Sachsen, Deutschland

Wettlauf gegen die Zeit - Per Hand nach Vermissten gesucht

19.05.2026 - 12:17:28 | dpa.de

Nach dem Hauseinsturz in Görlitz bleibt die Lage angespannt: Noch immer werden drei Menschen vermisst, während Gas austritt. Die Suche ist herausfordernd. Die Hoffnung ist da, aber schwindet.

  • Wettlauf gegen die Zeit - per Hand wird nach Vermissten gesucht. - Foto: Paul Glaser/dpa
    Wettlauf gegen die Zeit - per Hand wird nach Vermissten gesucht. - Foto: Paul Glaser/dpa
  • Das Gebiet um die Einsturzstelle ist weiträumig abgesperrt. - Foto: Paul Glaser/dpa
    Das Gebiet um die Einsturzstelle ist weiträumig abgesperrt. - Foto: Paul Glaser/dpa
  • Die Rettung der drei Vermissten stehe an erster Stelle, sagt Octavian Ursu (CDU). - Foto: Paul Glaser/dpa
    Die Rettung der drei Vermissten stehe an erster Stelle, sagt Octavian Ursu (CDU). - Foto: Paul Glaser/dpa
Wettlauf gegen die Zeit - per Hand wird nach Vermissten gesucht. - Foto: Paul Glaser/dpa Das Gebiet um die Einsturzstelle ist weiträumig abgesperrt. - Foto: Paul Glaser/dpa Die Rettung der drei Vermissten stehe an erster Stelle, sagt Octavian Ursu (CDU). - Foto: Paul Glaser/dpa

Die Suche nach den Vermissten in dem eingestürzten Haus in Görlitz gleicht einem Wettlauf gegen die Zeit. Die Einsatzkräfte sehen bei den möglicherweise drei Verschütteten eine Überlebenschance für bis zu 72 Stunden. «Wir sprechen immer noch von einer Vermisstensuche und nicht von einer Bergung», sagte ein Polizeisprecher am späten Vormittag.

Spürhunden schlagen nicht mehr auf Lebenszeichen an

Bei der Suche nach den drei Vermissten nach dem Einsturz des Gründerzeithauses werden auch spezielle Spürhunde eingesetzt. «Die Hunde schlagen bei Lebenszeichen an, was sie gestern auch gemacht haben», erläuterte der Einsatzleiter der Feuerwehr Görlitz, Remo Kölzsch. Heute hätten sie bislang aber nicht angeschlagen.

Die Einsatzkräfte arbeiten sich mit Schaufeln und bloßen Händen durch den Trümmerberg. «Der Einsatz von großen Baggern würde die verschütteten Menschen mehr gefährden», betonte Kölzsch. Eine große Gefahr bei der Rettungsaktion sei, dass sich nach wie vor Gas in den Hohlräumen befinden könnte.

Zwei Frauen und ein Mann werden vermisst

Das Haus stürzte am frühen Montagabend ein. Vermisst werden noch zwei rumänische Touristinnen im Alter von 25 und 26 Jahren und ein 48 Jahre alter Mann mit bulgarischer und deutscher Staatsangehörigkeit, der sich aus beruflichen Gründen in Görlitz aufgehalten hatte. Zwei der ursprünglich fünf Vermissten waren kurz nach Mitternacht aufgetaucht - die beiden Feriengäste waren noch auf der Anreise. In dem eingestürzten Haus befanden sich nach Angaben der Polizei Miet- und Ferienwohnungen.

Mit Schaufeln und Händen werden Trümmerteile abgetragen 

Die gesamte James-von-Moltke-Straße unweit des Görlitzer Bahnhofs ist abgesperrt, zahlreiche Einsatzfahrzeuge des THW und der Feuerwehr stehen bereit. Die vor dem Einsturz dort noch geparkten Autos sind mit einer feinen Staubschicht bedeckt. Ein Bagger mit einem langen Greifarm zieht vorsichtig Trümmer an die Seite und mehrere Einsatzkräfte des THW graben mit Schaufeln und bloßen Händen die Trümmer zur Seite. 

Die genaue Ursache des Unglücks steht noch nicht fest. «Aber es sieht nach einer Gasexplosion aus», sagte der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu. «Es war eine lange und herausfordernde Nacht. Die Lebensrettung steht an erster Stelle», betonte der CDU-Politiker. Insgesamt waren am Vortag 140 Einsatzkräfte am Unglücksort. Unterstützung komme von allen Seiten, auch aus dem benachbarten Polen. Zudem seien Höhenretter im Einsatz.

Hunde kriechen in Löcher - Überlebenschance bei 72 Stunden

Nach Polizeiangaben tritt auch am Dienstagmorgen noch immer Gas aus: Die Gefahr sei noch nicht gebannt. In der Nacht waren fünf Hunde im Einsatz - nach Feuerwehrangaben krochen sie in kleinste Höhlen. Die Tiere wurden am Dienstagmorgen abgelöst. Der Einsatz werde mindestens den ganzen Tag, zur Not auch die kommende Nacht andauern. Die Überlebenschance liege bei diesen Temperaturen bei 72 Stunden, sagte Raik Schulze, Leiter des Führungsstabes der Polizeidirektion Görlitz.

Anwohner schildern dramatische Minuten - unter Tisch gekrabbelt

Eine Anwohnerin beschreibt am Tag danach die Explosion und wie viel Rauch durch das gekippte Balkonfenster in ihre Wohnung zog. «Es war wie so eine Bombe», sagte Kerstin Wauer. Ein anderer Anwohner sagte dem Sender «Radio Lausitz», es habe einen großen Knall und eine große Erschütterung gegeben. «Ich bin instinktiv erst mal unter den Tisch gekrabbelt und habe dann den Notruf gewählt», betonte er. Vom Balkon aus habe er schreiende Menschen vernommen. «Als gelernter Klempner habe ich gleich an Gasexplosion gedacht.» Ein anderer Augenzeuge sagte: «Ich dachte schon, bei uns fällt ebenfalls das Haus ein, das hat so einen Hieb gegeben.»

Problem mit weiter ausströmendem Gas

Man sei dabei, eine Lösung für das Problem des ausstehenden Gases zu finden, betonte Schramm. Unklar sei, in welchem Umfang Gas noch ausströme. Baustatiker waren inzwischen vor Ort, Häuser links und rechts der Einsturzstelle können später wieder bezogen werden, aber nicht, bevor die Personensuche abgeschlossen ist. Von den 54 Leuten, die von der Evakuierung betroffen sind, sind vier in einer städtischen Villa untergebracht.

Görlitz als Filmkulisse gefragt

Görlitz ist die östlichste Stadt Deutschlands, sie liegt in der sächsischen Oberlausitz direkt an der Neiße und hat 57.000 Einwohner. Seit 1998 bildet Görlitz zusammen mit der östlich gelegenen polnischen Nachbarstadt Zgorzelec eine grenzüberschreitende Europastadt. Wegen der historischen unzerstörten Altstadtkulisse ist die Stadt auch ein gefragter Drehort für internationale Filmproduktionen.

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