Reinhold Messner will kein Grab und seine Asche verstreuen lassen
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 10:59 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMessners letzte Wünsche und der Jahrestag
- Reinhold Messner möchte, dass seine Asche nach seinem Tod verstreut wird.
- Als mögliche Orte kommen Stätten infrage, die für sein Leben besondere Bedeutung haben.
- Am 16. Oktober 1986 erreichte Messner mit dem Lhotse seinen letzten der 14 Achttausender.
Reinhold Messner will nach seinem Tod kein eigenes Grab haben und lehnt auch ein Monument für sich ab.
Asche soll an mehreren Orten verstreut werden
Der 82-Jährige sagte in einem Doppel-Interview mit seiner Ehefrau Diane dem Magazin «Der Spiegel», er brauche nach dem Tod nichts mehr und glaube nicht an ein Leben danach.
Das Paar habe bereits darüber gesprochen, was mit der Asche geschehen solle. Eine Möglichkeit sei, sie an verschiedenen Orten zu verstreuen, die für Messners Leben eine besondere Bedeutung hätten.
Gedanke an tibetische Himmelsbestattung
Messner sagte, er habe wiederholt über eine Himmelsbestattung wie in Tibet nachgedacht. Dabei wird der Körper zerlegt und Geiern zum Fraß vorgeworfen.
Seine Ehefrau bezeichnete diese Vorstellung als weniger romantisch, als Messner sie darstelle. Sie sagte, sie hole ihn mitunter wieder auf den Boden zurück.
40 Jahre seit dem letzten Achttausender
Der Wunsch nach einer Bestattung ohne Grab fällt in eine Zeit, in der sich Messners Besteigung aller 14 Achttausender zum 40. Mal jährt. Am Freitag, dem 16. Oktober, liegt der Gipfel des Lhotse genau 40 Jahre zurück.
Messner erreichte dort am 16. Oktober 1986 seinen letzten Achttausender und stand damit als erster Bergsteiger auf allen 14 Gipfeln. Rückblickend sagte er, er habe Glück gehabt und sei vorsichtig gewesen.
Überleben als Teil der Leistung
Die Kunst habe darin bestanden, alle Erfahrungen und alles Können einzusetzen, um lebend zurückzukommen, erklärte Messner. Damit verbindet er den Rückblick auf seine Expeditionen mit der eigenen Einschätzung von Risiko und Verantwortung.
Ein Leben ohne Monument
Messners Wunsch nach einer verstreuten Asche knüpft an eine Haltung an, die sein öffentliches Leben geprägt hat: Der Bergsteiger stellte wiederholt die unmittelbare Erfahrung von Natur und Risiko über dauerhafte Selbstdarstellung. Ein eigenes Grab lehnt er deshalb nicht aus praktischen Gründen ab, sondern als persönliches Zeichen gegen ein Monument nach dem Tod.
Die geplante 40-Jahr-Erinnerung an die Besteigung aller 14 Achttausender gibt dem Gespräch einen zweiten Bezugspunkt. Messners Gipfelerfolg vom 16. Oktober 1986 steht für eine außergewöhnliche Bergsteigerleistung, zugleich betont er rückblickend Glück, Vorsicht und die Fähigkeit, Erfahrungen richtig einzusetzen. Damit rückt nicht nur der Rekordcharakter, sondern auch die Überlebensperspektive in den Mittelpunkt.
Persönliche Entscheidung mit kulturellem Kontext
Bestattungsformen unterscheiden sich weltweit stark. Die von Messner erwähnte Himmelsbestattung verweist auf tibetische Traditionen, bei denen der Körper an Geier übergeben wird. Seine Ehefrau macht zugleich deutlich, dass diese Vorstellung nicht romantisiert werden sollte. Als konkrete Idee steht daher vor allem die Verstreuung der Asche an mehreren Orten im Raum, die für Messners Leben bedeutsam waren.
Für Angehörige und Behörden wären bei einer späteren Umsetzung rechtliche Vorgaben des jeweiligen Landes maßgeblich. Der Kern der Aussage bleibt jedoch persönlich: Messner verbindet sein Lebensende nicht mit einem Grab oder einem Denkmal, sondern mit Orten und Erfahrungen, die seine Biografie geprägt haben.

