Berngau: Zwei Landratsamt-Mitarbeiter bei Waffenkontrolle erschossen
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 00:12 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBei einer Waffenkontrolle in Berngau in der Oberpfalz sind zwei Mitarbeiter des Landratsamts Neumarkt erschossen worden.
Mutmaßlicher Täter verschanzt sich
Der bewaffnete Tatverdächtige hielt sich in der Nacht weiterhin in einem Wohnhaus in der Gemeinde im Landkreis Neumarkt auf. Nach bisherigen Erkenntnissen soll der Mann am Donnerstagnachmittag während einer routinemäßigen Überprüfung auf die beiden Beschäftigten geschossen haben.
Zunächst hatte die Polizei mitgeteilt, ein Mitarbeiter sei getötet und eine weitere Person schwer verletzt worden. Am späten Abend bestätigte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, dass auch die zunächst schwer verletzt geltende Kollegin ums Leben gekommen sei.
Opfer aus Wohnhaus geborgen
Die Polizei geht davon aus, dass die Mitarbeiterin bereits unmittelbar durch die Schüsse starb. Dafür spreche die Auffindesituation der Leiche, die aus dem Wohnhaus geborgen wurde, in dem sich der Tatverdächtige weiterhin befand. Weitere Angaben zur Identität der Opfer machte die Polizei zunächst nicht.
Polizei setzt auf Kommunikation
Nach Einschätzung der Einsatzkräfte habe der mutmaßliche Täter keine weiteren Menschen getötet oder verletzt und bedrohe aktuell niemanden. Es bestehe Kontakt zu ihm, der in beide Richtungen stattfinde. Ziel sei eine friedliche und gewaltfreie Lösung.
Großeinsatz nach Schüssen
Gegen 14.00 Uhr waren wegen der Schussgeräusche mehrere Notrufe bei Polizei und Rettungskräften eingegangen. Die Polizei umstellte das Gebäude; ein Spezialeinsatzkommando rückte unter anderem mit einem gepanzerten Fahrzeug an, auch ein Polizeihubschrauber war im Einsatz.
Die Menschen in Berngau sollten ihre Häuser nicht verlassen oder den abgesperrten Bereich um das Wohnhaus meiden. Die Einsatzmaßnahmen dauerten bis in die Nacht hinein.
Routinekontrolle des Waffenbesitzers
Nach Angaben der Polizei handelte es sich um eine reine Routinekontrolle. Dabei werde unter anderem überprüft, ob Waffen vorschriftsmäßig gelagert würden. Eine Beschlagnahme sei nicht vorgesehen gewesen. Warum der mutmaßliche Täter dennoch das Feuer eröffnete, blieb zunächst unklar.
Routinekontrollen mit hohem Konfliktpotenzial
Waffenkontrollen durch Behörden dienen dazu, die sichere Aufbewahrung und den rechtmäßigen Besitz von Waffen zu überprüfen. Sie sind Teil des Verwaltungsalltags und werden in der Regel ohne Zwischenfälle durchgeführt. In Berngau endete eine solche Kontrolle nach Angaben der Polizei jedoch in tödlicher Gewalt gegen zwei Beschäftigte des Landratsamts.
Der Fall zeigt die besondere Gefährdung, die entstehen kann, wenn Verwaltungsmitarbeiter Wohnungen von Waffenbesitzern betreten. Anders als Polizeieinsätze sind solche Termine zunächst keine Zwangsmaßnahmen; gerade deshalb können Beschäftigte auf eine Situation vorbereitet sein, in der sich die Gefahrenlage binnen Sekunden verändert. Der Schutz der Mitarbeiter und die Einschätzung möglicher Risiken gehören damit zu den zentralen Fragen für die weiteren Ermittlungen.
Großeinsatz und offene Ermittlungsfragen
Die stundenlange Abriegelung des Wohnhauses bindet Spezialeinheiten, Rettungsdienste und weitere Kräfte. Für die Bevölkerung vor Ort bedeuten solche Einsätze Einschränkungen und Schutzanweisungen. Die Polizei setzt nach eigenen Angaben auf Kommunikation und eine friedliche Lösung, solange keine unmittelbare Gefahr für weitere Menschen besteht.
Das Motiv und der genaue Ablauf der Schüsse sind zunächst offen. Zu klären sein wird unter anderem, welche Waffen der Mann besaß, wie sie gelagert waren und ob es vor dem Termin Hinweise auf eine besondere Gefährdung gab. Diese Fragen sind für das Strafverfahren ebenso bedeutsam wie für die Bewertung künftiger Sicherheitsabläufe bei behördlichen Kontrollen.

