Strafprozess Hamburg, Christina Block

Christina Block Prozess Hamburg: Ex-Verteidiger Kury beteuert erneut ihre Unschuld

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 15:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Im Prozess um die mutmaßliche Entführung der Kinder von Unternehmerin Christina Block hat ihr früherer Verteidiger Otmar Kury als Zeuge erneut ihre Unschuld beteuert. Das Landgericht Hamburg leitet zugleich die Befragung der Angeklagten zu ihren persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen ein – ein Hinweis auf das absehbare Ende des Verfahrens.

  • Otmar Kury war einst der Anwalt von Christina Block. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa
    Otmar Kury war einst der Anwalt von Christina Block. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa
  • Zeuge Otmar Kury auf dem Weg in den Gerichtssaal. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa
    Zeuge Otmar Kury auf dem Weg in den Gerichtssaal. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa
  • Die Angeklagte Christina Block und ihr aktueller Anwalt Ingo Bott. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa Pool/dpa
    Die Angeklagte Christina Block und ihr aktueller Anwalt Ingo Bott. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa Pool/dpa
  • Blocks Ex-Mann Stephan Hensel ist Nebenkläger. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa Pool/dpa
    Blocks Ex-Mann Stephan Hensel ist Nebenkläger. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa Pool/dpa
  • Christina Block beteuert ihre Unschuld. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa
    Christina Block beteuert ihre Unschuld. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa
Otmar Kury war einst der Anwalt von Christina Block. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa Zeuge Otmar Kury auf dem Weg in den Gerichtssaal. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa Die Angeklagte Christina Block und ihr aktueller Anwalt Ingo Bott. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa Pool/dpa Blocks Ex-Mann Stephan Hensel ist Nebenkläger. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa Pool/dpa Christina Block beteuert ihre Unschuld. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa

Im Prozess vor dem Landgericht Hamburg um die mutmaßliche Entführung der Kinder von Unternehmerin Christina Block hat ihr früherer Verteidiger Otmar Kury als Zeuge erneut betont, seine frühere Mandantin sei unschuldig.

Ex-Verteidiger kehrt als Zeuge in den Gerichtssaal zurück

Nach mehr als einem Jahr ist der frühere Anwalt von Christina Block in neuer Rolle in den Saal zurückgekehrt. Der 70 Jahre alte Jurist erscheint mit silbernem Koffer und einem Stapel Akten, nimmt auf dem Zeugenstuhl Platz und vermeidet den Blickkontakt zu seiner einstigen Mandantin, die er zu Prozessbeginn im Juli 2025 stets „die Dame Block“ nannte. Die 53-Jährige ist angeklagt, nach einem erbitterten Sorgerechtsstreit eine israelische Sicherheitsfirma beauftragt zu haben, ihren damals zehnjährigen Sohn und ihre damals 13 Jahre alte Tochter vom Wohnort des Vaters Stephan Hensel in Dänemark nach Deutschland bringen zu lassen. Sie bestreitet die Vorwürfe.

Trennung von Kury – Wunsch nach anderer Verteidigung

Zu Beginn des Verfahrens hatten Kury und Ingo Bott die Verteidigung Blocks übernommen, Bott war kurzfristig hinzugekommen. Bereits nach wenigen Prozesstagen trennte sich die Angeklagte von Kury. In einer Erklärung ließ sie damals über Bott mitteilen, sie danke ihrem Anwalt für seinen großen Einsatz, habe aber festgestellt, dass ihre „Welten sehr unterschiedlich“ seien. Ihr sei wichtig, als der Mensch gesehen und gehört zu werden, der sie tatsächlich sei, an der fachkundigen und professionellen Kompetenz Kurys stellte sie ausdrücklich keinen Zweifel.

Geladener Zeuge mit engen Grenzen

Kury, ehemaliger Präsident der Hamburger Rechtsanwaltskammer, ist auf Antrag eines ebenfalls angeklagten deutschen Sicherheitsunternehmers als Zeuge geladen. Thema ist unter anderem ein Gespräch Anfang Januar 2024, an dem er nach Angaben des Mitangeklagten beteiligt gewesen sein soll. Der Jurist betont, er habe seine Unterlagen „minutengenau“ geführt, dürfe dazu aber nichts sagen, weil ihn seine anwaltliche Verschwiegenheitspflicht binde. Christina Block hat ihn von dieser Pflicht nicht entbunden.

Spannungen zwischen Verteidigung und Vorsitzender Richterin

Der Auftritt Kurys ist von heftigen Diskussionen zwischen Verteidigern und der Vorsitzenden Richterin Isabel Hildebrandt begleitet. Es geht darum, ob und zu welchen Punkten Blocks früherer Anwalt überhaupt befragt werden darf. Kury versucht selbst, sich dazu zu äußern, wird jedoch von Hildebrandt unterbrochen: Er sei hier als Zeuge, nicht als Kommentator, erklärt sie und bittet ihn, zunächst den Saal zu verlassen. Nach rund einer halben Stunde wird der 70-Jährige schließlich als Zeuge entlassen, ohne wesentlich zur Sachaufklärung beitragen zu können.

Deutliche Unschuldsbotschaft zum Abschied

Zum Abschluss nutzt Kury die Gelegenheit, seine Haltung klarzustellen: Seine frühere Mandantin sei unschuldig, betont er. Dies habe er bereits zu Prozessbeginn als ihr Verteidiger gesagt, an dieser Position habe sich nichts geändert. Damit bleibt seine Unschuldsbeteuerung ein zentrales Signal an das Gericht und die Öffentlichkeit, auch wenn er in der Sache nur eingeschränkt aussagen durfte.

