ESC 2027: Niederlande machen trotz Israel-Streit wieder mit
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 16:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Niederlande wollen nach einem Jahr Abwesenheit 2027 wieder am Eurovision Song Contest teilnehmen und verzichten damit auf einen erneuten Boykott wegen der umstrittenen Teilnahme Israels.
Gemeinsamer Beitrag des Rundfunks
Der niederländische Beitrag werde ein Gemeinschaftsprojekt des öffentlichen Rundfunks, kündigte der Vorstand des Rundfunkverbands NPO in Hilversum an. Dafür soll ein ESC-Team gebildet werden, das den teilnehmenden Künstler auswählt.
Der Nachrichtensender NOS übernimmt anschließend die Ausstrahlung der beiden Halbfinals und des Finales. Zuvor hatte der verantwortliche Sender Avrotros im August erklärt, sich nicht mehr am Wettbewerb beteiligen zu wollen. Zur Begründung hatte Avrotros den ESC als „nicht mehr neutral“ bezeichnet.
Irland bleibt beim Boykott
Irland kündigte in der vergangenen Woche an, auch 2027 aus Protest gegen Israels Vorgehen im Gaza-Krieg nicht am ESC teilzunehmen. Das Land gehörte zu den fünf Staaten, die den vorigen Wettbewerb in Wien boykottiert hatten.
ESC 2027 in Bulgarien
Der nächste Eurovision Song Contest findet im Mai 2027 in Burgas an der bulgarischen Schwarzmeerküste statt. Belgien will dort ebenfalls antreten, wie der flämische öffentlich-rechtliche Sender VRT mitteilte.
Auch Belgien hatte seine Teilnahme zuvor wegen der israelischen Beteiligung und der anhaltenden Gewalt im Gazastreifen offengelassen.
ESC wird zum politischen Prüfstein
Die Rückkehr der Niederlande verändert die politische Statik des Wettbewerbs: Der Boykott eines wichtigen Teilnehmerlands ist vom Tisch, während Irland seine Absage aufrechterhält. Damit bleibt die Teilnahme Israels ein zentraler Streitpunkt innerhalb der europäischen Rundfunkgemeinschaft.
Der Konflikt reicht über einzelne Beiträge hinaus. Mehrere öffentlich-rechtliche Sender müssen abwägen, ob die von ihnen vertretene Veranstaltung als unpolitischer Musikwettbewerb fortgeführt werden kann, während der Gaza-Krieg und die humanitäre Lage ihre öffentliche Wahrnehmung prägen. Der niederländische Rundfunkverband reagiert organisatorisch mit einem gemeinsamen ESC-Team und entlastet damit den bisher zuständigen Sender Avrotros.
Bedeutung für den Wettbewerb 2027
Für den ESC in Burgas zeichnet sich dadurch ein uneinheitliches Bild ab: Die Niederlande und Belgien wollen teilnehmen, Irland bleibt dem Wettbewerb fern. Weitere Entscheidungen können die Zusammensetzung des Teilnehmerfelds und die Debatte über die Rolle der Europäischen Rundfunkunion beeinflussen. Für Zuschauerinnen und Zuschauer dürfte der Wettbewerb deshalb nicht nur musikalisch, sondern auch politisch besonders aufmerksam verfolgt werden.
