Danger Dan spricht über Coming-out und schwules Liebeslied beim CSD Görlitz
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 19:56 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Rapper Danger Dan hat über eine frühere Liebesbeziehung zu einem Mann und seine sexuelle Orientierung gesprochen.
„Rückwirkendes Coming-out“
„Ich habe mich zwar nie als besonders hetero erlebt, aber auch nicht als schwul oder bi. Mir war sowas immer recht schnurz“, sagte der 43-Jährige dem „Tagesspiegel“. Auf seinem neuen Album „Keine Angst“, das am 2. Oktober erscheint, singt er über die Beziehung zu seinem Ex-Freund.
Angesichts von Bedrohungen queerer Veranstaltungen durch Islamisten und Nazis sei nun der richtige Zeitpunkt für ein schwules Liebeslied. „Ich solidarisiere mich nicht nur mit euch, sondern ich bin einer von euch“, sagte Danger Dan.
Premiere beim CSD in Görlitz
Bei einem Auftritt beim Christopher Street Day am Samstag in Görlitz spielte der Musiker den Song „Warum es nicht geklappt hat“ nach eigenen Angaben erstmals öffentlich. Die darin thematisierte Beziehung habe er im Vergleich zu seinen heterosexuellen Beziehungen nie wirklich gleichwertig behandelt.
Er habe seinem Ex-Freund ein Liebeslied geschuldet. „Wenn man so will, ist es mein rückwirkendes Coming-out gerade“, sagte Danger Dan bei der Veranstaltung.
Fortschreitende Erblindung
In dem Interview sprach der Musiker, der mit bürgerlichem Namen Daniel Pongratz heißt, auch über seine fortschreitende Erblindung. Danger Dan leidet an der erblichen Augenkrankheit Retinitis pigmentosa.
Die Diagnose sei ein Wendepunkt in seiner Biografie gewesen. Hinter der Bühne müsse ihm inzwischen häufig jemand mit einer Taschenlampe den Weg leuchten. Auf seinem Klavierhocker befinde sich ein neonfarbenes Kreuz, damit er erkennen könne, wo er sich hinsetzen müsse.
Neues Album im Oktober
Danger Dan macht als Solokünstler Musik und ist zugleich Teil der Rap-Gruppe Antilopen Gang. Sein Solo-Album „Keine Angst“ erscheint am 2. Oktober.
Ein persönliches Bekenntnis mit politischer Dimension
Danger Dan verbindet seine persönliche Geschichte mit einer öffentlichen Reaktion auf die Bedrohung queerer Veranstaltungen. Das verleiht dem Lied über seinen früheren Freund eine Bedeutung, die über die Aufarbeitung einer vergangenen Beziehung hinausgeht: Der Musiker positioniert sich sichtbar als Teil der queeren Community.
Ein rückwirkendes Coming-out beschreibt dabei keinen klassischen Moment einer erstmaligen Selbstdefinition. Danger Dan erklärt vielmehr, dass er sich nie eindeutig als heterosexuell verstanden habe, Kategorien für ihn aber bislang keine große Rolle gespielt hätten. Mit dem neuen Lied macht er eine frühere Beziehung nun öffentlich und ordnet sie im Verhältnis zu seinen heterosexuellen Beziehungen kritisch ein.
Album zwischen Privatleben, Protest und Krankheit
Das am 2. Oktober erscheinende Album „Keine Angst“ führt mehrere persönliche und gesellschaftliche Themen zusammen. Neben dem schwulen Liebeslied verarbeitet Danger Dan seine fortschreitende Erblindung durch Retinitis pigmentosa. Die Erkrankung verändert seinen Alltag bereits konkret, während er zugleich die verbleibende Zeit bewusster wahrnimmt.
Für das Publikum entsteht dadurch ein Album, das intime Biografie und politische Haltung verbindet. Der Auftritt beim CSD in Görlitz setzt das Lied unmittelbar in einen öffentlichen Rahmen. Zugleich dürfte die Veröffentlichung die Debatte darüber verstärken, wie populäre Künstler queere Sichtbarkeit, Solidarität und persönliche Selbstbeschreibung miteinander verknüpfen.
