Claudia Roth nennt Berlinale-Kritik an Regisseuren Fehler
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 15:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWSRoths Rückblick auf die Berlinale-Debatte
- Claudia Roth bezeichnete ihre frühere Kritik an Aussagen zu „Apartheid“ und „Genozid“ als Fehler.
- Die Debatte entzündete sich an der Abschlussgala der Berlinale 2024 in Berlin.
- Roth erklärte, sie habe damals unter massivem Druck verschiedener Kreise gestanden.
Roth korrigiert ihre Kritik nach Berlinale-Debatte
Die ehemalige Kulturstaatsministerin Claudia Roth hat ihre früheren Aussagen nach der Berlinale 2024 zum Gaza-Krieg als persönliche Fehler bezeichnet. Im Podcast „Jung & Naiv“ sagte die Grünen-Politikerin, sie bereue auch ihre Kritik an den Akteuren rund um den Film „No Other Land“ und führte dies auf massiven Druck zurück.
Kontroverse um Aussagen der Preisträger
Bei der Abschlussgala der Filmfestspiele hatten Äußerungen mehrerer Preisträger eine Debatte über Antisemitismus in der Kulturbranche ausgelöst. Der israelische Regisseur Yuval Abraham sprach nach der Auszeichnung für „No Other Land“ von einer „Situation der Apartheid“ zwischen Israelis und Palästinensern, sein palästinensischer Kollege Basel Adra kritisierte die israelische Kriegsführung im Gazastreifen, und der US-Regisseur Ben Russell sprach von einem „Genozid“.
Im Saal gab es dafür Applaus. Nach der Preisverleihung wurden die Aussagen als einseitig und antisemitisch kritisiert, während Roth von anderer Seite vorgeworfen wurde, sie habe sich nicht direkt von den Beiträgen distanziert.
Frühere Aussagen im Rückblick
Roth hatte die Bühnenreden kurz nach der Preisverleihung in einem Interview kritisiert. Die Bezeichnung der Situation im Westjordanland als „Apartheid“ nannte sie damals „sehr problematisch“; Adras Äußerung über das Vorgehen der israelischen Armee im Gazastreifen sei ohne Erwähnung des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 für sie nicht akzeptabel gewesen.
Im Podcast sagte Roth nun, die Kritik an „Apartheid“ und „Genozid“ sei ein Fehler gewesen. Sie habe später versucht, sich zu entschuldigen, und erklärte, sie sei wegen des „unfassbaren Drucks“ vom Zentralrat der Juden und aus vielen anderen Kreisen zu schwach oder überfordert gewesen.
Streit über Roths Darstellung
Aus dem Umfeld des Zentralrats der Juden wurde Roths Darstellung scharf zurückgewiesen. In einer Erklärung wurde ihr vorgeworfen, eine jüdische Verschwörung zu erfinden; zugleich wurde ihr Rückzug aus der Politik gefordert.
Israel weist den Vorwurf zurück, im Gazastreifen einen Völkermord zu begehen. Auch die Bundesregierung vertritt diese Position. Vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag läuft eine von Südafrika angestrengte Völkermordklage gegen Israel; wann das Gericht darüber entscheidet, ist offen.
Die nachträgliche Selbstkritik von Claudia Roth rückt eine der schärfsten kulturpolitischen Debatten der Berlinale 2024 erneut ins Zentrum. Bei der Abschlussgala hatten Aussagen zu Israel und Gaza die Frage ausgelöst, wie Filmfestivals politische Positionen, den Schutz jüdischen Lebens und die Verantwortung Deutschlands miteinander verbinden.
Im Mittelpunkt stand der Dokumentarfilm „No Other Land“, für den Yuval Abraham und Basel Adra ausgezeichnet wurden. Abrahams Begriff „Apartheid“ sowie Adras Kritik an der israelischen Kriegsführung wurden im Saal beklatscht, anschließend aber als einseitig und antisemitisch zurückgewiesen. Roth kritisierte damals selbst Teile der Aussagen und geriet zugleich unter Druck, weil sie sich nicht unmittelbar von den Redebeiträgen distanziert hatte.
Politischer Streit mit Folgen
Der Konflikt zeigt, wie eng die deutsche Debatte über Israels Sicherheit, palästinensische Rechte und die historische Verantwortung Deutschlands verbunden ist. Begriffe wie „Apartheid“ und „Genozid“ sind dabei nicht nur politische Wertungen, sondern stehen in einem Umfeld, in dem ihre Verwendung juristisch und historisch umstritten ist.
Vor dem Internationalen Gerichtshof läuft weiterhin eine von Südafrika angestrengte Völkermordklage gegen Israel. Ein Urteilstermin ist nicht bekannt. Roths Einräumung dürfte deshalb weniger als Abschluss der Auseinandersetzung wirken, sondern als erneute politische Positionsbestimmung: Sie benennt eigenes Fehlverhalten, während Vertreter jüdischer Organisationen ihre Darstellung des damaligen Drucks scharf zurückweisen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Stern: „Claudia Roth irritiert mit Israel-Kritik – und attackiert ihre Gegner“ (06.11.2026)
Der Artikel berichtet, Roth habe Vorwürfe zurückgewiesen, sie relativiere die deutsche historische Verantwortung. Als zusätzlichen Schwerpunkt schildere er ihre Darstellung einer „toxischen Debatte“ und die scharfe Reaktion aus dem Umfeld des Zentralrats der Juden.
Stern: „Ex-Kulturstaatsministerin: Roth nennt Kritik an Berlinale-Regisseuren einen Fehler“ (06.11.2026)
Der Beitrag bestätigt Roths Rücknahme ihrer früheren Kritik und stellt den damaligen Berlinale-Auftritt sowie den von ihr beschriebenen massiven Druck in den Mittelpunkt. Beide Artikel behandeln denselben Vorgang; der zweite fokussiert stärker auf die Selbstkritik, der erste auf den aktuellen Streit über ihre Einordnung.
Übereinstimmend steht Roths Neubewertung ihrer Aussagen im Zentrum. Offen bleibt, ob sie damit die Auseinandersetzung beendet oder die Kontroverse über politische Einflussnahme und deutsche Verantwortung weiter verschärft.