Befragung der Angeklagten als Hinweis auf Verfahrensende

Im Anschluss beginnt das Landgericht mit der umfangreichen Befragung der sieben Angeklagten zu ihren persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Aus Sicht vieler Prozessbeobachter gilt dies als deutliches Zeichen dafür, dass sich das Verfahren seinem Ende nähert. Ein Antrag von Christina Blocks Verteidiger, die Öffentlichkeit für diesen Teil auszuschließen, bleibt erfolglos. Vor zahlreichen Zuhörern schildert die Unternehmerin ihren Lebensweg von der Grundschule über Gymnasium, Ausbildung zur Hotelfachfrau und Studium bis zu ihren Tätigkeiten in der Block-Holding. Ihre Beratungstätigkeit ruhe seit Prozessbeginn, erklärt sie.

Privatleben und Vermögen bleiben nur teilweise Thema

Als der Anwalt ihres Ex-Mannes Philip von der Meden nach der Höhe ihres Gesamtvermögens fragt, verweigert Block die Antwort. Auch ihr Lebensgefährte Gerhard Delling, 67 Jahre alt und als früherer Sportmoderator bekannt, berichtet über Ausbildung und berufliche Stationen. Delling ist wegen Beihilfe angeklagt und bestreitet die Vorwürfe ebenfalls. Er erklärt, derzeit kein Einkommen zu haben, weil seine Tätigkeit wegen des Prozesses ruhe.

Gericht drängt auf zügigen Fortgang

Vorsitzende Richterin Hildebrandt ordnet an diesem Verhandlungstag an, dass Beweisanträge künftig schriftlich gestellt werden müssen, um das Verfahren zu straffen. Die Befragung der Angeklagten soll am Dienstag fortgesetzt werden und könnte den Übergang zu den Plädoyers und der Urteilsfindung einleiten.

Ein prominenter Prozess mit Signalwirkung

Der langwierige Prozess um die Entführung der Kinder von Christina Block hat sich zu einem der öffentlichkeitswirksamsten Strafverfahren in Hamburg entwickelt. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die Unternehmerin nach einem eskalierenden Sorgerechtskonflikt zu illegalen Mitteln gegriffen und eine israelische Sicherheitsfirma mit der Rückführung der Kinder aus Dänemark beauftragt haben soll. Der Auftritt ihres früheren Verteidigers Otmar Kury als Zeuge markiert eine besondere Phase des Verfahrens, weil damit die Perspektive eines erfahrenen Strafverteidigers in den Fokus rückt – trotz der engen Grenzen anwaltlicher Verschwiegenheit.

Strafprozess, Familienkonflikt und öffentliche Wahrnehmung

Der Fall verbindet strafrechtliche Fragen mit einem hoch emotionalen Familienkonflikt. Die Anklage wegen der Entführung der Kinder steht in engem Zusammenhang mit einem vorausgegangenen, erbittert geführten Sorgerechtsstreit. Die öffentliche Aufmerksamkeit speist sich nicht nur aus den Vorwürfen selbst, sondern auch aus der Prominenz der Beteiligten: Christina Block ist Tochter des Gründers der Block-House-Steakhauskette, ihr Lebensgefährte Gerhard Delling ist als früherer Sportmoderator bundesweit bekannt. Damit werden typische strafprozessuale Abläufe – etwa die Befragung zu persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen – für viele Beobachter sichtbar.

Verfahrensstand und mögliche Konsequenzen

Dass das Gericht nun die sieben Angeklagten ausführlich zu ihrem Lebensweg und ihren finanziellen Verhältnissen befragt, deutet darauf hin, dass die Beweisaufnahme weitgehend abgeschlossen ist und das Verfahren auf die Zielgerade einbiegt. Für die Angeklagten geht es neben der Frage von Schuld oder Unschuld auch um mögliche strafrechtliche Folgen wie Freiheits- oder Geldstrafen. Zugleich ist der Fall ein Beispiel dafür, wie internationale Dimensionen – hier die Einbeziehung einer ausländischen Sicherheitsfirma und der grenzüberschreitende Kontext nach Dänemark – Familienkonflikte rechtlich und praktisch erheblich komplizieren können.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesspiegel: „Bekannter Jurist als Zeuge im Prozess: Ex-Verteidiger beteuert Unschuld von Christina Block“ (21.09.2026)

Der Bericht stelle den Auftritt von Otmar Kury als Zeuge in den Mittelpunkt und schildere, wie er trotz anwaltlicher Schweigepflicht seine Überzeugung von der Unschuld Christina Blocks bekräftige. Hervorgehoben werde, dass die Diskussion über den zulässigen Umfang seiner Aussage den Verhandlungstag präge und zugleich als Zeichen gewertet werde, dass das Verfahren in die Schlussphase eintrete.

Tagesspiegel: „75. Verhandlungstag: Ex-Verteidiger als Zeuge: Christina Block ist unschuldig“ (21.09.2026)

In diesem Beitrag werde der 75. Verhandlungstag als Zäsur beschrieben, an dem die persönliche und wirtschaftliche Befragung der Angeklagten beginne und damit eine Hinwendung zu möglichen Rechtsfolgen angedeutet werde. Der Artikel betone im Vergleich stärker die Rolle der weiteren Mitangeklagten, darunter des Sicherheitsunternehmers und Gerhard Delling, und ordne den Prozess in den Kontext der öffentlichen Debatte über prominente Strafverfahren ein.

Beide Beiträge hoben nach dieser Darstellung die begrenzten Aussagemöglichkeiten Kurys und seine klare Unschuldsbotschaft hervor, während sie unterschiedliche Schwerpunkte bei der Bewertung des Verfahrensstandes und der Rolle der übrigen Angeklagten setzten.

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