Christa Pike nach gescheiterter Hinrichtung wieder bei Bewusstsein
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 21:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie zum Tode verurteilte US-Amerikanerin Christa Pike ist eine Woche nach der gescheiterten Hinrichtung in Tennessee wieder bei Bewusstsein, kann aber nur eingeschränkt sprechen.
Verwirrtheit nach dem Erwachen
Pikes Anwalt Randy Spivey sagte nach einer Verhandlung in Nashville, seine Mandantin sei kognitiv weiterhin stark verwirrt und drifte zeitweise ab. Ihre ersten Worte nach dem Erwachen im Krankenhaus seien gewesen: „Wo bin ich und wer seid ihr?“ Zugleich wisse sie, dass der Staat versucht habe, sie hinzurichten.
Nach Angaben der Behörden waren Pike am 30. September zwei vorgesehene Dosen des Hinrichtungsmittels Pentobarbital verabreicht worden. Dennoch lebte die 50-Jährige weiter und wurde anschließend in einem Krankenhaus im Raum Nashville künstlich beatmet.
Blutgerinnsel und Lungenentzündung
Nach Angaben der Anwälte hat Pike ein Blutgerinnsel in einem Arm und kann keine ihrer Gliedmaßen bewegen. Ob und in welchem Umfang sie die Funktionen wiedererlangen werde, sei offen. Zudem leide sie an einer Lungenentzündung und werde künstlich ernährt.
Die Anwälte erklärten, sie hätten zeitweise angenommen, Pike sei hirntot und die lebenserhaltenden Maßnahmen würden beendet. Am Montagabend hätten sie nicht damit gerechnet, dass sie wieder aufwachen und sprechen würde.
Beweismittel für mögliche Klage gesichert
Anwalt Luke Ihnen sagte vor Gericht, Pike könne nur in begrenztem Umfang sprechen. Vor dem Hinrichtungsversuch hatte sie ein Tablet genutzt, um mit Angehörigen und Anwälten zu kommunizieren; ob sie es inzwischen bedienen könne, sei unklar.
Richterin I’Ashea Myles ordnete zuvor an, Beweismittel zur versuchten Hinrichtung zu sichern. Nach Darstellung der Verteidigung könnten diese Unterlagen wichtig werden, falls eine weitere Hinrichtung angeordnet werde. Die Anwälte fordern von Gouverneur Bill Lee, die Todesstrafe in lebenslange Haft ohne Möglichkeit vorzeitiger Entlassung umzuwandeln.
Debatte über Hinrichtungsmethode
Pikes Fall gilt nach Angaben des Death Penalty Information Center als beispiellos in der modernen US-Geschichte. Kein vergleichbarer Fall sei bekannt, in dem die vorgesehenen Hinrichtungsmedikamente verabreicht worden seien und der Gefangene dennoch überlebt habe.
Pike war 1996 wegen des Mordes an der damals 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Slemmer war 1995 nahe der Universität von Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet worden. Pikes Hinrichtung wäre die erste einer Frau in Tennessee seit mehr als 200 Jahren gewesen.
Ein ungewöhnlicher Fall der US-Todesstrafe
Christa Pike war 1996 wegen des Mordes an der 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Ihre geplante Hinrichtung am 30. September 2026 war nach Angaben der Behörden der erste Versuch in Tennessee seit mehr als 200 Jahren, eine Frau hinzurichten. Dass Pike zwei vorgesehene Dosen Pentobarbital überlebte, gilt nach Angaben des Death Penalty Information Center als bislang beispielloser moderner US-Fall.
Der Vorgang lenkt den Blick auf die praktische Zuverlässigkeit der Giftspritze. Nach Darstellung ihrer Anwälte gab es Probleme beim Legen der Venenzugänge; die Strafvollzugsbehörde erklärte dagegen, das Hinrichtungsprotokoll sei vollständig abgearbeitet worden. Welche medizinischen und organisatorischen Fehler zu dem Ausgang führten, ist für die weiteren Gerichtsverfahren zentral.
Rechtliche und politische Folgen
Die Sicherung von Beweismitteln kann eine spätere Anfechtung des Hinrichtungsversuchs unterstützen. Zugleich verlangen Pikes Anwälte von Gouverneur Bill Lee, die Todesstrafe in lebenslange Haft ohne Möglichkeit vorzeitiger Entlassung umzuwandeln. Eine erneute Vollstreckung wäre damit nicht nur eine medizinische, sondern auch eine verfassungs- und verfahrensrechtliche Frage.
Für Tennessee kommt der Fall zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt: Bereits im Mai 2026 war eine andere Hinrichtung wegen Problemen beim Legen der intravenösen Zugänge abgebrochen worden. Die wiederholten Schwierigkeiten erhöhen den politischen Druck auf die Vollzugsbehörden und dürften die Debatte über Hinrichtungsmethoden, staatliche Verantwortung und die Todesstrafe in den USA weiter verschärfen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „USA: Frau nach gescheiterter Hinrichtung wieder bei Bewusstsein“ (07.10.2026)
Der Bericht bestätige, Pike sei nach dem gescheiterten Hinrichtungsversuch wieder ansprechbar und werde intensivmedizinisch behandelt. Er hebe neben der Forderung nach einer Umwandlung der Todesstrafe die Schäden an den Armen und die weiterhin offene Ursache des Fehlschlags hervor.
n-tv: „Anwälte fordern milderes Urteil: Christa Pike nach gescheiterter Hinrichtung wieder bei Bewusstsein“ (07.10.2026)
Der Artikel bestätige ebenfalls Pikes Erwachen und die Forderung ihrer Anwälte nach lebenslanger Haft. Er setze einen zusätzlichen Schwerpunkt auf den kurzfristig aufgehobenen Hinrichtungsstopp, frühere Anträge vor dem Supreme Court sowie Berichte über Schwierigkeiten bei den Venenzugängen.
Beide Berichte stimmten beim Gesundheitszustand und bei den Forderungen der Verteidigung überein. Offen bleibe, weshalb die beiden Pentobarbital-Dosen nicht tödlich wirkten und welche rechtlichen Folgen der gescheiterte Vollstreckungsversuch haben werde.
