Zugspitze, Felssturz

Felssturz an der Zugspitze: Permafrost löst große Gesteinsmengen

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 13:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

An der Zugspitze lösen sich auf der Tiroler Seite weiter Felsen. Eine große Staubwolke entstand, verletzt wurde niemand; Wege und Gebäude sind nach Angaben der Bergwacht nicht gefährdet.

  • «Man hört es zwischendurch immer wieder rumpeln.» - Bild: Dominik Bartl/dpa
    «Man hört es zwischendurch immer wieder rumpeln.» - Bild: Dominik Bartl/dpa
  • Das Gestein auf der Zugspitze wird vom Permafrost zusammengehalten. Taut dieser auf, fehlt der «Kleber». - Bild: Dominik Bartl/dpa
    Das Gestein auf der Zugspitze wird vom Permafrost zusammengehalten. Taut dieser auf, fehlt der «Kleber». - Bild: Dominik Bartl/dpa
«Man hört es zwischendurch immer wieder rumpeln.» - Bild: Dominik Bartl/dpa Das Gestein auf der Zugspitze wird vom Permafrost zusammengehalten. Taut dieser auf, fehlt der «Kleber». - Bild: Dominik Bartl/dpa

An der Zugspitze hat sich auf der Tiroler Seite eine bislang unbekannte Menge Gestein gelöst und eine große Staubwolke verursacht.

Abbruch setzt sich fort

Der am Dienstag begonnene Abbruch auf einem Kamm an der deutsch-österreichischen Grenze dauerte am Mittwoch an. „Da löst sich immer wieder was“, sagte der stellvertretende Bereitschaftsleiter Franz Dörfler von der Bergwacht Grainau. Zwischendurch sei immer wieder zu hören, dass weiteres Gestein nachkomme.

Wie viel Gestein bislang herabgestürzt ist, lässt sich noch nicht sagen. Die Abbruchstelle liegt hinter einem Grat und ist deshalb nur schwer einsehbar. Verstärkter Wind hatte am Dienstagnachmittag die weithin sichtbare Staubwolke verursacht.

Keine Verletzten und keine Schäden

Nach Angaben der Bergwacht wurde bei dem Felssturz niemand verletzt. Wege und Gebäude seien von dem Abbruch nicht betroffen. Die Lage wird aus der Entfernung beobachtet, weil das Gebiet an der Abbruchstelle schwer zugänglich ist.

Permafrost als mögliche Ursache

Überraschend seien Felsabbrüche an der Zugspitze inzwischen nicht mehr, die Dimension dieses Ereignisses sei jedoch ungewöhnlich, sagte Dörfler. Als Ursache nannte er den auftauenden Permafrost.

Fels- und Bergstürze gehören wegen der natürlichen Erosion seit jeher zum Geschehen in den Alpen. In hohen Lagen ist das Gestein vielfach durch Frost und Blitzeinschläge zerklüftet. Große Schutthalden und Felskare unterhalb steiler Wände zeugen von diesen Prozessen.

Steinschlagaktivität nimmt zu

Permafrost besteht aus dauerhaft gefrorenem Boden, der neben den Polarregionen auch in hohen Gebirgslagen vorkommt. Mit steigenden Temperaturen schwindet dieser stabilisierende Faktor. Eine Studie aus dem Jahr 2024 kommt zu dem Ergebnis, dass die Steinschlagaktivität in alpinen Gebieten zunimmt, die vom Auftauen des Permafrosts und vom Gletscherschwund betroffen sind.

Nach Gewittern und Starkregen steigt zudem die Gefahr von Muren. Für das aktuelle Ereignis an der Zugspitze gibt es bislang keine Hinweise auf Verletzte oder Schäden an der Infrastruktur.

Permafrost als natürlicher Halt

Permafrost bezeichnet dauerhaft gefrorenen Untergrund. In hochalpinen Felswänden wirkt das Eis in Klüften wie ein Bindemittel: Es stabilisiert einzelne Blöcke und Grate. Taut dieser Untergrund auf, können sich vorhandene Risse leichter öffnen und Gestein kann sich lösen.

Der aktuelle Abbruch an der Zugspitze steht damit in einem größeren Zusammenhang. In den Alpen treffen steigende Temperaturen, schwindender Permafrost und der Rückzug von Gletschern auf bereits stark zerklüftetes Gestein. Dadurch können sich natürliche Erosionsprozesse beschleunigen. Felsstürze sind zwar ein natürlicher Bestandteil der Gebirgsentwicklung, ihre Häufigkeit und Größe können sich unter veränderten klimatischen Bedingungen jedoch regional verändern.

Bedeutung für Wege und Bergbahnen

Für Besucher ist entscheidend, dass nach Angaben der Bergwacht bislang niemand verletzt wurde und Wege sowie Gebäude nicht betroffen sind. Das unmittelbare Risiko konzentriert sich auf die schwer zugängliche Abbruchstelle hinter dem Grat. Dass sich der Abbruch fortsetzt, erschwert eine genaue Einschätzung der bereits bewegten Gesteinsmenge.

Für alpine Infrastruktur bedeutet die Entwicklung langfristig einen höheren Beobachtungs- und Sicherungsbedarf. Gefährdete Felsbereiche lassen sich häufig nur aus der Entfernung überwachen; nach Starkregen, Gewittern und Phasen hoher Temperaturen kann die Gefahr zusätzlicher Bewegungen steigen. Für Wanderer und Ausflügler bleibt deshalb wichtig, aktuelle Sperrungen und Hinweise vor Ort zu beachten und abgesperrte Bereiche nicht zu betreten.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesspiegel: „Klimawandel: Großer Felssturz an der Zugspitze“ (23.09.2026)

Der Bericht bestätige den Felssturz, die anhaltenden Abbrüche und das Ausbleiben von Schäden an Wegen oder Gebäuden. Er setze den Schwerpunkt auf den schwindenden Permafrost und hebe hervor, dass die genaue Gesteinsmenge wegen der schlechten Zugänglichkeit schwer einzuschätzen sei.

Spiegel: „Deutschlands höchster Berg: Bröselndes Gestein – großer Felssturz an der Zugspitze“ (23.09.2026)

Der Artikel bestätige ebenfalls die ungewöhnliche Dimension des Abbruchs und die fehlende unmittelbare Gefahr für Wege und Gebäude. Anders als der Tagesspiegel stelle er die Erklärung über den Permafrost besonders knapp in den Mittelpunkt; offen bleibe auch dort, wie viel Gestein tatsächlich abgestürzt sei.

Beide Berichte seien sich darin einig, dass der Vorgang an der Zugspitze ohne Verletzte und ohne bekannte Schäden verlaufen sei. Unterschiede gebe es vor allem bei der Schwerpunktsetzung: Während der eine Beitrag die klimatische Einordnung ausführlicher betone, konzentriere sich der andere stärker auf die Beobachtung der schwer einsehbaren Abbruchstelle.

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