Deutschland, Sachsen

Tiger-Ausbruch: Tierschützer fordern Ende privater Haltung

18.05.2026 - 12:40:06 | dpa.de

Ein Tiger bricht aus und wird von der Polizei erschossen. Tierschützer fordern Konsequenzen. Wie geht es in dem Fall jetzt weiter?

Nach dem Ausbruch hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen.  - Foto: Björn Stach/EHL Media/dpa
Nach dem Ausbruch hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen. - Foto: Björn Stach/EHL Media/dpa

Nach dem Ausbruch eines Tigers in der Nähe von Leipzig fordern Tierschützer ein Verbot privater Wildtierhaltungen. Der Fall zeige erneut, dass die Haltung von Wildtieren bei Privatpersonen weder tierschutzgerecht noch sicher sei, erklärte Paulina Kuhn, Fachreferentin für Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat inzwischen Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung durch Unterlassen aufgenommen.

Die Polizei hatte am Sonntag in der Ortschaft Dölzig einen Tiger erschossen, der zuvor aus dem Gehege einer ehemaligen Zirkus-Artistin entkommen war. Bei dem Ausbruch war ein 72 Jahre alter Mann schwer verletzt worden.

Strengere Regeln gefordert

«Um solche Vorfälle künftig zu verhindern, braucht es endlich ein grundsätzliches Verbot der Haltung gefährlicher Wildtiere sowohl im Zirkus als auch in Privathand. Zudem muss eine bundesweite Positivliste eingeführt werden, die klar regelt, welche Tierarten überhaupt privat gehalten werden dürfen», erklärte Kuhn.

Auch die Tierrechtsorganisation Peta forderte strengere Regeln. Im Prinzip müsse die Bundesregierung jetzt handeln. Wegen der Tigerhaltung in Dölzig habe Peta das zuständige Veterinäramt in Nordsachsen seit 2019 wiederholt auf aus Sicht der Organisation mangelhafte Haltungsbedingungen hingewiesen.

Dompteurin nannte Tiger einen «Angsthasen»

Die Besitzerin des Tigers, die Dompteurin Carmen Zander, bestätigte der «Bild»-Zeitung, dass es sich um eines ihrer Tiere gehandelt habe. «Ja, es war mein Sandokan», zitierte sie die Zeitung. 

Laut Zanders Internetauftritt handelte es sich um einen neun Jahre alten, rund 280 Kilogramm schweren Tiger. Sie bezeichnete ihn in einer Charakterisierung als «Angsthase». «Wenn er etwas nicht einschätzen kann, ist er schnell überfordert und wird unsicher. Ein Angriff kann von daher schneller und unerwarteter ausgelöst werden.»

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft richten sich gegen eine 52-jährige Frau, wie Behördensprecherin Vanessa Fink mitteilte. Sie stünden noch ganz am Anfang. Am Sonntag sei das Gelände in Dölzig bis in die Nacht hinein durchsucht worden.

«Gegenstand der Ermittlungen wird unter anderem die Frage nach dem konkreten Ablauf des Geschehens sein sowie die Frage nach der Rolle des Geschädigten. Zu klären ist ebenfalls, ob gegen etwaige Sicherheitsvorschriften verstoßen wurde», teilte Fink mit. Laut Polizei hatte sich der Mann «berechtigt» in dem Tigergehege aufgehalten.

Wie geht es mit den Tigern weiter?

Was mit dem erschossenen Tiger geschehen werde, sei noch nicht endgültig geklärt, sagte Fink. «Hierzu befinden sich die Beteiligten momentan in der Abstimmung.»

Offen ist auch, wie es mit den lebenden Tigern weitergeht. Die Staatsanwaltschaft verweist auf die zuständigen Behörden. Im Landratsamt in Nordsachsen lief dazu am Montagvormittag eine Besprechung, wie ein Sprecher sagte.

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