Emmy-Verleihung, Streamingdienste

Rekord-Emmys für «Widow's Bay»: Apple TV überholt Konkurrenz bei US-Fernsehpreisen

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 07:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Horror-Comedyserie «Widow's Bay» schreibt bei den Emmys Geschichte: Mit 14 Auszeichnungen stellt sie einen neuen Rekord in der Comedy-Kategorie auf und verhilft Apple TV zu einem historischen Gesamtsieg. Auch andere Serien und Stars können Rekorde feiern, während die Gala selbst ungewöhnlich unpolitisch bleibt.

  • «Widow's Bay» wurde zum Überraschungssieger der diesjährigen Emmys.  - Bild: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa
    «Widow's Bay» wurde zum Überraschungssieger der diesjährigen Emmys. - Bild: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa
  • Die US-Fernsehpreise Emmys wurden in diesem Jahr bereits zum 78. Mal verliehen.  - Bild: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa
    Die US-Fernsehpreise Emmys wurden in diesem Jahr bereits zum 78. Mal verliehen. - Bild: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa
  • Colbert blieb in seiner Dankesrede unpolitisch. - Bild: Richard Shotwell/Invision/dpa
    Colbert blieb in seiner Dankesrede unpolitisch. - Bild: Richard Shotwell/Invision/dpa
  • Fox bekam einen Ehren-Emmy. - Bild: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa
    Fox bekam einen Ehren-Emmy. - Bild: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa
«Widow's Bay» wurde zum Überraschungssieger der diesjährigen Emmys.  - Bild: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa Die US-Fernsehpreise Emmys wurden in diesem Jahr bereits zum 78. Mal verliehen.  - Bild: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa Colbert blieb in seiner Dankesrede unpolitisch. - Bild: Richard Shotwell/Invision/dpa Fox bekam einen Ehren-Emmy. - Bild: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa

Die Horror-Comedyserie «Widow's Bay» von Apple TV hat bei der diesjährigen Verleihung der US-Fernsehpreise Emmys 14 Auszeichnungen erhalten und damit einen neuen Rekord in der Comedy-Kategorie aufgestellt.

Rekord für «Widow's Bay» in der Comedy-Sparte

Mit ihrer ersten und bislang einzigen Staffel gewann «Widow's Bay» mehr Preise als je zuvor eine Serie in der Comedy-Kategorie in einem einzelnen Jahr. Die Produktion über eine fiktive Insel an der US-Ostküste, deren Bürgermeister das ramponierte Image seiner Heimat aufpolieren will, übertraf damit den erst im Vorjahr erreichten Rekord der Hollywood-Satire «The Studio», die damals 13 Emmys erhalten hatte.

Inhaltlich verbindet «Widow's Bay» Witz und Grusel. Einige alteingesessene Inselbewohner sind überzeugt, dass ein Fluch auf dem abgeschiedenen Eiland liegt, während die Lokalpolitik um das Erscheinungsbild der Gemeinde ringt.

Apple TV setzt sich im Anbietervergleich durch

Neben dem Hauptpreis als beste Comedyserie gewann «Widow's Bay» unter anderem Emmys für das beste Drehbuch und die beste Regie. Auszeichnungen gingen zudem an Matthew Rhys als besten Hauptdarsteller sowie an Stephen Root und Kate O'Flynn in den Nebendarsteller-Kategorien.

Diese und weitere Erfolge trugen dazu bei, dass der Streamingdienst Apple TV insgesamt 28 Emmys einnahm und damit erstmals in der Geschichte der Auszeichnungen die meisten Preise aller Anbieter verbuchen konnte. Serienerfinderin Katie Dippold kündigte in ihrer Dankesrede an, die Emmy-Trophäe gut sichtbar in ihrem Haus zu platzieren und machte den Erfolg scherzhaft zu einem zentralen Teil ihrer Persönlichkeit.

Matthew Rhys mit Doppel-Erfolg

Hauptdarsteller Matthew Rhys stellte einen eigenen Rekord auf. Neben seiner Ehrung für «Widow's Bay» gewann er auch in der Hauptrollen-Kategorie für die Netflix-Miniserie «The Beast in Me» und ist damit der erste Schauspieler, der zwei Hauptrollen-Emmys bei einer einzigen Gala erhält.

