Deutschland, Bayern

Grandseigneur des deutschen Films - Mario Adorf ist tot

09.04.2026 - 12:10:02 | dpa.de

Er bleibt als Jahrhundertschauspieler in Erinnerung: Mario Adorf. Im Alter von 95 Jahren ist er jetzt in Paris gestorben. Ein Nachruf.

  • Mario Adorf ist tot. (Archivbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Mario Adorf ist tot. (Archivbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Mario Adorf mit seiner Ehefrau Monique. (Archivbild) - Bild: Ursula Düren/dpa
    Mario Adorf mit seiner Ehefrau Monique. (Archivbild) - Bild: Ursula Düren/dpa
  • Mario Adorf am Rande der Bambi-Verleihung 1978. (Archivbild) - Bild: Istvan Bajzat/dpa
    Mario Adorf am Rande der Bambi-Verleihung 1978. (Archivbild) - Bild: Istvan Bajzat/dpa
  • Adorf hebt den damals 12-jährigen Hauptdarsteller von Die Blechtrommel hoch. (Archivbild)   - Bild: Konrad Giehr/dpa
    Adorf hebt den damals 12-jährigen Hauptdarsteller von "Die Blechtrommel" hoch. (Archivbild) - Bild: Konrad Giehr/dpa
  • Adorf während der Dreharbeiten zum Film Fedora 1977. (Archivbild) - Bild: Istvan Bajzat/dpa
    Adorf während der Dreharbeiten zum Film "Fedora" 1977. (Archivbild) - Bild: Istvan Bajzat/dpa
  •  Adorf und Karin Baal auf ener undatierten Aufnahme. (Archivbild)  - Bild: dpa
    Adorf und Karin Baal auf ener undatierten Aufnahme. (Archivbild) - Bild: dpa
Mario Adorf ist tot. (Archivbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Mario Adorf mit seiner Ehefrau Monique. (Archivbild) - Bild: Ursula Düren/dpa Mario Adorf am Rande der Bambi-Verleihung 1978. (Archivbild) - Bild: Istvan Bajzat/dpa Adorf hebt den damals 12-jährigen Hauptdarsteller von Adorf während der Dreharbeiten zum Film  Adorf und Karin Baal auf ener undatierten Aufnahme. (Archivbild)  - Bild: dpa

Bösewichte und Patriarchen spielte Mario Adorf oft und gern: Die einen lieben ihn für seinen Auftritt als protziger Fabrikant in der Kultserie «Kir Royal», andere kennen ihn als den Schurken Santer aus den Karl-May-Filmen. Mario Adorf hat schier unzählige Rollen gespielt, am Theater, im Fernsehen und im Kino. Am Mittwoch ist die Schauspiellegende im Alter von 95 Jahren in Paris gestorben, wie sein Management und seine Filmagentur der Deutschen Presse-Agentur bestätigten.

Mario Adorf zählt zu den ganz Großen der Filmbranche. Er hat die Glanzzeiten des Kinos miterlebt, den Glamour genossen und ist bei allem Ruhm ein feiner, höflicher Mensch geblieben. Ein Gentleman, der das Leben genoss und die Menschen unterhielt. Vergangenen Herbst feierte der Schauspieler seinen 95. Geburtstag ohne Aufsehen «mit einem Abendessen mit wenigen Freundinnen und Freunden», wie er kurz zuvor der Deutschen Presse-Agentur verriet.

Dass er als Schauspieler Karriere machen würde, hatte sich in seiner Jugend noch nicht abgezeichnet. Der gebürtige Schweizer Adorf wuchs in dem Eifelstädtchen Mayen in Rheinland-Pfalz auf. Während andere am Schultheater spielten, gab er den Klassenclown. Nach dem Abitur zog es ihn dann aber zur Schauspielerei. Er studierte an der Otto-Falckenberg-Schule in München. 

Berühmte Rollen

Sein Durchbruch vor der Kamera gelang ihm 1957 als Frauenmörder in Robert Siodmaks Krimi «Nachts, wenn der Teufel kam». Er spielte im oscarprämierten Film «Die Blechtrommel» (1979), in «Der große Bellheim» (1993) und in Helmut Dietls «Rossini» (1997). Legendär ist Adorfs Auftritt als fieser, rheinischer Kleberfabrikant Heinrich Haffenloher in der ARD-Serie «Kir Royal» 1986 mit dem berühmten Zitat: «Isch scheiß' dich sowas von zu mit meinem Geld!»

Eine der Rollen, auf die er nach eigenen Worten am häufigsten angesprochen wurde, ist eine, die er eigentlich gar nicht spielen wollte: die des Santer, der Schurke, der Winnetous Schwester Nscho-tschi erschoss. In einem dpa-Interview im Herbst 2023 erinnerte sich Adorf amüsiert an die Zeit damals. Empörte Fans hätten ihn beschimpft. Sätze wie «Ich hasse Sie, weil Sie Nscho-tschi erschossen haben» habe er oft zu hören bekommen. Dabei habe er das Rollenangebot absagen wollen. Der Santer sei einfach nur böse, das habe ihn nicht interessiert. Dann habe er sich überreden lassen und die Rolle gespielt.

