WDR halbiert Programmangebot bis 2030 auf 300 Angebote
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 13:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSWDR-Intendantin Katrin Vernau rechnet in absehbarer Zeit nicht mit einer Erhöhung des Rundfunkbeitrags. Deshalb muss der Sender seinen Transformationsprozess fortsetzen, Ressourcen anders einsetzen und Programmangebot sowie Personal bis 2030 reduzieren.
Vernau sieht keine Einigung über höheren Beitrag
„Im Moment sehe ich nicht, dass sich die Politik im Rahmen des bestehenden Finanzierungsmodells noch einmal einvernehmlich auf eine Beitragserhöhung verständigt“, sagte Vernau der „Rheinischen Post“. Sollte sich die Politik auf ein neues Finanzierungsmodell verständigen, wäre es nach ihrer Einschätzung eher unwahrscheinlich, dass als Erstes eine Beitragserhöhung käme.
Am Freitag wurde bekannt, dass jede dritte verrentete Stelle beim WDR nicht nachbesetzt wird. Vernau bezeichnete die Entwicklung als neu für den Sender und wahrscheinlich auch für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Programmangebot soll halbiert werden
„Wir kommen aus einer Welt, in der das Angebot immer ausgeweitet wurde. Es war nicht die Frage, wie wir mit einem kleiner werdenden Kuchen zurechtkommen, sondern wie wir jedes Jahr das zusätzliche Tortenstück verteilen. Nun sind wir zur Reduzierung gezwungen“, sagte die Intendantin.
Das Programmangebot soll von 600 auf 300 Angebote sinken. In einem ersten Schritt wurden 76 Angebote konkret benannt, darunter viele Social-Media-Angebote sowie die Sendung „Frau tv“ und die Podcasts „Lisas Paarschitt“ und „Doc Esser“.
Weitere Streichungen im Frühjahr 2027
Im Frühjahr 2027 sollen weitere Programme benannt werden, die wegfallen. Der WDR setzt damit seinen Umbau unter der Vorgabe fort, Ressourcen neu zu verteilen und das Angebot sowie den Personalbestand bis 2030 zu reduzieren.
Der Rundfunkbeitrag wird in Deutschland nicht von einzelnen Sendern festgelegt. Über seine Höhe entscheidet das Verfahren der staatsfernen Beitragsfestsetzung: Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) prüft den angemeldeten Bedarf von ARD, ZDF und Deutschlandradio und spricht eine Empfehlung aus. Die Länder setzen diese anschließend durch einen Staatsvertrag um.
Damit hängt die Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Sender von zwei Entwicklungen ab: den anerkannten Kosten der Anstalten und der politischen Zustimmung der Länder. Eine Beitragserhöhung kann deshalb trotz einer KEF-Empfehlung ausbleiben, wenn die Länder keinen gemeinsamen Beschluss fassen. Für die Sender erhöht das den Druck, Ausgaben zu begrenzen und Angebote zu bündeln.
Weniger Angebote, veränderte Arbeitsabläufe
Der WDR plant nach den Angaben von Intendantin Katrin Vernau, sein Programmangebot bis 2030 von 600 auf 300 Angebote zu reduzieren. Die angekündigte Nichtbesetzung jeder dritten frei werdenden Stelle verschärft die organisatorische Aufgabe: Einsparungen müssen mit einer Neuverteilung von Personal, Technik und Produktionskapazitäten verbunden werden.
Für das Publikum bedeutet der Umbau, dass insbesondere digitale Zusatzangebote, Podcasts und einzelne Fernsehsendungen auf den Prüfstand kommen. Zugleich bleibt die regionale Versorgung ein zentraler Auftrag des WDR. Entscheidend wird daher sein, ob der Sender trotz der Halbierung der Angebotszahl seine Informations-, Kultur- und Regionalangebote dauerhaft sichtbar und zugänglich halten kann.
Politische Entscheidung bleibt offen
Vernau verbindet den Sparkurs ausdrücklich mit der fehlenden Aussicht auf eine kurzfristige Verständigung über eine Beitragserhöhung. Sollte sich das Finanzierungsmodell ändern, würde eine höhere Abgabe nach ihrer Einschätzung nicht automatisch am Anfang stehen. Für den WDR bedeutet das zunächst Planung unter dauerhaft begrenzten Einnahmeerwartungen.
