Demografie Deutschland, Bevölkerungsentwicklung 2045

Bevölkerung: Deutschland schrumpft bis 2045 – Regionen driften auseinander

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 11:17 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Deutschland dürfte bis 2045 auf rund 81,8 Millionen Einwohner schrumpfen. Besonders stark unterscheiden sich die Perspektiven der Regionen: Viele Großstädte wachsen weiter, während zahlreiche ländliche Räume Bevölkerung verlieren.

Die entscheidende Frage sei nicht, ob Deutschland wachse oder schrumpfe, sondern wo, sagt Catherina Hinz, Direktorin des Berlin-Instituts. - Bild: Oliver Berg/dpa
Die entscheidende Frage sei nicht, ob Deutschland wachse oder schrumpfe, sondern wo, sagt Catherina Hinz, Direktorin des Berlin-Instituts. - Bild: Oliver Berg/dpa

Deutschland dürfte bis 2045 einer Studie zufolge auf rund 81,8 Millionen Einwohner schrumpfen; zugleich rechnen die Autoren mit großen regionalen Unterschieden.

Rückgang in vielen Regionen

Das geht aus der Studie «Demografische Lage der Nation» hervor, die das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung vorgestellt hat. Gut zwei Drittel der 400 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland müssen demnach mit einem Bevölkerungsrückgang rechnen.

Auch knapp 200 Regionen, die vor wenigen Jahren noch gewachsen sind, dürften künftig schrumpfen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes leben 2026 rund 83,3 Millionen Menschen in Deutschland.

Bewertung von 400 Kreisen

Für die Untersuchung analysierte das Berlin-Institut gemeinsam mit der Wüstenrot-Stiftung zum fünften Mal alle 400 Kreise und kreisfreien Städte. In das Bewertungssystem fließen 26 Indikatoren aus den Bereichen Demografie, Wirtschaft, Bildung und soziale Bedingungen ein.

Die entscheidende Frage sei nicht, ob Deutschland wachse oder schrumpfe, sondern wo, sagte Catherina Hinz, Direktorin des Berlin-Instituts.

Großstädte mit besseren Aussichten

Der Bevölkerungsrückgang in Deutschland insgesamt sei moderat, sagte Manuel Slupina von der Wüstenrot-Stiftung. Viele Großstädte dürften weiter wachsen, während einige ländliche Regionen deutlich an Einwohnern verlieren.

Besonders unterschiedlich entwickelten sich die Regionen im Osten. Zwölf der 20 Kreise und kreisfreien Städte mit den schwächsten Gesamtbewertungen liegen der Studie zufolge in Ostdeutschland. 2019 waren es demnach fünf.

Bayern an der Spitze

Die positive Entwicklung vieler ostdeutscher Regionen zwischen 2014 und 2024 setze sich nicht überall fort. Bei Demografie, Wirtschaft, Bildung und sozialen Bedingungen lägen erfolgreiche und schwächere Regionen inzwischen teils weit auseinander.

Auch im Westen gibt es den Angaben zufolge große Unterschiede. Das Saarland dürfte weiter Einwohner verlieren, während Städte wie Frankfurt am Main oder Düsseldorf wachsen dürften.

Bayern setze sich unter den Bundesländern an der Spitze immer deutlicher ab, sagte Adrián Carrasco Heiermann vom Berlin-Institut. 18 der 20 bestplatzierten Kreise und kreisfreien Städte liegen demnach in Bayern; 2019 waren es zwölf.

Schrumpfen bei wachsender Ungleichheit

Die Studie beschreibt keinen gleichmäßigen Rückgang, sondern eine stärkere regionale Spreizung. Während viele Großstädte weiterhin Menschen anziehen, verlieren strukturschwache ländliche Räume Einwohner. Entscheidend sind dabei Arbeitsplätze, Bildungsangebote, Infrastruktur und die Erreichbarkeit zentraler Einrichtungen.

Für Kommunen kann der Bevölkerungsverlust weitreichende Folgen haben. Sinkende Einwohnerzahlen erschweren die Finanzierung von Schulen, öffentlichem Verkehr, medizinischer Versorgung und Verwaltung. Gleichzeitig steigt in alternden Regionen der Bedarf an Pflege und wohnortnahen Dienstleistungen. Weniger Einwohner bedeuten deshalb nicht automatisch weniger Ausgaben.

Arbeitsmarkt und politische Planung

Die demografische Entwicklung betrifft auch den Arbeitsmarkt. Wenn kleinere Jahrgänge nachrücken und viele Beschäftigte in den Ruhestand gehen, wächst der Druck, vorhandene Arbeitskräfte besser zu qualifizieren, Zuwanderung zu integrieren und die Erwerbsbeteiligung zu erhöhen. Besonders sichtbar wird dieser Zusammenhang in Pflege, Gesundheit, Bildung und kommunalen Berufen.

Die regionalen Unterschiede machen bundesweit einheitliche Lösungen schwieriger. Wachsende Städte benötigen zusätzlichen Wohnraum und leistungsfähige Infrastruktur, während schrumpfende Regionen Anpassungsstrategien brauchen. Für Bürgerinnen und Bürger entscheidet sich die Bedeutung der Prognose daher vor allem am Wohnort: Bevölkerungsentwicklung kann dort über Schulen, Wege, Versorgung und Immobilienmärkte bestimmen.

Disclaimer...

de | unterhaltung | 70240844 |