Demut und Bodenständigkeit

Seine Filmlaufbahn habe sich einfach gefügt. «Ich hatte Glück», sagte Adorf. «Meine Karriere war in dem Sinne bequem. Es war kein Kampf um Anerkennung.» Daher habe er keinen großen Ehrgeiz entwickelt. Er habe nie etwas angestrebt, auch nicht den Oscar. Er sei immer mit dem zufrieden gewesen, was er habe machen dürfen. «Mit einer gewissen Demut und einer Bodenständigkeit, so würde ich das beschreiben.»

Dass er einst eine Rolle in Billy Wilders «Eins, zwei, drei» absagte, bezeichnete er als Fehler. Damals sei er sogar ein wenig stolz darauf gewesen. Aber: «Das war natürlich eine Dummheit, das muss ich zugeben.»

Für sein künstlerisches Schaffen ist Adorf vielfach ausgezeichnet worden: Adolf-Grimme-Preis, Bundesverdienstkreuz, Goldene Kamera, Bambi, Deutschen Fernsehpreis für das Lebenswerk.

Weltläufig bis ins hohe Alter

Lange lebte Adorf in Italien, die wohl schönste Zeit seines Lebens, wie er erzählte. «Dass ich dieses Dolce Vita mitmachen konnte, das habe ich sehr genossen.» Dann sei er nach Deutschland zurückgekehrt, auch wegen der Politik des damaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi.

Als politisch interessierter Mensch sorgte er sich um den Zustand der Welt. «Es gibt so viele Dinge, die ich für unmöglich gehalten hätte, auch durch meine Erfahrung im Krieg.» Im und nach dem Krieg habe er Todesangst und Hunger erlebt. «In der Nachkriegszeit habe ich jahrelang richtig gehungert. Und ich sage immer, ich wünsche es keinem. Weder, dass er Todesangst erleiden muss, noch dass er Hunger hat.» Dass Rechtspopulisten wieder erstarken, das sei ihm «unbegreiflich». Und weiter: «Die Demokratie, die uns so lange Frieden gebracht hat, auf einmal leichtfertig aufs Spiel zu setzen - warum?».

Privat hatte Adorf sein Glück an der Seite seiner zweiten Frau Monique gefunden. Zuvor war er mit Lis Verhoeven verheiratet. Aus der Beziehung stammt Tochter Stella. Adorfs Wahlheimat war München. Viel Zeit verbrachte er in Paris sowie in Cannes, der Heimatstadt seiner Frau. Bis ins hohe Alter war er weltläufig geblieben. 

Jetzt starb der Schauspieler nach kurzer Krankheit, wie es in einer Mitteilung hieß. Seinem langjährigen Manager Michael Stark gab Adorf mit auf den Weg, dass er seinem Publikum für die jahrzehntelange Treue dankt.

So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!
de | unterhaltung | 69111186 |

Weitere Meldungen

Planmäßiger Flugverkehr in München nach Alarm Brandgeruch im Tower, Nachtflugverbot ausgesetzt: Am Flughafen München brauchen Reisende zum Ende der Pfingstferien in Bayern Geduld. (Unterhaltung, 08.06.2026 - 10:00) weiterlesen...

Drohnen verursachen Millionenkosten an deutschen Flughäfen. Das sorgt für stark steigende Kosten und Ärger für Passagiere. Vor allem zwei Airports trifft es. Wenn in der Nähe von Flughäfen Drohnen gesichtet werden, muss oft der Flugbetrieb gestoppt werden. (Wirtschaft, 08.06.2026 - 08:00) weiterlesen...

Flugverkehr am Flughafen München läuft nach Alarm wieder Brandgeruch im Tower, Nachtflugverbot ausgesetzt: Am Flughafen München brauchen Reisende zum Ende der Pfingstferien Geduld. (Unterhaltung, 08.06.2026 - 06:50) weiterlesen...

Nach Feueralarm verlängerter Flugbetrieb in München. Inzwischen starten und landen wieder Maschinen. Die Ursache des Alarms wurde gefunden. Wegen Brandgeruchs im Tower stoppte der Flughafen München am Abend den Betrieb für etwa zwei Stunden. (Unterhaltung, 08.06.2026 - 01:26) weiterlesen...

Defektes Bauteil Grund für Feueralarm am Münchner Flughafen. Der Betrieb lief nach zweistündiger Unterbrechung wieder an. Ein defektes Bauteil an der Lüftungsanlage führte zum Feueralarm im Tower des Münchner Flughafens. (Unterhaltung, 08.06.2026 - 00:17) weiterlesen...

Nach Feueralarm: Flughafen München nimmt Betrieb wieder auf. Jetzt starten wieder erste Maschinen – die Ursache für den Alarm bleibt vorerst unklar. Nach Brandgeruch im Tower musste der Flughafen München am Abend den Betrieb stoppen. (Unterhaltung, 07.06.2026 - 22:51) weiterlesen...