Silvester, Schweiz

Feuerwalze, Wunderkerzen, offene Fragen: Was hat die Tragödie von Crans-Montana ausgelöst? Hinweise darauf geben Berichte von Überlebenden.

02.01.2026 - 17:52:20

Feuerhölle von Crans-Montana: Feuerwerkskörper im Visier. Verzweifelte Familien suchen nach Antworten.

Bei der Brandkatastrophe in Crans-Montana haben die Schweizer Ermittler Feuerwerkskörper als Auslöser im Verdacht. «Wir gehen derzeit davon aus, dass das Feuer von bengalischem Feuerwerk ausgegangen ist, das in Champagnerflaschen steckte und das zu nah an die Decke kam», sagte die Generalstaatsanwältin im Kanton Wallis, Beatrice Pilloud. 

Das deckt sich mit Foto- und Videoaufnahmen aus der Bar, die in sozialen Medien kursieren und von Faktencheckern als höchstwahrscheinlich authentisch beschrieben werden. Bei dem Brand in einer Bar in der Silvesternacht waren nach neuesten Angaben 40 Menschen ums Leben gekommen und 119 größtenteils schwer verletzt worden. 

Strafuntersuchung wird geprüft

Um was für Pyrotechnik es sich genau handelte, wird unterschiedlich beschrieben. Pilloud sprach abwechselnd auch von Wunderkerzen, ein Schweizer Feuerwerksexperte von «Partyfontänen». Dabei schießt anders als bei Wunderkerzen eine Fontäne mit großem Druck nach oben. 

Der Zeitung «Blick» berichtete ein Überlebender: «Eine Frau saß auf den Schultern einer anderen Dame. Sie hatte zwei Flaschen mit Wunderkerzen.» Die Kerzen hätten die Decke berührt, die plötzlich Feuer gefangen habe. 

Ob das Feuerwerk legal gezündet wurde, ob die Schaumstoffplatten an der Decke, die Feuer fingen, regelkonform waren - das könne noch nicht beantwortet werden, sagte Pilloud. Auch, ob alle Brandschutzvorkehrungen eingehalten wurden, sei noch Gegenstand der Ermittlungen. 

Die französischen Besitzer der Bar und Überlebende seien als Zeugen gehört worden. «Es wird geprüft, ob eine strafrechtliche Verfolgung wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet wird», sagte sie. Bisher gebe es dafür aber keine Anhaltspunkte, betonte sie. 

Vor allem Schweizer, Franzosen, Italiener unter Verletzten

Bei dem Unglück waren am frühen Neujahrsmorgen nach neuesten Angaben 40 Menschen ums Leben gekommen und 119 größtenteils schwer verletzt worden. «Viele kämpfen noch um ihr Leben», sagte der Regierungschef des Kantons Wallis, Mathias Reynard. 113 der Verletzten seien identifiziert worden. Darunter seien 71 Schweizer, 14 Franzosen, elf Italiener und vier Serben. Einzelne Verletzte stammten aus Bosnien, Belgien, Luxemburg, Polen und Portugal. Deutsche nannten die Behörden nicht. Mehrere Verletzte wurden in deutschen Kliniken behandelt. 

Zur Identität der Todesopfer machte die Polizei noch keine Angaben. In solchen Situationen sind Opfer nach Expertenangaben oft so verbrannt, dass eine Feststellung der Identität nicht einfach ist. Für verzweifelte Familien, die ihre Kinder vermissen, ist das Warten unerträglich.

Unter den Verletzten ist etwa Tahirys D. (19), wie der Fußballclub FC Metz berichtet. Er werde in einer Klinik in Deutschland behandelt. Die Gedanken der Verantwortlichen und Spieler seien bei ihm und seiner Familie. 

Mutige Passanten halfen Verletzten

Die Bar «Le Constellation» war nach Angaben von Anwohnern von Crans-Montana besonders bei Teenagern beliebt. Die meisten Opfer dürften deshalb Minderjährige und junge Erwachsene gewesen sein. 

Inmitten von Chaos und Panik haben mutige Passanten bei dem Flammeninferno ihr Leben riskiert, um Verletzte zu retten. «Einer kam mit brennender Jacke rausgerannt, ich habe so gut es ging versucht, die Flammen zu ersticken», berichtete Théo (19) im Schweizer Fernsehen RTS. Dennis (20) beschrieb eine volle Treppe, auf der zahlreiche Verletzte verzweifelt die Hände in die Luft reckten: «Wir versuchten, sie zu packen und nach draußen zu ziehen.»

Andere Passanten berichteten von Verletzten mit brennenden Haaren und versengten Gesichtern. Mathis (20) sagte, sie hätten sich der Menschen angenommen, auf sie eingesprochen, als sie das Bewusstsein verloren und sie beruhigt, bis die Krankenwagen eintrafen. 

Warum so viele umkamen - eine Theorie

Warum so viele Menschen umkamen, könnte mit einem Phänomen zusammenhängen, das als «Flashover» bekannt ist. Die Kantonsregierung des Wallis stellte dies in einer Medienmitteilung als Fakt dar, ohne dafür aber eine Quelle zu nennen. Eine Brandschutzsachverständige verglich in der ARD einen mit einer Feuerwalze. Durch heiße Rauchgase fangen schlagartig alle brennbaren Materialien wie bei einer Explosion Feuer. Die dabei entstehende Hitze mit bis zu 1.000 Grad ist nach Expertenangaben ohne Schutzkleidung kaum zu überleben.

@ dpa.de

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