Cybermobbing, Schule

Cybermobbing: 20,7 Prozent der Schüler sind betroffen

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 11:15 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Fast 2,4 Millionen Schülerinnen und Schüler sind nach Angaben des Bündnisses gegen Cybermobbing von Angriffen im Netz betroffen. Besonders häufig beginnen die Attacken im schulischen Umfeld und können bis zu Suizidgedanken führen.

  • Schon Grundschüler sind Ziel von Cyberattacken sein. (Archivbild)  - Bild: Oliver Berg/dpa
    Schon Grundschüler sind Ziel von Cyberattacken sein. (Archivbild) - Bild: Oliver Berg/dpa
  • Einer Studie zufolge nimmt Cybermobbing weiter zu. (Archivbild)  - Bild: Marijan Murat/dpa
    Einer Studie zufolge nimmt Cybermobbing weiter zu. (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa
  • Mobbing im Netz kann für die Betroffenen gravierene Folgen haben. (Archivbild)  - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
    Mobbing im Netz kann für die Betroffenen gravierene Folgen haben. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
Schon Grundschüler sind Ziel von Cyberattacken sein. (Archivbild)  - Bild: Oliver Berg/dpa Einer Studie zufolge nimmt Cybermobbing weiter zu. (Archivbild)  - Bild: Marijan Murat/dpa Mobbing im Netz kann für die Betroffenen gravierene Folgen haben. (Archivbild)  - Bild: Julian Stratenschulte/dpa

Angriffe beginnen oft im Schulumfeld

  • Eine Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing erfasst 20,7 Prozent betroffene Schülerinnen und Schüler.
  • Zwischen März und Juli wurden 4.525 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene online befragt.
  • 24 Prozent der Betroffenen erleben Cybermobbing nach eigenen Angaben täglich.

Cybermobbing nimmt laut einer neuen Studie weiter zu und betrifft nach Hochrechnung des Bündnisses gegen Cybermobbing fast 2,4 Millionen Schülerinnen und Schüler in Deutschland.

Mehr Betroffene als 2024

Für die repräsentative Untersuchung wurden zwischen März und Juli gut 1.100 Eltern, mehr als 700 Lehrkräfte sowie 4.525 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von sieben bis 20 Jahren online befragt.

20,7 Prozent der Schülerinnen und Schüler gaben an, schon einmal Ziel eines Cybermobbing-Angriffs gewesen zu sein. Bei der vorherigen Untersuchung im Jahr 2024 waren es 18,5 Prozent gewesen.

Schule ist häufigster Tatort

Nach der Erhebung finden gut 90 Prozent der Attacken im Schulumfeld statt. Mehr als zwei Drittel der Opfer kennen die Angreifer, die häufig aus der eigenen Schule oder Klasse kommen.

Genannt werden Beschimpfungen, Beleidigungen, das Verbreiten von Lügen, Gerüchten und peinlichen Bildern sowie Erpressung und Bedrohung. Die Angriffe laufen unter anderem über WhatsApp, TikTok, Snapchat, Instagram, Gaming-Plattformen und Chatrooms.

Schwere Folgen für Betroffene

Cybermobbing kann nach Angaben des Bündnisses Ängste, Depressionen, Rückzug und schlechtere Schulleistungen auslösen. Auch Kopf- und Bauchschmerzen sowie Schlafstörungen würden häufig genannt.

25 Prozent der Betroffenen erklärten, wegen des Mobbings schon einmal Suizidgedanken gehabt zu haben. Gut sieben Prozent der Befragten räumten ein, selbst schon Täter gewesen zu sein; manche waren zugleich Opfer.

Angriffe beginnen im Grundschulalter

Die Studie geht davon aus, dass etwa jeder zwölfte Grundschüler schon einmal attackiert wurde. Als Gründe für den früheren Beginn nennt das Bündnis den Besitz von Smartphones bereits im Alter von sechs bis acht Jahren und die frühere Nutzung sozialer Netzwerke.

Fast zwei Drittel der befragten Lehrkräfte, Schulleitungen und Schulsozialarbeiter bezeichneten Cybermobbing an ihrer Schule als Problem. Das Bündnis fordert mehr Prävention, bessere Unterstützung für Eltern und ein Cybermobbing-Gesetz.

Bündnis warnt vor Missbrauch von KI

Nach Einschätzung des Bündnisses erleichtert Künstliche Intelligenz jungen Tätern die Manipulation von Bildern, Videos und Sprache. Der Missbrauch solcher Werkzeuge könne das Problem künftig weiter verschärfen.

Das Bündnis plädiert außerdem für einen Internet-Führerschein ab der dritten Klasse. Dabei sollen Kinder Sozialverhalten, das Erkennen von Risiken und den sicheren Umgang mit sozialen Medien lernen.

Schule als zentraler Schutzort

Die Studie beschreibt Cybermobbing nicht als ausschließlich digitales Problem. Wenn mehr als 90 Prozent der Angriffe im Schulumfeld stattfinden und viele Betroffene die Angreifer aus der eigenen Klasse oder Schule kennen, bleibt die Schule der wichtigste Ort für Prävention, frühe Erkennung und Unterstützung.

Die Entwicklung betrifft zunehmend jüngere Kinder. Mit dem früheren Zugang zu Smartphones und sozialen Netzwerken beginnt auch die Auseinandersetzung mit Beleidigungen, Bloßstellungen und manipulierten Bildern früher. Für Grundschulen bedeutet das, Medienbildung und soziales Lernen nicht erst in höheren Klassen anzubieten.

Hoher Unterstützungsbedarf

Die genannten psychischen Folgen zeigen, dass Cybermobbing pädagogische, gesundheitliche und rechtliche Fragen verbindet. Eltern und Lehrkräfte müssen Warnzeichen wie Rückzug, Schlafprobleme, Ängste oder sinkende Leistungen einordnen können und wissen, welche Hilfen verfügbar sind.

Die Forderung nach einer Altersgrenze für soziale Medien und einem Cybermobbing-Gesetz verweist auf politische Handlungsmöglichkeiten, ersetzt aber keine Arbeit vor Ort. Nötig sind klare schulische Verfahren, geschulte Ansprechpersonen und ein sicherer Umgang mit Beweismaterial sowie Meldestellen.

KI erhöht die technische Reichweite

Manipulierte Fotos, Videos und Stimmen können Angriffe glaubwürdiger und schneller verbreiten. Dadurch steigt der Druck auf Schulen, digitale Fälschungen zu erklären und Betroffene rasch zu schützen. Die Studie verbindet den Anstieg deshalb mit einem Handlungsbedarf, der Prävention, Medienkompetenz und technische Schutzmechanismen zusammenführt.

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