Christa Pike, Tennessee

Christa Pike: Tennessee plant erste Hinrichtung einer Frau seit 1819

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 15:46 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

In Tennessee soll erstmals seit 1819 eine Frau hingerichtet werden. Trotz Appellen von Menschenrechtlern und einem Gnadengesuch lehnte Gouverneur Bill Lee eine Begnadigung von Christa Pike ab.

  • Mehrere Kampagnen versuchen, den geplanten Vollzug der Hinrichtung am 30. September aufzuhalten. - Bild: George Walker IV/AP/dpa
    Mehrere Kampagnen versuchen, den geplanten Vollzug der Hinrichtung am 30. September aufzuhalten. - Bild: George Walker IV/AP/dpa
  • In dem US-Bundesstaat Tennessee soll am Mittwoch das erste Mal seit mehr als 200 Jahren eine Frau hingerichtet werden. (Symbolbild) - Bild: Ben Gray/Atlanta Journal-Constitution via AP/dpa
    In dem US-Bundesstaat Tennessee soll am Mittwoch das erste Mal seit mehr als 200 Jahren eine Frau hingerichtet werden. (Symbolbild) - Bild: Ben Gray/Atlanta Journal-Constitution via AP/dpa
  • Todesstrafe sei psychische Folter, argumentieren die Gegner. - Bild: George Walker IV/AP/dpa
    Todesstrafe sei psychische Folter, argumentieren die Gegner. - Bild: George Walker IV/AP/dpa
Mehrere Kampagnen versuchen, den geplanten Vollzug der Hinrichtung am 30. September aufzuhalten. - Bild: George Walker IV/AP/dpa In dem US-Bundesstaat Tennessee soll am Mittwoch das erste Mal seit mehr als 200 Jahren eine Frau hingerichtet werden. (Symbolbild) - Bild: Ben Gray/Atlanta Journal-Constitution via AP/dpa Todesstrafe sei psychische Folter, argumentieren die Gegner. - Bild: George Walker IV/AP/dpa

Im US-Bundesstaat Tennessee soll am Mittwoch erstmals seit mehr als 200 Jahren eine Frau hingerichtet werden: Die 50-jährige Christa Pike war 1996 wegen des Mordes an einer 19-jährigen Bekannten zum Tod verurteilt worden.

Mord nahe der Universität

Die Tat ereignete sich 1995 in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville. Drei Teenager folterten und töteten das Opfer. Pike war damals 18 Jahre alt und wurde als Einzige der drei zum Tode verurteilt.

Pikes damaliger Freund war zum Tatzeitpunkt 17 Jahre alt und erhielt eine lebenslange Haftstrafe. Eine weitere 18-Jährige wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Gnadengesuch abgelehnt

Mehrere Kampagnen bemühten sich, den für den 30. September geplanten Vollzug zu verhindern. Amnesty International verwies auf Vergewaltigung, sexuelle und körperliche Gewalt, Misshandlung und Vernachlässigung, die Pike in ihrer Kindheit erlebt habe. Auch Experten der Vereinten Nationen forderten einen Stopp der Hinrichtung.

Pikes Anwälte reichten Anfang September ein 226-seitiges Gnadengesuch bei der Regierung Tennessees ein. Der republikanische Gouverneur Bill Lee lehnte es am Montag ab. Nach sorgfältiger Prüfung bestätige er das Urteil des Bundesstaates und werde nicht eingreifen, hieß es in einer Mitteilung Lees.

Aussagen der Verurteilten

Pike sagte laut einer von ihren Anwälten veröffentlichten Audioaufnahme, sie finde nicht, dass jemand sie töten sollte, um ihr zu zeigen, dass es falsch sei, einen Menschen zu töten. Die Hinrichtung durchlebe sie jeden Tag in ihrem Herzen; was am 30. September geschehe, werde nicht mehr ihre Hölle sein.