Viele Nominierungen, weniger Preise für «Hacks»

Weniger erfolgreich verlief der Abend für die Comedyserie «Hacks», die in Deutschland bei RTL+ zu sehen ist. Die fünfte Staffel war mit 24 Nominierungen ins Rennen gegangen und damit so häufig berücksichtigt worden wie keine Comedy-Staffel zuvor. Am Ende standen jedoch nur zwei Auszeichnungen, darunter der Preis für die Hauptdarstellerin Jean Smart.

Jean Smart und Allison Janney, die für die Serie «Diplomatische Beziehungen» geehrt wurde, kommen nun jeweils auf acht Emmys und ziehen damit mit Cloris Leachman und Julia Louis-Dreyfus gleich. Sie haben jeweils die meisten Auszeichnungen, die eine einzelne Darstellerin in der Geschichte der Emmys bislang erreichen konnte.

Drama-Sparte dominiert von Krankenhausserie «The Pitt»

In der Drama-Kategorie war «The Pitt» mit 25 Nominierungen der Favorit. Die Krankenhausserie von HBO Max, die in Echtzeit in der Notaufnahme eines fiktiven Krankenhauses in Pittsburgh erzählt ist, gewann sechs Emmys, darunter erneut den Hauptpreis als beste Dramaserie.

«The Pitt» wird vor allem wegen ihrer humanistischen Handlung und der einfühlsamen Darstellung der Figuren gelobt. Serienerfinder R. Scott Gemmill hob in seiner Dankesrede die Gemeinschaft der Fernsehschaffenden hervor und betonte, wichtiger als Quoten und Preise sei der Versuch, das Richtige zu tun.

Showeinlagen und prominente Auftritte bei der Gala

Moderiert wurde die Emmy-Gala von Schauspielerin Mariska Hargitay. Sie eröffnete den Abend im weißen Kleid mit dem Song «I love TV Screens», angelehnt an «I Love Rock 'n' Roll», begleitet von Tänzern mit Fernsehbildschirm-Kostümen.

Im Verlauf der Show stand Hargitay mit Kollegin Nicole Kidman auf der Bühne und war in einem vorproduzierten Videoclip an der Seite von Musikstar Taylor Swift zu sehen. In dem Sketch versucht sie herauszufinden, ob Swift zur Emmy-Gala kommen werde. Am Ende steht Swift neben ihr und kündigt an, das Gesuchte werde sich vor aller Augen verstecken.

Taylor Swift bei Football-Spiel statt bei den Emmys

Zur eigentlichen Preisverleihung erschien Taylor Swift nicht. Während der Gala wurde sie beim Saisonauftakt des Football-Teams von Travis Kelce in Kansas City beobachtet, mit dem sie seit Kurzem verheiratet ist.

Zurückhaltende politische Botschaften

Die meisten Preisträger blieben in ihren Reden unpolitisch und eher nachdenklich. Schauspieler und Filmemacher Alan Cumming rief die US-Bevölkerung allgemein zum Wählen auf. Vince Gilligan, Autor der Dramaserie «Pluribus – Glück ist ansteckend» von Apple TV, appellierte an mehr gegenseitigen Respekt und bezeichnete die aktuelle Realität als besonders merkwürdig.

Gilligan betonte, vollständige Einigkeit sei nicht zu erwarten, doch man könne sich mit Respekt begegnen. Die Aussage fügte sich in den insgesamt zurückhaltenden Ton der Gala ein.

Emmys für Stephen Colbert und Ehrenpreis für Michael J. Fox

Die Late-Night-Show von US-Moderator Stephen Colbert erhielt insgesamt sechs Emmys, einen davon während der Live-Gala. Der TV-Sender CBS hatte die Sendung aus finanziellen Gründen eingestellt, Beobachter vermuteten allerdings Rücksicht auf den wiederholt kritisierten damaligen US-Präsidenten Donald Trump.

Colbert nutzte seine Dankesrede diesmal nicht für politische Attacken, sondern sprach vor allem seinem Team seinen Dank aus. Der an Parkinson erkrankte Schauspieler Michael J. Fox wurde mit einem Ehren-Emmy ausgezeichnet und bezeichnete die Auszeichnung als großartige und demütig machende Ehre.

