Christa Pike, Tennessee

Christa Pike: Verzicht auf letzte Mahlzeit – 20 Dollar für Pizza für Obdachlose

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 11:38 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Christa Pike verzichtete vor dem gescheiterten Hinrichtungsversuch auf ihre letzte Mahlzeit. Die vorgesehenen 20 Dollar sollten stattdessen Pizza für Obdachlose in Nashville finanzieren.

  • Demonstration gegen die Todesstrafe in Nashville. Christa Pike bat laut US-Medien darum, mit den 20 Dollar für ihre letzte Mahlzeit Pizza für Obdachlose in Nashvilles Innenstadt zu kaufen. (Archivbild) - Bild: George Walker IV/AP/dpa
    Demonstration gegen die Todesstrafe in Nashville. Christa Pike bat laut US-Medien darum, mit den 20 Dollar für ihre letzte Mahlzeit Pizza für Obdachlose in Nashvilles Innenstadt zu kaufen. (Archivbild) - Bild: George Walker IV/AP/dpa
  • Pike war 1996 für den Mord an der 19 Jahre alten Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. (Archivbild) - Bild: Uncredited/Tennessee Department of Correction/AP/dpa
    Pike war 1996 für den Mord an der 19 Jahre alten Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. (Archivbild) - Bild: Uncredited/Tennessee Department of Correction/AP/dpa
Demonstration gegen die Todesstrafe in Nashville. Christa Pike bat laut US-Medien darum, mit den 20 Dollar für ihre letzte Mahlzeit Pizza für Obdachlose in Nashvilles Innenstadt zu kaufen. (Archivbild) - Bild: George Walker IV/AP/dpa Pike war 1996 für den Mord an der 19 Jahre alten Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. (Archivbild) - Bild: Uncredited/Tennessee Department of Correction/AP/dpa

Die zum Tode verurteilte US-Amerikanerin Christa Pike soll vor ihrer gescheiterten Hinrichtung auf eine letzte Mahlzeit verzichtet und darum gebeten haben, die dafür vorgesehenen 20 Dollar für Pizza für Obdachlose in Nashville zu verwenden.

Wunsch am Vorabend der Hinrichtung

Pike sollte am vergangenen Mittwoch im US-Bundesstaat Tennessee hingerichtet werden, überlebte jedoch zwei verabreichte Dosen des Medikaments Pentobarbital. Nach Angaben ihrer Anwälte war die 50-Jährige zuletzt weiterhin bewusstlos und an ein Beatmungsgerät angeschlossen.

Der ungewöhnliche Wunsch wurde laut einem Bericht der „New York Times“ am Vorabend des Vollstreckungsversuchs geäußert. Das Geld sollte nach Pikes Bitte für Pizza für obdachlose Menschen in der Innenstadt von Nashville ausgegeben werden.

Verurteilung wegen Mordes

Pike war 1996 wegen des Mordes an der 19 Jahre alten Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt.

Slemmer war 1995 von drei Teenagern in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet worden. Während ihrer Haftzeit wurde Pike in einem separaten Fall nach einem Angriff auf eine Mitgefangene wegen versuchten Mordes verurteilt.

Debatte über Ablauf und Todesstrafe

Warum Pike trotz zweier Dosen Pentobarbital überlebte, ist weiterhin unklar. Der Fall hat in den USA eine neue Debatte über die Todesstrafe und die Art ihrer Vollstreckung ausgelöst.

Der Leiter der Strafvollzugsbehörde von Tennessee kündigte seinen Rücktritt an. Zudem wächst die Kritik an der Qualifikation und Ausbildung des Personals, das an der Hinrichtung beteiligt war.

Ein außergewöhnlicher Verlauf eines umstrittenen Verfahrens

Der Fall reicht über den individuellen Wunsch nach einer letzten Mahlzeit hinaus. In Tennessee war bereits im Mai eine Hinrichtung verschoben worden, weil kein geeigneter Venenzugang gelegt werden konnte. Nun überlebte Pike trotz zweier verabreichter Dosen Pentobarbital den Versuch. Damit steht nicht nur die konkrete medizinische Durchführung, sondern auch die Belastbarkeit des gesamten Vollzugsprotokolls im Mittelpunkt.

Fachleute führen als mögliche Erklärung an, dass das Medikament nicht vollständig in die Blutbahn gelangt sein könnte. Bei einer Giftspritze hängt die Wirkung jedoch von mehreren Schritten ab: dem sicheren Zugang zu einer Vene, der korrekten Verabreichung und der anschließenden medizinischen Überwachung. Der Fall macht sichtbar, wie stark ein Verfahren, das als planbar dargestellt wird, von praktischen Bedingungen und qualifiziertem Personal abhängt.

Politische und rechtliche Folgen

Die Debatte betrifft deshalb auch die grundsätzliche Frage, ob eine staatliche Tötung unter solchen Bedingungen zuverlässig und ohne extreme Leiden durchgeführt werden kann. Tennessee hat nach dem Vorfall weitere Hinrichtungen für das Jahr 2026 ausgesetzt und eine Untersuchung angeordnet. Für Pike bleibt zugleich offen, wie die Behörden mit dem Todesurteil umgehen und ob ein weiterer Vollstreckungsversuch rechtlich verfolgt werden könnte.

Für Leser in Deutschland ist der Fall vor allem deshalb relevant, weil er einen grundlegenden Unterschied zur deutschen Rechtsordnung verdeutlicht: Die Todesstrafe ist hier abgeschafft und durch das Grundgesetz ausgeschlossen. In den USA bleibt sie in mehreren Bundesstaaten zulässig; Fehler bei ihrer Vollstreckung können daher nicht nur medizinische und politische Konsequenzen haben, sondern auch neue Verfassungs- und Menschenrechtsverfahren auslösen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Gescheiterte Hinrichtung heizt Debatte über Todesstrafe neu an“ (02.10.2026)

Der Bericht bestätige, dass Pike zwei Giftspritzen überlebt habe und sich in kritischem Zustand befinde. Er setze den Schwerpunkt auf die von ihrem Anwalt geschilderten Pannen und ordne den Fall in die erneute Debatte über die Todesstrafe ein; zugleich bleibe offen, ob Pike überleben werde.

n-tv: „Fall Christa Pike - Was ist, wenn die Hinrichtung scheitert?“ (02.10.2026)

Der Artikel bestätige den gescheiterten Vollzug und erkläre, dass ein misslungener Hinrichtungsversuch in den USA nicht automatisch zur Aufhebung des Todesurteils führe. Anders als der Bericht über den letzten Mahlzeitenwunsch richte er den Blick vor allem auf historische Vergleichsfälle, mögliche rechtliche Schritte und die weiterhin ungeklärte Frage eines weiteren Versuchs.

Beide Berichte stimmten beim Ablauf und beim kritischen Gesundheitszustand überein. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung: Der eine betone die politische Todesstrafendebatte, der andere die rechtlichen Folgen und Präzedenzfälle.

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