Vietnam Airlines, Flughafen München

Vietnam Airlines in München: Boeing schießt beim Start über die Bahn

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 14:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bei einem Start von Vietnam Airlines in München wurden die Bremsen der Boeing 787-9 betätigt. Die Maschine mit fast 290 Menschen an Bord schoss über die Startbahn hinaus, hob aber noch ab – die Ursache bleibt offen.

  • Eine Boeing 787-9 wie diese war Mitte August am Münchner Flughafen über die Startbahn hinausgeschossen und konnte gerade noch abheben. (Symbolbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Eine Boeing 787-9 wie diese war Mitte August am Münchner Flughafen über die Startbahn hinausgeschossen und konnte gerade noch abheben. (Symbolbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Fast 290 Menschen waren an Bord einer Maschine von Vietnam Airlines, als es zu dem Vorfall kam. (Symbolbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Fast 290 Menschen waren an Bord einer Maschine von Vietnam Airlines, als es zu dem Vorfall kam. (Symbolbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Eine Boeing 787-9 wie diese war Mitte August am Münchner Flughafen über die Startbahn hinausgeschossen und konnte gerade noch abheben. (Symbolbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Fast 290 Menschen waren an Bord einer Maschine von Vietnam Airlines, als es zu dem Vorfall kam. (Symbolbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Eine Boeing 787-9 von Vietnam Airlines ist am 15. August am Münchner Flughafen beim Start über die Startbahn hinausgerollt und konnte im letzten Moment abheben.

Bremsen während des Startlaufs betätigt

Nach einem Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung waren die Bremspedale kurz nach dem Beginn des Startlaufs ausgelöst und anschließend dauerhaft gehalten worden. Ob der Pilot die Bremsen versehentlich betätigte oder ein technischer Fehler vorlag, ist dem Bericht zufolge noch offen.

Der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit zufolge könne eine menschliche Ursache, ein technischer Defekt oder eine Kombination aus beidem infrage kommen. Bei einem normalen Start würden die Bremsen nicht betätigt; ein Startabbruch könne automatisch oder manuell über die Bremspedale eingeleitet werden.

Maschine geriet ins Gras

Die mit fast 290 Menschen besetzte Maschine geriet über das Ende der Startbahn hinaus ins Gras und hob anschließend doch noch ab. Heck und Fahrwerk kollidierten mit 20 Lampen der Bahnbeleuchtung, außerdem wurde der Rumpf beschädigt.

Nach der Landung wurden Schäden an vier Reifen festgestellt. Ein Brand am Hauptfahrwerk wurde trotz Rauchentwicklung nicht festgestellt. Menschen wurden bei dem Vorfall nicht verletzt.

Flug nach Vietnam abgebrochen

Die Startfreigabe war dem BFU-Bericht zufolge um 13.55 Uhr erteilt worden. Während des Startlaufs hielt die Maschine 18 Sekunden lang ihre Geschwindigkeit, bevor der Copilot den Triebwerksschub manuell erhöhte.

Im Cockpit saßen vier Piloten. Einer übernahm später in der Luft den Platz des 64 Jahre alten Piloten, der den Start verantwortet hatte. Die Besatzung brach den Flug nach Vietnam ab, ließ nach Absprache mit der Flugsicherung 62 Tonnen Kerosin ab und flog zweimal mit ausgefahrenem Hauptfahrwerk am Flughafen vorbei, damit das Bodenpersonal dieses kontrollieren konnte.

Ursache wird weiter untersucht

Nach etwa zwei Stunden landete die Maschine. Das BFU stellte unter anderem Teile der Bremsen sicher. Eine Bewertung der Unfallursache soll erst im Abschlussbericht erfolgen, der voraussichtlich etwa ein Jahr nach dem Ereignis vorliegen wird.

Warum der Zwischenbericht wichtig ist

Der BFU-Zwischenbericht beschreibt zunächst den Ablauf des Vorfalls und legt noch keine Unfallursache fest. Dass die Bremsen während des Startlaufs betätigt und über längere Zeit gehalten wurden, grenzt die weitere Untersuchung jedoch auf das Zusammenspiel von Bedienung, Technik und Cockpit-Wahrnehmung ein.

Bei einem Startabbruch wird ein Flugzeug in hoher Geschwindigkeit innerhalb der verfügbaren Startstrecke zum Stillstand gebracht. Hebt die Maschine dagegen trotz gebremster Räder noch ab, können Bahnende, Hindernisse und eine anschließende Notlandung die Risiken erheblich erhöhen. Die beschädigte Beleuchtungsanlage, die Reifenschäden und die Rauchentwicklung am Fahrwerk zeigen die Belastung des Flugzeugs, ohne allein die Ursache zu erklären.

Offene Fragen zur Cockpit-Situation

Für die Bewertung müssen die Ermittler unter anderem klären, ob die Bremspedale unbeabsichtigt betätigt wurden, ob ein technischer Defekt vorlag und welche Anzeigen oder Warnungen die Besatzung erhielt. Auch der ungewöhnlich lange Geschwindigkeitsabschnitt und der spätere Pilotenwechsel sind erst im Zusammenhang mit den vollständigen Flugdaten, Wartungsunterlagen und den Aussagen der Besatzung einzuordnen.

Was der Abschlussbericht leisten soll

Der angekündigte Abschlussbericht wird voraussichtlich etwa ein Jahr nach dem Ereignis eine Analyse und Bewertung vorlegen. Bis dahin bleibt der Zwischenbericht vor allem eine Grundlage für Sicherheitsmaßnahmen und weitere technische Prüfungen. Für den Flugbetrieb sind daraus zunächst keine belastbaren Aussagen über ein generelles Risiko der Boeing-787-Baureihe abzuleiten.

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