Christina Block, Landgericht Hamburg

Christina Block: 860 Seiten neue Beweisanträge im Prozess

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 15:49 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Verteidigung will mit Handydaten ein angebliches Treffen im Hotel Grand Elysée infrage stellen. Zugleich entscheidet das Hanseatische Oberlandesgericht über Tonaufnahmen aus einem „Zeit“-Podcast, die den weiteren Ablauf beeinflussen könnten.

Geodaten und weitere Verhandlungstage

  • Die Verteidiger reichten beim Landgericht Hamburg kurz vor Fristablauf insgesamt 860 Seiten neue Beweisanträge ein.
  • 840 Seiten stammen von Ingo Bott, der Christina Block verteidigt und Geodaten ihres Handys auswerten lassen will.
  • Die Strafkammer hat bislang 15 weitere Verhandlungstage bis zum 18. Dezember angesetzt.
  • Der Verteidiger von Christina Block hat neue Beweisanträge im Umfang von 840 Seiten vorgelegt. - Bild: Christian Charisius/dpa-Pool/dpa
  • Die Strafkammer unter der Vorsitzenden Richterin Isabel Hildebrandt hatte für die Einreichung weiterer Beweisanträge eine Frist bis zum 28. Oktober gesetzt. - Bild: Christian Charisius/dpa-Pool/dpa
  • Christina Block und ihr Lebensgefährte Gerhard Delling verlassen das Gerichtsgebäude. - Bild: Christian Charisius/dpa
Der Verteidiger von Christina Block hat neue Beweisanträge im Umfang von 840 Seiten vorgelegt. - Bild: Christian Charisius/dpa-Pool/dpa Die Strafkammer unter der Vorsitzenden Richterin Isabel Hildebrandt hatte für die Einreichung weiterer Beweisanträge eine Frist bis zum 28. Oktober gesetzt. - Bild: Christian Charisius/dpa-Pool/dpa Christina Block und ihr Lebensgefährte Gerhard Delling verlassen das Gerichtsgebäude. - Bild: Christian Charisius/dpa

Neue Beweisanträge im Hamburger Entführungsprozess

Kurz vor dem Ablauf einer Frist haben die Verteidiger im Prozess um die Entführung der Block-Kinder zahlreiche neue Beweisanträge gestellt. 860 Seiten gingen in der Nacht zum Mittwoch beim Landgericht Hamburg ein, wie die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt sagte.

Verteidigung legt Fokus auf Geodaten

Allein 840 Seiten stammen vom Anwalt Ingo Bott, der Christina Block verteidigt. Die Kammer hatte bis zum 28. Oktober weitere schriftliche Anträge zugelassen; danach sollten die Plädoyers beginnen.

Nach Angaben Botts betreffen mehr als 20 neue Anträge vor allem die Geodaten von Blocks Handy. Sie sollen zeigen, dass seine Mandantin am 28. oder 29. Dezember 2023 nicht am angeblichen Treffpunkt im Hotel Grand Elysée gewesen sein könne.

Vorwürfe und weitere Angeklagte

Christina Block ist angeklagt, nach einem Sorgerechtsstreit eine israelische Sicherheitsfirma mit der Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder vom Wohnort des Vaters in Süddänemark nach Deutschland beauftragt zu haben. Die Kinder waren in der Silvesternacht nach Deutschland gebracht worden; Block bestreitet die Vorwürfe.

Zu den sechs weiteren Angeklagten gehört Blocks Lebensgefährte Gerhard Delling. Auch der frühere Sportmoderator weist die Vorwürfe zurück.

Streit um Tonaufnahmen bleibt offen

Ob der Prozess tatsächlich bald endet, hängt auch vom Streit um Aufnahmen einer „Zeit“-Journalistin ab. Das Gericht erklärte die Sicherstellung der Gespräche mit der ältesten Tochter für rechtswidrig, ließ die Sicherstellung von Aufnahmen mit der damals 13-jährigen jüngeren Tochter jedoch bestehen.

Das Hanseatische Oberlandesgericht soll entscheiden, ob die verbliebenen Aufzeichnungen als Beweismittel verwendet werden dürfen. Bis dahin könnten die Aufnahmen den Angaben des Gerichts zufolge nicht ausgewertet werden.

Weitere Termine bis Dezember

Bislang hat die Strafkammer 15 weitere Verhandlungstage bis zum 18. Dezember angesetzt. Sollte das Oberlandesgericht die Verwendung der Aufnahmen zulassen, könnte sich das Verfahren über diesen Zeitplan hinaus verlängern.

Der Prozess vor dem Landgericht Hamburg befindet sich in einer entscheidenden Phase der Beweisaufnahme. Die Kammer hatte die Einreichung weiterer schriftlicher Beweisanträge bis zum 28. Oktober befristet und anschließend den Beginn der Plädoyers in Aussicht gestellt. Die nun vorgelegten Unterlagen betreffen nach Angaben der Verteidigung vor allem die Auswertung von Geodaten und sollen die Darstellung zum angeblichen Treffen im Hotel Grand Elysée erschüttern.

Parallel dazu berührt der Streit um die Tonaufnahmen grundlegende Fragen des Strafverfahrens. Das Gericht muss abwägen, ob Gespräche mit einer damals 13-jährigen Zeugin als mögliche Beweismittel zugelassen werden dürfen und welche Bedeutung der Gesprächssituation für spätere polizeiliche Aussagen zukommt. Zugleich steht der Schutz journalistischer Arbeitsmittel und von Informanten im Raum.

Auswirkungen auf den weiteren Prozess

Eine Entscheidung des Hanseatischen Oberlandesgerichts über die noch gesicherten Aufnahmen kann den Abschluss des Verfahrens beeinflussen. Bislang sind 15 weitere Verhandlungstage bis zum 18. Dezember angesetzt. Für die Beteiligten geht es damit nicht nur um den Zeitplan, sondern auch darum, welche Beweise das Gericht bei der abschließenden Bewertung der Entführungsvorwürfe berücksichtigen darf.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

taz: „Block-Prozess: Sicherstellungen bei der „Zeit“ teils rechtswidrig“ (28.10.2026)

Der Beitrag hebt die teilweise Aufhebung der Sicherstellung hervor und stellt den Konflikt mit der Pressefreiheit in den Mittelpunkt. Zugleich wird erläutert, dass die Aufnahmen zur jüngeren Tochter vorerst gesichert bleiben und bis zur Entscheidung des Oberlandesgerichts nicht ausgewertet werden.

NDR: „Block-Prozess stockt: Verteidiger stellt 840 Seiten Beweisanträge“ (28.10.2026)

Der NDR konzentriert sich auf die 860 Seiten neuen Anträge und die dadurch notwendige Unterbrechung. Anders als der taz-Beitrag liegt der Schwerpunkt auf der möglichen Verzögerung des Prozessplans; der Streit um die Tonaufnahmen wird als weiterer offener Verfahrenspunkt eingeordnet.

Beide Beiträge bestätigen die neue Aktivität in der Beweisaufnahme. Unterschiede ergeben sich vor allem beim Schwerpunkt: Während der NDR den Zeitplan des Prozesses betont, rückt die taz die Grenzen der Sicherstellung journalistischer Aufnahmen in den Vordergrund.

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