Eurovision Song Contest, Niederlande

Niederlande boykottieren ESC 2027 wegen Israels Teilnahme

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 11:06 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der niederländische Rundfunkverband NPO zieht die Zusage für den Wettbewerb 2027 zurück. Der Sender NOS will die Shows dennoch übertragen, während Irland seinen Boykott fortsetzt.

Boykott betrifft Teilnahme und Ausstrahlung

  • Die NPO nahm ihre Zusage für den ESC 2027 nach Widerstand bei den angeschlossenen Sendern zurück.
  • Der niederländische Beitrag sollte als gemeinsames Projekt des öffentlichen Rundfunks entstehen.
  • NOS will die beiden Halbfinals und das Finale weiterhin übertragen.
Der ESC 2027 wird in Burgas an der bulgarischen Schwarzmeerküste stattfinden - noch wohl doch ohne die Niederlande. (Archivbild) - Bild: Valentina Petrova/AP/dpa

Niederlande ziehen ESC-Zusage für 2027 zurück

Die Niederlande werden im kommenden Jahr wegen der Teilnahme Israels nicht am Eurovision Song Contest teilnehmen. Der öffentliche Rundfunkverband NPO zog seine zunächst erteilte Zusage wegen unzureichender Unterstützung bei den Sendern zurück.

Widerstand bei den Rundfunkanstalten

Noch im September hatte die NPO beschlossen, wieder beim Wettbewerb mitzumachen. Der niederländische Beitrag sollte als Gemeinschaftsprojekt des öffentlichen Rundfunks entstehen.

Nach Angaben des Verbands war der Widerstand bei den einzelnen Sendern jedoch zu groß. Der nationale Nachrichtensender NOS will die Halbfinals und das Finale trotzdem ausstrahlen.

Niederlande boykottierten bereits den ESC 2026

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Niederlande den Eurovision Song Contest in Wien wegen Israels Teilnahme boykottiert. Im August entschied der zuständige Sender Avrotros erneut, sich wegen Israels Teilnahme nicht am Musikwettbewerb zu beteiligen.

Auch Irland bleibt dem Wettbewerb fern

Irland hält ebenfalls an seinem Boykott fest. Das Land wird im kommenden Jahr aus Protest gegen Israels Vorgehen im Gazastreifen nicht am ESC teilnehmen.

Irland und die Niederlande gehörten zu den fünf Ländern, die den vorigen Eurovision Song Contest in Wien boykottiert hatten. Der nächste Wettbewerb findet im Mai 2027 in Burgas an der bulgarischen Schwarzmeerküste statt.

Die Entscheidung der niederländischen Rundfunkorganisation NPO macht sichtbar, wie stark der ESC durch den Gaza-Krieg politisiert wird. Der Wettbewerb ist als unpolitische Musikveranstaltung angelegt, doch die Teilnahme Israels löst bei mehreren öffentlich-rechtlichen Sendern einen Konflikt zwischen dem Anspruch auf kulturelle Offenheit und Protesten gegen Israels Vorgehen im Gazastreifen aus.

Für die Niederlande bedeutet der Rückzug, dass der nationale Rundfunk zwar auf einen eigenen Beitrag verzichtet, die Veranstaltung aber weiterhin journalistisch begleitet. Die Ausstrahlung der Halbfinals und des Finales durch NOS trennt die redaktionelle Berichterstattung von der Teilnahme am Wettbewerb.

Wachsende Belastung für den ESC

Der niederländische Boykott folgt auf die bereits im Vorjahr ausgesetzte Teilnahme und auf die Entscheidung Irlands, den Protest fortzusetzen. Damit bleibt die Frage bestehen, wie der Veranstalter mit politischen Konflikten umgeht, wenn einzelne Rundfunkanstalten ihre Beteiligung an die Zusammensetzung des Teilnehmerfelds knüpfen.

Der für Mai 2027 in Burgas geplante Wettbewerb steht dadurch vor einer politischen Belastungsprobe. Für Zuschauer in den Niederlanden bleibt der ESC trotz des fehlenden eigenen Beitrags zugänglich; zugleich dürfte die Debatte über die Vereinbarkeit von Israels Teilnahme mit dem unpolitischen Anspruch des Wettbewerbs anhalten.

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