Cybermobbing, Coco's Law

Cybermobbing: Jackie Fox fordert nach dem Tod ihrer Tochter ein EU-weites „Coco’s Law“

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 09:10 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Jackie Fox verlor ihre Tochter Nicole nach jahrelangem Cybermobbing und erkämpfte in Irland das nach ihr benannte Gesetz. Nun fordert sie ein europaweites Vorgehen gegen digitale Gewalt – während auch Deutschland den Strafrechtsschutz ausweiten will.

  • Täglich kommt es weltweit zu Millionen Fällen von Cybermobbing. (Symbolbild) - Bild: Jan Woitas/dpa
    Täglich kommt es weltweit zu Millionen Fällen von Cybermobbing. (Symbolbild) - Bild: Jan Woitas/dpa
  • Für viele Opfer hat das Cybermobbing Folgen im wirklichen Leben. (Symbolbild) - Bild: Marijan Murat/dpa
    Für viele Opfer hat das Cybermobbing Folgen im wirklichen Leben. (Symbolbild) - Bild: Marijan Murat/dpa
  • Die Irin Jackie Fox kämpft nach dem Suizid ihrer Tochter auch auf europäischer Ebene für neue Gesetze gegen Cybermobbing und digitale Gewalt. (Handout) - Bild: EP Philippe STIRNWEISS/European Union 2026/dpa
    Die Irin Jackie Fox kämpft nach dem Suizid ihrer Tochter auch auf europäischer Ebene für neue Gesetze gegen Cybermobbing und digitale Gewalt. (Handout) - Bild: EP Philippe STIRNWEISS/European Union 2026/dpa
  • Jackie und ihre Tochter Nicole, genannt Coco. (Handout) - Bild: Jackie Fox/dpa
    Jackie und ihre Tochter Nicole, genannt Coco. (Handout) - Bild: Jackie Fox/dpa
Täglich kommt es weltweit zu Millionen Fällen von Cybermobbing. (Symbolbild) - Bild: Jan Woitas/dpa Für viele Opfer hat das Cybermobbing Folgen im wirklichen Leben. (Symbolbild) - Bild: Marijan Murat/dpa Die Irin Jackie Fox kämpft nach dem Suizid ihrer Tochter auch auf europäischer Ebene für neue Gesetze gegen Cybermobbing und digitale Gewalt. (Handout) - Bild: EP Philippe STIRNWEISS/European Union 2026/dpa Jackie und ihre Tochter Nicole, genannt Coco. (Handout) - Bild: Jackie Fox/dpa

Jackie Fox hat nach dem Suizid ihrer Tochter Nicole wegen jahrelangen Cybermobbings in Irland ein Gesetz gegen digitale Gewalt erkämpft und fordert nun europaweit einheitliche Regeln.

Nicole wurde jahrelang misshandelt

Nicole, die von ihrer Familie Coco genannt wurde, starb 2018 durch Suizid. In den dreieinhalb Jahren zuvor war sie körperlich misshandelt und im Internet gemobbt worden. Ihre Mutter Jackie Fox berichtete im März im Europäischen Parlament in Straßburg über den Fall und die Folgen für ihre Familie.

„Coco’s Law“ ist seit 2021 Teil des irischen Strafrechts. Der 2020 verabschiedete „Harassment, Harmful Communications and Related Offences Act“ stellt unter anderem das nicht einvernehmliche Verbreiten intimer Bilder und die Drohung damit unter Strafe. Nach Angaben aus dem Bericht gab es bislang mehr als 240 Strafverfahren nach dem Gesetz.

Vom persönlichen Verlust zum politischen Kampf

Fox hatte nach dem Tod ihrer Tochter nach eigener Aussage einen Fokus und einen Plan gebraucht. Sie wandte sich an Abgeordnete, protestierte vor Regierungsgebäuden und organisierte Demonstrationen. Ein Gesetzentwurf des Labour-Politikers Brendan Howlin aus dem Jahr 2017 war zuvor kaum vorangekommen; der Fall Coco Fox erhöhte den politischen Druck.

Heute spricht Fox in Schulen und Jugendzentren über die Folgen von Nachrichten, Bildern und vermeintlichen Witzen, die online weitergegeben werden. Sie will Jugendlichen verdeutlichen, dass digitale Angriffe reale und schwerwiegende Folgen haben können.

