Mallorca, Strafprozess

Prozess gegen deutsche Kegelbrüder auf Mallorca erst für Mai 2028 terminiert

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 10:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Acht deutsche Kegelbrüder müssen sich wegen eines Brandes an der Playa de Palma erst im Mai 2028 vor Gericht verantworten. Der Fall zeigt die Überlastung der Justiz auf Mallorca und die langen Folgen eines Urlaubs Zwischenfalls.

  • Die Kegelbrüder aus dem Münsterland kommen erst 2028 auf die Anklagebank. (Archivbild)  - Bild: -/5vision/dpa
    Die Kegelbrüder aus dem Münsterland kommen erst 2028 auf die Anklagebank. (Archivbild) - Bild: -/5vision/dpa
  • Ein Gutachter schätzte den Schaden in der abgebrannten Kneipe auf 63.000 Euro. (Archivbild) - Bild: -/5vision/dpa
    Ein Gutachter schätzte den Schaden in der abgebrannten Kneipe auf 63.000 Euro. (Archivbild) - Bild: -/5vision/dpa
Die Kegelbrüder aus dem Münsterland kommen erst 2028 auf die Anklagebank. (Archivbild)  - Bild: -/5vision/dpa Ein Gutachter schätzte den Schaden in der abgebrannten Kneipe auf 63.000 Euro. (Archivbild) - Bild: -/5vision/dpa

Acht deutsche Kegelbrüder aus dem Münsterland müssen sich wegen des Brandes einer Ballermann-Kneipe auf Mallorca erst im Mai 2028 vor Gericht verantworten.

Prozesstermin und Vorwürfe gegen die Gruppe

Nach Angaben der Verteidigung findet das Verfahren gegen die acht Hobbykegler in der Inselhauptstadt Palma vom 2. bis 15. Mai 2028 an fünf Verhandlungstagen statt. Den jungen Männern wird zur Last gelegt, für den Brand der Kneipe "Why not Mallorca" an der Playa de Palma im Frühjahr 2022 verantwortlich zu sein. Die spanische Staatsanwaltschaft fordert für jeden der Deutschen sieben Jahre Haft und insgesamt 100.000 Euro Schadenersatz.

Brandnacht im Mai 2022 und Darstellung der Anklage

Die Anklage wirft den Urlaubern vor, am 20. Mai 2022 kurz nach ihrer Ankunft brennende Zigaretten und Alkohol von den Hotelbalkonen auf das Schilfdach der Terrassenüberdachung der Gaststätte geworfen zu haben. Dadurch soll der Brand ausgelöst worden sein, der aufsehenerregende Bilder vom Ballermann lieferte. Die acht Beschuldigten beteuern hingegen ihre Unschuld und geben an, sie hätten mit dem Ausbruch des Feuers nichts zu tun gehabt und lediglich bei den Löscharbeiten geholfen.

Gruppe aus 13 Urlaubern und Untersuchungshaft

Die Kegelgruppe umfasste insgesamt 13 Urlauber. Einer von ihnen wurde bereits am Tag nach dem Brand ohne Auflagen freigelassen, vier weitere kamen nach rund zweieinhalb Wochen aus der Untersuchungshaft. Die übrigen acht Männer, die nun vor Gericht stehen sollen, saßen etwa zwei Monate in einem Gefängnis auf Mallorca, bevor sie gegen Auflagen in die Heimat zurückkehren durften.

Kaution von 500.000 Euro teilweise zurückgezahlt

Für die Freilassung der Deutschen war eine Kaution von 500.000 Euro festgesetzt worden. Die Anwältin der Männer, María Barbancho, kritisierte die Höhe dieser Summe als unverhältnismäßig. Im Februar dieses Jahres erwirkte sie vor dem Landgericht einen Beschluss, wonach ein großer Teil der Kaution zurückgezahlt werden soll.

Höhe des Sachschadens und weitere Betroffene

Ein Gutachter bezifferte den Schaden in der abgebrannten Kneipe auf 63.000 Euro. Zusätzlich entstanden Schäden im angrenzenden Hotel, in dem die Kegelbrüder untergebracht waren, in einer Kellerbar unter dem "Why not Mallorca" sowie in einer benachbarten Wohnung. Anwältin Barbancho kündigte an, die Unschuld der acht Angeklagten im Prozess beweisen zu wollen.

Überlastete Gerichte verzögern Prozessbeginn

Dass das Verfahren erst 2028 stattfinden soll, wird mit der starken Überlastung der Gerichte auf Mallorca begründet. Die Vielzahl von Verfahren und begrenzte Kapazitäten führen dazu, dass selbst spektakuläre Fälle wie der Brand an der Playa de Palma erst Jahre nach dem Ereignis vor Gericht verhandelt werden.

Langwieriges Verfahren nach spektakulärem Brand

Der anstehende Prozess gegen die acht angeklagten Kegelbrüder steht beispielhaft für die lange Dauer komplexer Strafverfahren im Ausland. Zwischen dem Brand der Kneipe an der Playa de Palma im Mai 2022 und dem nun terminierten Prozessbeginn im Mai 2028 liegen sechs Jahre. Für die Betroffenen bedeutet das eine außergewöhnlich lange Zeit der Ungewissheit, in der sie mit dem schwerwiegenden Vorwurf der Brandstiftung konfrontiert bleiben und zugleich ihren Alltag in Deutschland organisieren müssen.

Überlastete Justiz auf Mallorca als strukturelles Problem

Die von der Verteidigung genannte Überlastung der Gerichte auf Mallorca verweist auf ein strukturelles Problem in beliebten Tourismusregionen. Dort treffen ein hohes Aufkommen von Verfahren mit Auslandsbezug und begrenzte personelle Ressourcen der Justiz aufeinander. In Fällen wie diesem, in denen umfangreiche Sachschäden, mehrere Geschädigte und zahlreiche Zeugen eine Rolle spielen, verlängert sich die Vorbereitung zusätzlich. Für deutsche Urlauber macht der Fall sichtbar, dass Vorwürfe im Ausland nicht zwangsläufig zügig geklärt werden, sondern über Jahre nachwirken können.

Bedeutung für Reisende und internationale Strafverfahren

Für Reisende verdeutlicht das Verfahren, dass sie sich im Ausland dem dortigen Strafrecht und den lokalen Abläufen der Justiz unterwerfen. Hohe Kautionen, wie sie hier zunächst auferlegt wurden, können erhebliche finanzielle Belastungen nach sich ziehen, selbst wenn später eine Rückzahlung angeordnet wird. Zugleich zeigt der Fall, wie stark der Vorwurf der Brandstiftung mit hohen Haftforderungen und Schadenersatzansprüchen verknüpft ist. Für die öffentliche Debatte in Deutschland wird mit dem Prozessstart 2028 relevant sein, ob das Gericht den Vorwurf der vorsätzlichen Brandstiftung bestätigt oder ob sich die Darstellung der Angeklagten durchsetzt, sie hätten lediglich bei den Löscharbeiten geholfen.

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