Charles Spencer: Dianas Bruder rechnet in neuem Buch mit König Charles ab
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 11:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWSCharles Spencer erhebt in seinem Buch «Swan Song. Diana, meine Schwester» schwere Vorwürfe gegen König Charles III. und schildert Gespräche nach dem Unfalltod seiner Schwester Diana, die den damaligen Thronfolger in einem schlechten Licht erscheinen lassen.
Spencer beschreibt umstrittenes Telefonat
Am Morgen nach dem tödlichen Unfall habe Charles ihn angerufen, schreibt der heute 62-jährige Earl Spencer. Anders als andere Anrufer habe der damalige Prince of Wales gelöst geklungen, «wie ein Lottogewinner», erinnert sich Spencer.
Kurz vor Dianas Trauerfeier habe Charles über seine Ex-Frau gesagt: «Wir werden sie früh genug vergessen!» Zugleich soll er der Familie Spencer mangelndes Pflichtgefühl vorgeworfen haben.
Palast weist Darstellung zurück
Ein Palastsprecher hatte bereits in der vergangenen Woche erklärt, brüderliche Trauer könne auch nach vielen Jahren die Vernunft trüben, die Urteilsfähigkeit beeinträchtigen und Erinnerungen einfärben. Spencer widerspricht dem und betont, Charles habe die von ihm wiedergegebenen Worte tatsächlich gesagt.
Der Konflikt reicht damit über eine private Erinnerung hinaus: Spencer stellt die Reaktion des Königs auf Dianas Tod und den Umgang der Monarchie mit der Trauer grundsätzlich infrage.
Streit um den Trauermarsch
Spencer schreibt außerdem, er habe William und Harry den Gang hinter Dianas Sarg ersparen wollen. Die beiden Prinzen waren damals 15 und zwölf Jahre alt. Der Palast habe sich jedoch durchgesetzt.
Spencer vermutet, die Anwesenheit der Jungen könne auch dazu gedient haben, die Menge davon abzuhalten, Charles zu beleidigen. Den Trauermarsch durch die von Trauer geprägten Menschenmengen beschreibt er als besonders belastende Erfahrung.
Vorwürfe über Erbe und Thronfolge
Nach Spencers Darstellung habe Charles seine Ungeduld darüber, noch nicht geerbt zu haben, wiederholt erkennen lassen. Bei der Beisetzung von Spencers Vater 1992 soll der damalige Thronfolger gesagt haben: «Du hast so ein Glück!» Gemeint habe er damit, dass Spencer früh erben werde.
Charles habe anschließend geklagt, mit 43 Jahren noch immer nichts geerbt zu haben und von seinen Eltern wie ein Kind behandelt zu werden. Spencer beschreibt ihn dabei als bockig.
Angebliche Romanze mit Elizabeth
Weitere Indiskretionen betreffen Spencers Vater John, den 8. Earl of Spencer. Dieser sei laut seinem Sohn romantisch mit der damaligen Prinzessin Elizabeth verbunden gewesen, als er als Adjutant ihres Vaters George VI. tätig war.
Die Beziehung sei von Lord Mountbatten unterbunden worden, behauptet Spencer. Er stellt dabei die Vermutung an, Mountbatten habe den Weg für seinen Neffen Prinz Philip freimachen wollen.
Spencers Seitenhieb auf die Windsors
Spencer betont in dem Buch die jahrhundertealte Geschichte seiner Familie in der englischen Aristokratie. Daraus ergibt sich ein Kontrast zum Haus Windsor, auf den er mit Dianas Stellung als erste Engländerin seit 1660 verweist, die einen Thronerben geheiratet habe.
Kommentatoren sehen darin einen Seitenhieb auf die königliche Familie. Der frühere Minister und Publizist Michael Gove fasst diese Lesart mit dem Gegensatz zwischen der alten Aristokratie der Spencers und dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha zusammen.
Ein Buch als neue Bühne für alte Konflikte
Charles Spencers Memoiren erscheinen fast drei Jahrzehnte nach dem Tod seiner Schwester in einer britischen Öffentlichkeit, in der Diana weiterhin eine zentrale Figur der Monarchiegeschichte ist. Der neue Streit knüpft an die damalige Scheidungskrise, die öffentliche Trauer und die bis heute starke Aufmerksamkeit für das Verhältnis zwischen Diana, Charles und ihren Söhnen an.
Die Vorwürfe treffen König Charles III. nicht nur persönlich, sondern berühren auch die Frage, wie die Monarchie mit Krisen, familiären Konflikten und öffentlicher Erinnerung umgeht. Besonders sensibel ist der Bericht über William und Harry: Beide waren bei Dianas Trauerzug minderjährig. Spencers Darstellung rückt damit erneut die Spannung zwischen protokollarischer Pflichterfüllung und dem Schutz der Familie in den Mittelpunkt.
Öffentliche Wirkung und mögliche Folgen
Für das Königshaus dürfte die Veröffentlichung vor allem kommunikativ heikel sein. Eine ausführliche juristische Auseinandersetzung mit historischen privaten Gesprächen wäre kaum geeignet, den Konflikt zu beruhigen; zugleich kann Schweigen als Zurückweisung der Darstellung interpretiert werden. Der Palast hat deshalb mit einer grundsätzlichen Erklärung zur Erinnerung und Trauer reagiert, während Spencer seine Schilderung bekräftigt.
Das Interesse an dem Buch dürfte auch deshalb groß sein, weil Spencer nicht als außenstehender Biograf spricht, sondern als Dianas Bruder und Angehöriger einer alten Adelsfamilie. Seine Perspektive verbindet persönliche Erinnerung mit einem grundsätzlichen Gegensatz zwischen Spencer-Familie und Windsor-Haus. Für Leser ist entscheidend, die geschilderten Gespräche als Spencers Erinnerungen und Deutungen einzuordnen; ihre politische Bedeutung liegt vor allem darin, dass sie alte Fragen über Verantwortung, Loyalität und öffentliche Inszenierung der britischen Monarchie neu aufwerfen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
FOCUS online: „„Krebsartiger Einfluss“: Charles Spencer verteidigt Harry und Meghan – und zieht Diana-Vergleich“ (20.09.2026)
Der Bericht schildere, Spencer habe in einem BBC-Interview auch Harry und Meghan gegen eine aus seiner Sicht zerstörerische Medienberichterstattung verteidigt und deren Situation mit Dianas Erfahrungen verglichen. Zugleich bestätige der Artikel den aktuellen öffentlichen Konflikt mit dem Königshaus und hebe stärker als die dpa-Meldung Spencers Medienkritik und seine Unterstützung für die Söhne Dianas hervor.
Nach Darstellung des Berichts habe der Palast auf Spencers Vorwürfe mit dem Hinweis reagiert, tiefe Trauer könne Urteilsvermögen und Erinnerung beeinflussen. Offen bleibe damit weiterhin, wie die Beteiligten die historischen Gespräche jeweils erinnern und ob der Streit über das Buch hinaus öffentlich fortgeführt werde.