Forderung nach gemeinsamen EU-Regeln

Fox warb im Europäischen Parlament für ein europaweites Gesetz nach irischem Vorbild. Die Abgeordneten verabschiedeten inzwischen eine gemeinsame Position zu Cybermobbing und Online-Belästigung und verwiesen dabei ausdrücklich auf „Coco’s Law“.

Das Parlament fordert einen besser abgestimmten europäischen Ansatz und eine gemeinsame Definition von Cybermobbing. Trotz verschiedener EU-Regeln gibt es bislang kein einheitliches europäisches Anti-Cybermobbing-Gesetz.

Digitale Gewalt betrifft viele Menschen

Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Deutschen Frauenrats unter 1.380 Frauen zwischen 18 und 74 Jahren zeigt die Reichweite des Problems. Zwei Drittel der Befragten verändern demnach aus Sorge vor digitaler und KI-gestützter sexualisierter Gewalt ihr Verhalten im Internet, teilen weniger Bilder, verzichten auf Online-Aktivitäten oder ziehen sich aus digitalen Räumen zurück.

Der Deutsche Frauenrat bezeichnet digitale Gewalt deshalb auch als Demokratieproblem, weil Menschen dadurch aus öffentlichen Debatten verdrängt werden können. Fox’ Frage an die EU-Abgeordneten lautet: „Worauf wartet ihr noch?“

Digitale Gewalt wird zum Gesetzesthema

Der Fall Nicole Fox steht für ein Problem, das sich durch die schnelle Verbreitung digitaler Inhalte verschärft: Beleidigungen, Drohungen, intime Aufnahmen und manipulierte Bilder können innerhalb kurzer Zeit ein großes Publikum erreichen. Für Betroffene endet die Gewalt nicht mit dem Verlassen einer Plattform, weil Inhalte kopiert, weitergeleitet und erneut veröffentlicht werden können.

Auch in Deutschland wird der rechtliche Schutz ausgeweitet. Das Bundeskabinett beschloss am 7. Oktober 2026 einen Gesetzentwurf gegen sexualisierte Deepfakes, digitalen Voyeurismus und weitere Formen digitaler Gewalt. Vorgesehen sind unter anderem neue Strafvorschriften für manipulierte intime Aufnahmen, heimliche Bildaufnahmen und bestimmte Fälle des Identitätsmissbrauchs. Der Entwurf muss noch parlamentarisch beraten werden.

Europäische Regeln bleiben entscheidend

Für Betroffene ist neben der Strafbarkeit die praktische Rechtsdurchsetzung zentral. Inhalte müssen schnell gelöscht, Täter identifiziert und Beweise gesichert werden können. Nationale Gesetze stoßen dabei an Grenzen, wenn Plattformen, Täter oder Server in verschiedenen Ländern sitzen. Eine gemeinsame europäische Definition von Cybermobbing und besser abgestimmte Verfahren könnten den Schutz vereinheitlichen. Zugleich bleibt die Prävention wichtig: Schulen, Familien und Plattformen müssen früher reagieren, weil digitale Angriffe häufig mit Konflikten im Alltag verbunden sind und sich gegenseitig verstärken.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

DER SPIEGEL: „Sexualisierte Deepfakes und Voyeurismus: Kabinett verabschiedet Gesetz gegen digitale Gewalt“ (07.10.2026)

Der Bericht erläutere, der deutsche Gesetzentwurf solle mehrere neue Straftatbestände schaffen und Betroffenen die Rechtsdurchsetzung erleichtern. Anders als die dpa-Meldung konzentriere er sich auf konkrete nationale Maßnahmen, darunter den Umgang mit sexualisierten Deepfakes, heimlichen Aufnahmen und der Herausgabe von Nutzerdaten; offen bleibe, wie das Vorhaben im Bundestag ausgestaltet werde.

tagesschau.de: „Gesetz gegen digitale Gewalt heute im Bundeskabinett“ (07.10.2026)

Der Beitrag habe hervorgehoben, die Bundesregierung wolle Menschen besser vor sexualisierter Gewalt im Internet schützen, und den Gesetzentwurf der Justizministerin eingeordnet. Er bestätige damit den aktuellen politischen Handlungsdruck, setze den Schwerpunkt jedoch auf das deutsche Kabinettsverfahren statt auf Fox’ europäische Forderung.

Beide Berichte stellten den Bedarf an stärkerem Schutz vor digitaler Gewalt heraus; während der dpa-Bericht die europäische Vereinheitlichung und die persönliche Geschichte von Nicole Fox betone, konzentrierten sich die anderen Beiträge auf die deutsche Gesetzgebung und ihre geplanten Instrumente.

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