Berngau: Zwei Landratsamt-Mitarbeiter bei Waffenkontrolle erschossen
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 11:58 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBei einer routinemäßigen Waffenkontrolle in Berngau im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz sollen zwei Mitarbeiter des Landratsamts erschossen worden sein; der mutmaßliche Schütze wurde nach stundenlanger Verschanzung festgenommen.
Jäger und Sportschütze im Visier der Ermittler
Bei dem 60-Jährigen handelt es sich nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) um einen Jäger und Sportschützen. Das Motiv sei völlig unklar. Der Mann war dem aktuellen Ermittlungsstand zufolge zuvor polizeilich nicht bekannt.
Bei den Getöteten handelt es sich um einen 45 Jahre alten Mitarbeiter des Landratsamts und seine 54 Jahre alte Kollegin. Die beiden waren zu einer routinemäßigen und unangekündigten Waffenkontrolle in Berngau südöstlich von Nürnberg gekommen.
Zehn Waffen legal besessen
Nach Angaben Herrmanns besaß der Mann als Sportschütze und Jäger zehn Waffen legal. Hinweise auf eine extremistische Gesinnung gebe es nicht. Staats- und Verfassungsschutz hätten bislang keine Erkenntnisse über ihn.
Die Ermittler prüfen unter anderem, ob es eine Vorgeschichte im Kontakt mit dem Landratsamt Neumarkt gegeben habe. Nach der Tat verschanzte sich der Verdächtige in einem Haus. Spezialkräfte überwältigten ihn nach Stunden; dabei wurde er durch Schüsse schwer verletzt.
Festnahme nach stundenlangem Einsatz
Der 60-Jährige wurde unter Polizeibewachung in ein Krankenhaus gebracht. Wann er vernommen werden kann, war zunächst offen. Nach der medizinischen Behandlung soll er einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden, der über Untersuchungshaft oder eine Unterbringung in einer Fachklinik entscheidet.
Der Tatverdächtige hatte selbst die Einsatzzentrale angerufen, den Schusswaffengebrauch eingeräumt und angekündigt, nicht widerstandslos aufzugeben. Der Großeinsatz dauerte bis tief in die Nacht.
Gemeinde unter Schock
In Berngau mit rund 2.600 Einwohnern ist die Betroffenheit groß. Bürgermeister Thomas Meier sprach von einer fatalen Stimmung und großem Unverständnis.
Herrmann kündigte an, die Abläufe solcher Kontrollen mit den bayerischen Landratsämtern zu besprechen. Im Freistaat finden nach seinen Angaben jährlich mindestens 60.000 Waffenkontrollen statt. In den vergangenen Jahren habe es bei solchen Anlässen keine vergleichbaren Vorfälle gegeben.
Lehren für künftige Kontrollen
Der Minister verwies auf den Fall eines Reichsbürgers in Ansbach, bei dem es um eine gezielte Entwaffnung gegangen sei und Polizeikräfte die kommunalen Mitarbeiter begleitet hätten. Die bisherigen Erkenntnisse aus Berngau gäben noch keinen Hinweis darauf, was künftig anders gemacht werden könne.
Routinekontrollen mit hohem Risiko
Waffenkontrollen gehören zum Vollzug des deutschen Waffenrechts. Sie sollen unter anderem klären, ob Waffenbesitzer ihre Erlaubnisse weiterhin erfüllen und Schusswaffen sicher lagern. In Bayern finden nach Angaben des Innenministers jährlich mindestens 60.000 solcher Kontrollen statt. Der Fall in Berngau macht sichtbar, dass dabei auch Beschäftigte von Kreisverwaltungen in eine gefährliche Lage geraten können.
Die Kontrolle war nach der dpa-Meldung routinemäßig und unangekündigt. Der mutmaßliche Schütze besaß zehn Waffen legal als Jäger und Sportschütze; Hinweise auf eine extremistische Gesinnung oder eine frühere polizeiliche Auffälligkeit lagen demnach zunächst nicht vor. Damit richtet sich die politische und behördliche Aufmerksamkeit nicht nur auf Extremismus oder bekannte Gefährder, sondern auch auf die Einschätzung konkreter Risiken bei alltäglichen Verwaltungsbesuchen.
Folgen für Behörden und Gemeinde
Innenminister Joachim Herrmann kündigte Gespräche mit den bayerischen Landratsämtern über die Abläufe an. Als offene Prüfbereiche gelten insbesondere die Vorbereitung unangekündigter Kontrollen, die Weitergabe vorhandener Risikohinweise und die Frage, wann Mitarbeitende von Polizeikräften begleitet werden sollten. Zugleich verweist die hohe Zahl regulärer Kontrollen darauf, dass nicht jeder Termin wie ein Polizeieinsatz behandelt werden kann.
Für Berngau und den Landkreis Neumarkt stehen zunächst die Angehörigen der beiden Getöteten und die Betreuung der Beschäftigten im Mittelpunkt. Strafrechtlich müssen nun das Motiv, der genaue Tatablauf und die rechtliche Verantwortung des festgenommenen Mannes geklärt werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau.de: „Täter festgenommen Zwei Tote nach Schüssen bei Waffenkontrolle“ (09.10.2026)
Der Bericht bestätige die Festnahme des 60-jährigen mutmaßlichen Schützen und hebe hervor, dass beide Beschäftigten des Landratsamtes gestorben seien. Einen Schwerpunkt setze er auf den stundenlangen Großeinsatz, die Verhandlungen mit dem Mann und die Zahl der eingesetzten Kräfte; zum Motiv mache auch dieser Bericht keine Angaben.
BR24: „Zwei Tote bei Waffenkontrolle: mutmaßlicher Schütze festgenommen“ (09.10.2026)
Der BR-Bericht bestätige ebenfalls die zwei Todesopfer und die verletzte Festnahme nach der Verschanzung. Anders als die dpa-Meldung stelle er zusätzlich die vorübergehende Schließung des Landratsamts für den Besucherverkehr heraus; offen blieben auch dort die Hintergründe der Tat.
Beide Berichte stimmten beim Ablauf, bei der Festnahme und beim ungeklärten Motiv überein. Unterschiede lägen vor allem in der Darstellung der Einsatzgröße und der unmittelbaren Folgen für die Verwaltung.

