Bombendrohungen treffen mehr als ein Dutzend Flüge in Europa
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 18:28 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEuropäische Flughäfen reagieren auf Drohungen
- Ein Flug von Dublin nach Rom landete mit 151 Passagieren und sechs Crew-Mitgliedern auf dem Militärflughafen Évreux.
- In Prag erhielten die Behörden Warnungen gegen vier Flugzeuge und durchsuchten die Maschinen nach der Landung.
- Drei Ryanair-Flüge auf dem Weg nach Bulgarien waren von Bombendrohungen betroffen.
Bombendrohungen lösen europaweit Umleitungen aus
Zum zweiten Mal in dieser Woche haben Bombendrohungen den europäischen Flugverkehr gestört und am Donnerstag mehr als ein Dutzend Passagierflüge betroffen. Mehrere Maschinen wurden umgeleitet und von Sprengstoffexperten untersucht, ohne dass bislang ein tatsächlicher Sprengsatz gefunden wurde.
Linienflug landet auf Militärflugplatz
Ein Flug von Dublin nach Rom wurde nach Frankreich umgeleitet und landete auf dem Militärflughafen Évreux. Die 151 Passagiere und sechs Crew-Mitglieder kamen in Sicherheit; die Luftverkehrs-Gendarmerie nahm Ermittlungen auf.
Weil der Pilot zunächst nicht wie erwartet mit den Behörden kooperierte, ordnete der französische Premierminister an, Kampfflugzeuge zur Eskorte einzusetzen. Das Flugzeug landete anschließend sicher in Évreux.
Warnungen in Italien und Österreich
Ein Finnair-Flug von Helsinki nach Rom landete unter Begleitung italienischer Kampfjets am Flughafen Rom-Fiumicino. Sprengstoffexperten der Polizei leiteten dort Sicherheitskontrollen ein.
Ein Flugzeug, das in Mailand gestartet war, wurde wegen einer während des Fluges eingegangenen Drohung nach Wien umgeleitet. Nach einer aus Polen übermittelten E-Mail stellte die österreichische Polizei dort keine Gefährdung fest; die Maschine setzte ihre Reise nach Warschau fort.
Mehrere Länder betroffen
In Wien ging eine weitere E-Mail mit einer „abstrakten“ Drohung gegen vier Flüge ein. Am Flughafen Kopenhagen richteten sich Drohungen gegen zwei Flüge; bei den Durchsuchungen wurde nichts Verdächtiges gefunden.
Auch in Prag gingen Warnungen gegen vier Flugzeuge ein. Spezialisten durchsuchten die Maschinen nach der Landung, später gab die Polizei Entwarnung. Die nationale Sondereinheit für den Kampf gegen Terrorismus, Extremismus und Cyberkriminalität übernahm die Ermittlungen.
Ermittlungen laufen grenzüberschreitend
Drei Ryanair-Flüge auf dem Weg nach Bulgarien erhielten Bombendrohungen. In Rumänien waren außerdem ein Wizz-Air-Flug von Mailand nach Bukarest und ein Air-Serbia-Flug von Belgrad nach Bukarest betroffen; beide Maschinen landeten unversehrt.
Bereits am Dienstag hatte eine ähnliche Serie den Flugverkehr beeinträchtigt und zur vorübergehenden Schließung des Flughafens Warschau Modlin geführt. Eurocontrol beobachtet die Lage und arbeitet mit Fluggesellschaften, Flughäfen, Flugsicherungsorganisationen und weiteren Einrichtungen zusammen.
Ähnliche Häufungen in der Vergangenheit
Die britische Verkehrsministerin Heidi Alexander sprach im Zusammenhang mit Drohungen gegen London Heathrow und Birmingham von „böswillig vorgetäuschten Drohungen“. Ob die aktuellen Vorfälle zusammenhängen und wer dahintersteckt, ist Gegenstand der Ermittlungen.
Auch früher kam es zu Häufungen: Im Herbst 2023 erfassten deutsche Behörden mehr als 250 Bombendrohungen. Im Oktober desselben Jahres wurden in Frankreich wiederholt Regionalflughäfen evakuiert.
Die Vorfälle zeigen, wie empfindlich der europäische Luftverkehr auf einzelne Sicherheitsmeldungen reagiert. Schon der Eingang einer Drohung kann Umleitungen, Sperrungen von Rollbahnen, zusätzliche Kontrollen und den Einsatz militärischer Flugzeuge auslösen, selbst wenn sich später kein Sprengsatz findet.
Die aktuelle Häufung folgt auf ähnliche Zwischenfälle zu Wochenbeginn. Dabei war unter anderem ein Flughafen in Warschau vorübergehend geschlossen worden. Die wiederholten Warnungen in mehreren Ländern erhöhen den Koordinierungsbedarf zwischen Polizei, Luftfahrtbehörden, Flughäfen und Airlines. Eurocontrol arbeitet nach eigenen Angaben mit diesen Stellen zusammen, um Auswirkungen auf den Luftverkehr zu begrenzen.
Sicherheitsprüfung statt Entwarnung
Für Reisende bedeutet das vor allem ein erhöhtes Risiko für Verspätungen, Umleitungen und zusätzliche Kontrollen. Die Behörden müssen jede konkrete Drohung zunächst als potenziell gefährlich behandeln; eine spätere Entwarnung beseitigt die unmittelbaren Folgen für den jeweiligen Flug nicht. Besonders sensibel sind Fälle, in denen Warnungen während des Fluges eingehen oder mehrere Staaten betroffen sind.
Wer hinter den Drohungen steckt und ob die einzelnen Nachrichten zusammenhängen, ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen. Die Bandbreite der betroffenen Ziele und die teils elektronisch übermittelten Warnungen machen eine grenzüberschreitende Auswertung erforderlich. Zugleich zeigen frühere Häufungen, dass falsche Bombendrohungen den Luftverkehr auch ohne tatsächlichen Anschlag erheblich beeinträchtigen können.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Bombendrohung gegen mindestens 14 Flüge in Europa - Kampfjets im Einsatz“ (05.11.2026)
Der Beitrag hebt die Zahl der betroffenen Flüge und die Eskorte durch Kampfjets hervor. Er bestätigt die sichere Landung der Maschinen und beschreibt zusätzliche Vorfälle in Rom, Wien und Bulgarien, während der Zusammenhang der Drohungen offenbleibe.
tagesschau: „Mehrere Bombendrohungen gegen Passagierflüge in Europa“ (05.11.2026)
Die tagesschau konzentriert sich auf die Störungen im Luftverkehr und die bislang fehlenden Hinweise auf echte Sprengsätze. Zusätzlich ordnet der Beitrag die Möglichkeit hybrider Störaktionen ein, ohne eine verantwortliche Seite zu benennen.
Beide Beiträge bestätigen die Umleitungen, militärischen Begleitungen und Sicherheitskontrollen. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: Euronews stellt den Umfang und die einzelnen Flüge heraus, während die tagesschau stärker auf mögliche übergeordnete Muster und die ungeklärten Hintergründe eingeht.
