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Gemeinschaft mit Klang: Wie die Posaunenmission Bethel seit 150 Jahren Menschen begeistert / Jubiläumskonzerte vom 3. bis 5. Juli

26.06.2026 - 10:00:03 | presseportal.de

Bielefeld - Warm und sonor klingen die Posaunen. Tief und voluminös die Tuben. Hell und durchdringend die Trompeten. Heiter und gelöst das Gelächter. Die weit geöffnete Außentür zur Posaunenmission Bethel lässt Passanten wie Anwohner im wahrsten Sinne am "harmonischen" Innenleben teilhaben. Es wird geprobt an diesem frühsommerlichen Abend. Und das bedeutet vor allem: hochkonzentriertes Musizieren, ausdrücklich aber auch die eine oder andere Flachserei.

Gemeinschaft mit Klang: Wie die Posaunenmission Bethel seit 150 Jahren Menschen begeistert / Jubiläumskonzerte vom 3. bis 5. Juli - Bild: presseportal.de
Gemeinschaft mit Klang: Wie die Posaunenmission Bethel seit 150 Jahren Menschen begeistert / Jubiläumskonzerte vom 3. bis 5. Juli - Bild: presseportal.de

"Genau das macht uns auch aus", sagt Diakon Joachim von Haebler, seit 1993 Leiter der Posaunenmission Bethel und bundesweit einziger hauptberuflicher Leiter eines Posaunenchores. "Wir finden immer eine gute Mischung. Uns eint der Spaß am Spielen und die Freude an der Geselligkeit. Und natürlich wollen wir über die wöchentliche Probenarbeit weiter an Qualität hinzugewinnen", erzählt er.

Das musikalische Repertoire der Posaunenmission Bethel sei groß, betont Diakon Joachim von Haebler. Rock, Pop, Jazz, Gospel, klassische Musik ... Die Posaunenmission Bethel mit ihren insgesamt 75 Bläserinnen und Bläsern hat alle Genres drauf. "Wenn es passt und gewünscht ist, sind wir uns auch nicht zu schade, eine böhmische Polka rauszuholen", erzählt von Haebler lächelnd.

Das Haus Schlüsselblume, seit 1974 der Standort des Posaunenchores der Zionsgemeinde, ist für viele der Bläserinnen und Bläser eine zweite Heimat. Und der Blick über die dirigierenden Hände von Diakon Joachim von Haebler in die Gesichter der Musizierenden offenbart: Der Posaunenchor begeistert Jung wie Alt. Während Frank Schölz bereits seit 1977 Mitglied ist, wurde Sohn David Wattenberg in dem musikalischen Haushalt die Posaune quasi in die Wiege gelegt. "Ich habe schon als Kleinkind aus dem Kinderwagen 'Tochter Zion' gepfiffen", erinnert sich der 32-Jährige.

Schätzt David Wattenberg vor allem das Musizieren und die Gemeinschaft an der Posaunenmission, steht bei seinem Vater der religiöse Aspekt stärker im Vordergrund. Durch den Entsendungsgedanken oder musikalische Auftritte, wie dem letzten Geleit auf Trauerfeiern, möchte der 67-Jährige den Menschen etwas zurückgeben. Obwohl ihre Gründe für das Mitwirken auch generationsbedingt unterschiedlich sind, haben Vater und Sohn für das Jubiläumsjahr das gleiche Ziel: "Wir wollen das verstaubte Image, das uns in der Öffentlichkeit etwas anhaftet, loswerden." Denn unter den rund 100.000 Bläsern, die deutschlandweit in Chören organisiert sind, befinden sich viele junge Musizierende.

Gelegenheit, sich von der musikalischen Vielseitigkeit der Posaunenmission Bethel zu überzeugen, bieten drei Jubiläumskonzerte in der Zionskirche in Bielefeld-Bethel: Freitag, 3. Juli, 20 Uhr, Konzert des Ensembles "ProBlech" und des Ensembles ZION; Samstag, 4. Juli, 17 Uhr, Jubiläumskonzert mit dem großen Chor der Posaunenmission Bethel und Gästen; Sonntag, 5. Juli, 15 Uhr, Gottesdienst zum Jubiläum mit dem großen Chor der Posaunenmission, Ehemaligen und Gästen. Der Eintritt ist frei.

Bewegende Historie

Die Geschichte der Posaunenmission in Bethel reicht bis ins Jahr 1875 zurück. Damals warb Anstaltsleiter Friedrich von Bodelschwingh auf dem Betheler Jahresfest um Spenden für Posauneninstrumente. Zuvor hatte der Pfleger Peter Heinrich Venghaus an freien Sonntagen mit seiner Posaune vor den Häusern musiziert und damit Patienten wie Mitarbeitende begeistert. Schnell entstand unter ihnen der Wunsch, selbst das Hornblasen zu erlernen. 1876 leitete Heinrich Wienkamp aus Wallenbrück bei Spenge die ersten Übungsstunden mit Betheler Mitarbeitenden.

Einen entscheidenden Aufschwung erlebte die Posaunenmission ab 1893 unter Johannes Kuhlo, dem neuen Vorsteher der Diakonenanstalt Nazareth. Als prägende Persönlichkeit der evangelischen Posaunenbewegung machte er die Betheler Bläser weit über die Region hinaus bekannt. Besondere Bekanntheit erlangten das "Kuhlo-Horn-Sextett" und das "Duwe-Quartett". Kuhlo war 1922 als Vorsteher Nazareths in den Ruhestand gegangen. Walter Duwe, seit 1905 Mitglied des Chors, wurde ab 1923 hauptamtlich in der Betheler Posaunenarbeit tätig.

Neben seinen musikalischen Verdiensten müssen allerdings Kuhlos antisemitische Äußerungen und seine aktive Nähe zur NSDAP kritisch benannt werden. 1933 trat er der Partei bei, unterstützte offen den Nationalsozialismus und wurde im selben Jahr zum Reichsposaunenführer der Evangelischen Posaunenmission Deutschlands ernannt.

Nach 1945 engagierten sich besonders viele Jugendliche in der Posaunenmission. Duwe leitete die Arbeit bis 1964 weiter. Seine Nachfolger Johannes Gottwald und Paul Friedrich Klein stärkten vor allem die Gemeinde- und Jugendarbeit in Bethel. Seit 1993 leitet Diakon Joachim von Haebler die Posaunenmission.

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