Gedenken an verstorbene Fernsehschaffende

Während der Gala wurde auch an im vergangenen Jahr verstorbene Persönlichkeiten des Fernsehens erinnert, darunter Regisseur Rob Reiner. Die Sängerin Reba McEntire sang ein Lied zu Ehren der kürzlich gestorbenen Dolly Parton.

Schauspieler Macaulay Culkin gedachte der im Januar gestorbenen Catherine O'Hara, die in dem Film «Kevin – Allein zu Haus» seine Mutter gespielt hatte. Sie sei seine Mama gewesen, sagte Culkin, und obwohl sie ihn im Film zweimal vergessen habe, werde er sich immer an sie erinnern.

Aufsehen im Publikum

Für Aufmerksamkeit im Saal sorgte unter anderem Schauspielerin Megan Stalter, die in einem Kostüm erschien, das einer Emmy-Trophäe nachempfunden war. Damit griff sie den festlichen Charakter der Veranstaltung augenzwinkernd auf und fügte der Gala einen weiteren humorvollen Moment hinzu.

Neue Rekorde bei den Emmys und verschärfter Wettbewerb der Streamingdienste

Die Rekordserie von «Widow's Bay» mit 14 Preisen verdeutlicht, wie stark sich die Emmys zu einem Schaufenster für globale Streamingplattformen entwickelt haben. Apple TV setzt mit der erstmals erreichten Spitzenposition bei der Gesamtzahl der Auszeichnungen ein deutliches Zeichen im Wettbewerb mit Platzhirschen wie Netflix oder HBO Max. Für Zuschauerinnen und Zuschauer bedeutet dies, dass neue Formate jenseits der etablierten Marken schneller sichtbar werden und mit hoher Aufmerksamkeit rechnen können.

Der Erfolg von «Widow's Bay» in der Comedy-Kategorie und der erneute Sieg von «The Pitt» bei den Dramaserien spiegeln zugleich einen inhaltlichen Trend: komplexe Stoffe mit deutlicher Genre-Mischung und humanistischem Kern dominieren die Auszeichnungen. Horror- und Krankenhausserien werden nicht mehr nur als Nischenunterhaltung wahrgenommen, sondern als erzählerisch und schauspielerisch anspruchsvolle Produktionen. Dass Matthew Rhys gleich zwei Hauptrollen-Emmys in einer Gala erhält, unterstreicht die wachsende Bedeutung von Vielseitigkeit und plattformübergreifender Präsenz bekannter Stars.

Unpolitische Gala in einem politisierten Umfeld

Auffällig ist die vergleichsweise unpolitische Ausrichtung der diesjährigen Verleihung. Moderatorin Mariska Hargitay setzte eher auf augenzwinkernde Selbstironie über das Fernsehen als Medium, und auch viele Preisträger verzichteten auf klare Stellungnahmen zu gesellschaftlichen Konflikten. Kurze Appelle zum Wählen oder zu mehr Respekt blieben allgemein gehalten. Vor dem Hintergrund wiederkehrender Debatten über die Rolle Hollywoods im politischen Diskurs ist diese Zurückhaltung bemerkenswert und kann als Versuch gelesen werden, den Fokus stärker auf das Erzählen und die Teamleistungen hinter den Serien zu lenken.

Bedeutung der Ehrungen und Erinnerungsarbeit

Der Ehren-Emmy für Michael J. Fox und die ausführlichen Gedenksequenzen zeigen, dass die Emmys weiterhin auch als Ort des kollektiven Rückblicks funktionieren. Für das Publikum wird erfahrbar, wie sehr einzelne Persönlichkeiten – von Fox über Rob Reiner bis zu Catherine O'Hara – das Fernsehen geprägt haben. Gleichzeitig macht der Abend deutlich, dass die Branche zwischen Rekordjagd, Streaming-Wettbewerb und gesellschaftlicher Verantwortung balanciert: Sie feiert ihre Erfolge, erinnert an Verstorbene und formuliert zumindest in Ansätzen Werte wie Gemeinschaft und „das Richtige tun“ als Leitmotiv.

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