Die Mutter des Opfers äußerte sich zugleich empört über die Aufmerksamkeit für Pike. Sie sagte, niemand könne sie davon überzeugen, dass Pike sich verändert habe. Ihre Tochter habe selbst in der Isolationshaft keinen vergleichbaren Trost und Beistand erhalten.

Einzige Frau im Todestrakt

Nach Angaben der Regierung Tennessees ist Pike derzeit die einzige Frau im Todestrakt des Bundesstaates. Nach Angaben des Cornell Center on the Death Penalty Worldwide wäre ihre Hinrichtung die erste einer Frau in Tennessee seit 1819.

In den USA sind rund zwei Prozent der Menschen im Todestrakt Frauen. Seit 1976 wurden nach Angaben des Death Penalty Information Center 18 Frauen hingerichtet, etwa ein Prozent aller Hinrichtungen.

Debatte über Trauma und Todesstrafe

Fachleute für Trauma und sexualisierte Gewalt warnten in einem Brief an den Obersten Gerichtshof Tennessees, die Hinrichtung könne bei Pike alte Traumata wieder hervorrufen. Schmerzen, Fesselung und das Gefühl, ausgeliefert zu sein, könnten demnach Erinnerungen an den Missbrauch in ihrer Kindheit aktivieren.

Die Todesstrafe ist in mehr als zwei Dutzend US-Bundesstaaten zugelassen, wird aber vielerorts faktisch nicht mehr vollstreckt. Bis zum 24. September wurden in den USA in diesem Jahr 28 Menschen hingerichtet.

Mehrheit für Todesstrafe

Neben der Giftspritze kommen in den Vereinigten Staaten unter anderem der elektrische Stuhl und in seltenen Fällen ein Erschießungskommando zum Einsatz. Einer jüngst veröffentlichten repräsentativen Umfrage zufolge befürworten 66 Prozent der Erwachsenen die Todesstrafe für wegen Mordes verurteilte Menschen. Zugleich meinen 59 Prozent, dass sie schwere Straftaten nicht abschrecke.

Todesstrafe in Tennessee

Die geplante Hinrichtung fällt in eine US-amerikanische Praxis, in der die Todesstrafe weiterhin rechtlich zulässig ist, aber regional sehr unterschiedlich angewandt wird. Tennessee gehört zu den Bundesstaaten, die Hinrichtungen vollstrecken; zugleich ist die Zahl der Hinrichtungen in den Vereinigten Staaten insgesamt langfristig deutlich niedriger als in früheren Jahrzehnten.

Der Fall macht zudem sichtbar, wie stark bei Todesurteilen das Alter zur Tatzeit, psychische Belastungen und eine Missbrauchsgeschichte in die öffentliche und juristische Debatte einfließen. Pike war bei dem Mord 18 Jahre alt. Die von ihren Anwälten angeführten Traumafolgen begründen nach Darstellung der dpa-Kampagnen gegen die Hinrichtung, ändern aber nichts daran, dass das Todesurteil seit 1996 besteht.

Besondere Bedeutung des Falls

Die Vollstreckung wäre nach den in der Meldung genannten Angaben die erste Hinrichtung einer Frau in Tennessee seit 1819. Dadurch erhält der Fall über das einzelne Strafverfahren hinaus Bedeutung für die Diskussion über Geschlechterunterschiede im Todestrakt und über den Umgang mit Täterinnen, die selbst schwere Gewalt erlebt haben.

Offene Folgen

Für die unmittelbar bevorstehende Entscheidung sind vor allem mögliche weitere gerichtliche Schritte maßgeblich. Sollte die Hinrichtung stattfinden, würde Tennessee damit trotz der Einwände von Menschenrechtlern und UN-Experten an der Vollstreckung festhalten. Sollte sie ausgesetzt werden, bliebe das Todesurteil zunächst bestehen; eine Aussetzung wäre nicht automatisch eine Aufhebung.

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