Schritt knackte etwas Feines. Der Fremde folgte mit Abstand. Er hörte das Fahrrad nicht mehr, sah aber die rote Bewegung des Schals hinter dem Glasdach.

Das Dach ragte über eine Terrasse, die sich wie ein stiller Steg zwischen den Bäumen zog. Darunter standen ein leerer Stuhl, ein umgedrehter Topf und ein Tisch mit einer feuchten, silbrigen Oberfläche. Auf dem Tisch lag ein zweites Weinglas. Es war beschlagen, obwohl die Luft ringsum eisig blieb.

Der Junge stellte sein Glas daneben. Für einen Moment sahen beide Gläser gleich aus. Dann rann ein Tropfen über das zweite, blieb am Fuß stehen und zitterte dort weiter. Der Fremde trat näher, doch der Junge hob eine Hand, als müsse er ihn vor einem Geräusch warnen.

Hinter dem Glasdach bewegte sich ein Schatten. Er glitt über eine Wand und verschwand, bevor der Fremde eine Gestalt erkennen konnte. Der Regen verstärkte sich, ohne lauter zu werden. Nur die Scheiben gaben nun einen tiefen, regelmäßigen Ton zurück.

Die Terrasse ohne Fußspuren

Auf der Terrasse lag kein Schnee. Das machte den Fremden misstrauisch. Zwischen den Platten zeichneten sich feuchte Linien ab, als wäre dort vor kurzer Zeit jemand entlanggegangen. Sie führten bis zu einer schmalen Tür, deren Griff im grauen Licht glänzte.

Der Junge setzte sich auf den Rand des Tisches. Sein Fahrrad lehnte hinter ihm an einem Pfosten. Er blickte nicht zur Tür, sondern auf die Streuobstwiesen, deren Äste im Nebel verschwammen. Von irgendwoher kam der Geruch nach nassem Holz und kalter Asche.

Der Fremde bemerkte kleine Spuren am unteren Fenster. Keine Handflächen, keine deutlichen Finger, nur halbmondförmige Abdrücke im beschlagenen Glas. Der Junge strich mit dem Ärmel darüber. Dahinter erschien ein schmaler Ausschnitt von etwas Hellem, dann zog sich der Dunst wieder zusammen.

Auf der Innenseite der Tür klopfte es. Einmal. Der Junge nahm das Weinglas und hielt es an sein Ohr, als könne es den Ton bewahren. Der Fremde wartete auf ein weiteres Klopfen. Stattdessen tropfte Wasser vom Dachrand auf die Terrassenplatten.

Vor der ungeöffneten Tür

Der Junge stieg vom Tisch und nahm das Fahrrad am Sattel. Er schob es bis an die schmale Tür, stellte es dort ab und legte das Glas auf den Boden. Dann ging er zurück zum Weg, ohne sich umzudrehen.

Der Fremde blieb allein unter dem Glasdach. Im Haus war nichts zu sehen, doch irgendwo hinter der Wand bewegte sich etwas Leichtes. Vielleicht ein Vorhang. Vielleicht nur der Schatten des Regens. Seine Hand schwebte über dem Griff.

Auf der Wiese wartete der Junge. Das rote Ende seines Schals war im Nebel kaum noch zu erkennen. Der Fremde sah zur Tür, zum Glas und zurück zu den kahlen Bäumen. Wer hatte das zweite Glas dort abgestellt?

Er berührte den Griff. Die Tür blieb still.

Wie nah das Haus im Video an dem liegt, das der Fremde sich unter dem Glasdach gebaut hat, zeigt sich erst dort. Der Junge und sein Weinglas bleiben in seiner Erinnerung.

Das Haus im Video

Zum Video auf Instagram

Die Geschichte oben ist frei erzählt. Das echte Haus zeigt das Video von SALUTI Immobilien, in Kooperation mit Brumani Immobilien - brumani.de

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