Bombendrohungen: Mindestens 30 Flüge in Europa betroffen
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 14:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEuropäische Ermittlungen und Flugzahlen
- Ein Wizzair-Flug von Prag nach Rom wurde nach einer Drohung nach Venedig umgeleitet.
- In Prag richteten sich Drohungen gegen neun Flüge, mindestens vier davon durchquerten den deutschen Luftraum.
- Am Donnerstag waren laut Eurocontrol 14 von 28.488 Flügen betroffen, am Dienstag sieben von 26.278.
Mindestens 30 Drohungen gegen Flüge seit Dienstag
Die Serie rätselhafter Bombendrohungen im europäischen Luftverkehr hält an: Seit Dienstag wurden mindestens 30 Drohungen gegen Flugzeuge gemeldet. Am Freitag waren unter anderem Verbindungen in Italien, Portugal, Bulgarien, Tschechien und Frankreich betroffen.
Wizzair-Flug nach Venedig umgeleitet
Ein Wizzair-Flug von Prag nach Rom musste wegen einer Drohung nach Venedig umgeleitet werden. In Lissabon gingen nach Angaben der Polizei zwei Drohungen gegen dieselbe Ryanair-Maschine ein.
Weitere Drohungen richteten sich gegen Flugzeuge aus London und Brüssel nach Sofia. Die Maschinen landeten sicher; bei den Kontrollen entdeckte die Grenzpolizei nach Angaben des bulgarischen Rundfunks nichts Beunruhigendes.
Ermittlungen in mehreren Ländern
In Prag betrafen die Drohungen nach Angaben einer Flughafensprecherin neun Flüge. Auch in Frankreich kam es zu Vorfällen; mehrere Behörden ermitteln inzwischen zu der Serie.
Die EU-Kommission aktivierte einen Mechanismus für den grenzübergreifenden Informationsaustausch und koordiniert die Absprachen der betroffenen EU-Länder. An dem Austausch beteiligt sich auch die europäische Flugsicherheitsagentur EASA mit Sitz in Köln.
Deutscher Luftraum war betroffen
Frankreichs Justiz leitete Vorermittlungen ein. In Tschechien ermittelt die Polizeieinheit für Extremismus, Terrorismus und Cyberkriminalität; auch irische Behörden befassen sich mit den Drohungen.
Mindestens vier der am Freitag bedrohten Flüge führten durch den deutschen Luftraum. Das Karlsruher Center der Deutschen Flugsicherung leitete Informationen an die Crews und benachbarte Flugsicherungen weiter.
Auch irische Medienhäuser geräumt
Mitarbeiter des irischen Rundfunksenders RTÉ, der Zeitung Irish Independent und des Radiosenders Newstalk mussten nach Bombendrohungen ihre Gebäude verlassen. Ob die Vorfälle mit den Drohungen gegen Flugzeuge zusammenhängen, ist offen.
Die irische Regierung sprach von einer möglichen koordinierten Störkampagne. Wer hinter den Drohungen steckt, ist bislang unklar.
Kaum Auswirkungen auf den Flugplan
Eurocontrol zufolge hatten die Drohungen bislang keinen Einfluss auf die Verspätungen im europäischen Luftverkehrsnetz. Am Donnerstag waren 14 Flüge betroffen, am Dienstag sieben.
Die 14 betroffenen Flüge machten am Donnerstag rund 0,05 Prozent von 28.488 Flügen aus. Am Dienstag lag der Anteil bei rund 0,03 Prozent von 26.278 Flügen.
Die Häufung der Drohungen unterscheidet sich deutlich vom üblichen Muster einzelner Fehlalarme im Luftverkehr. Seit Dienstag sind nach der dpa-Meldung mindestens 30 Flugzeuge betroffen; zugleich richten sich nahezu identische Schreiben gegen mehrere irische Medienhäuser.
Für die europäische Luftsicherheit bedeutet das eine grenzüberschreitende Lage. Zuständig sind zunächst die nationalen Polizei-, Luftfahrt- und Justizbehörden, doch die betroffenen Flüge passieren mehrere Lufträume. Der von der EU-Kommission aktivierte Informationsaustausch und die Beteiligung der EASA sollen dabei helfen, Hinweise schneller zwischen Staaten, Flughäfen und Flugsicherungen weiterzugeben.
Geringe Netzfolgen, hoher Prüfaufwand
Operativ blieb die Auswirkung bislang begrenzt: Eurocontrol bezifferte den Anteil der am Donnerstag betroffenen Flüge auf rund 0,05 Prozent des europäischen Verkehrs. Für Reisende kann eine einzelne Umleitung dennoch erhebliche Folgen haben, weil Sicherheitskontrollen, Evakuierungen und Zwischenlandungen kurzfristig organisiert werden müssen.
Die parallelen Drohungen gegen Medienhäuser erweitern die Dimension des Vorgangs über den Flugverkehr hinaus. Ob eine gemeinsame Urheberschaft vorliegt, ist offen; die Ermittlungen in mehreren Ländern konzentrieren sich deshalb sowohl auf mögliche technische Gemeinsamkeiten als auch auf die Auswahl der Ziele. Bis zur Klärung dürfte vor allem die koordinierte Weitergabe von Warnungen entscheidend bleiben.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Stern: „Nach Drohungen im Flugverkehr: Bombendrohungen gegen irische Medien“ (06.11.2026)
Der Beitrag bestätigt die Evakuierungen bei RTÉ, Irish Independent und Newstalk und hebt die irischen Medienhäuser als eigenständige Zielgruppe hervor. Zugleich bleibt offen, ob die Drohungen mit der Serie gegen Flüge zusammenhängen.
n-tv: „Der Tag: Bombendrohungen gegen irische Medien“ (06.11.2026)
Der Beitrag stellt ebenfalls die Drohungen gegen irische Redaktionen und den möglichen europäischen Zusammenhang heraus. Anders als der Stern-Beitrag liegt der Schwerpunkt stärker auf der polizeilichen Einordnung, wonach auch Medienorganisationen in anderen europäischen Ländern betroffen seien.
Beide Beiträge stimmten darin überein, dass die irischen Redaktionen geräumt worden seien und die Urheberschaft ungeklärt bleibe. Unterschiedliche Akzente lägen bei der Frage, ob die Medien-Drohungen Teil derselben Kampagne wie die Vorfälle im Luftverkehr seien.
